Einschläfern – eine schwere Entscheidung

Einschläfern – eine schwere Entscheidung

Das geliebte Tier einschläfern lassen: keine leichte Entscheidung. Weder für den Halter noch für den Tierarzt. Doch wie kann eine Euthanasie für alle Beteiligten – Tier, Halter und Tierarzt – möglichst friedlich verlaufen?

Wenn der Zeitpunkt kommt

Ein Tier möglichst lang gesund zu erleben, es zu heilen, wenn es krank ist – das ist die eigentliche Aufgabe eines Tierarztes und auch sein größter Wunsch. Viele Tiermediziner begleiten ihre Patienten über Jahre hinweg, impfen sie, helfen bei Verletzungen oder Erkrankungen. Hat der Hund oder die Katze dann ein gewisses Alter erreicht und es beginnen chronische Erkrankungen, sieht der Tierarzt seine Patienten in der Regel öfter. Meistens wachsen sie ihm ans Herz wie eigene Tiere. Doch irgendwann beginnt sich der Zustand des Tieres so zu verschlechtern, dass alle Therapien nicht mehr anschlagen. Dann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem der Halter entscheiden muss: Lass ich mein Tier noch länger leiden oder erlöse ich es durch eine Euthanasie?

Euthanasie – was bedeutet das?

Der Begriff „Euthanasie“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „guter Tod“. Die Tierärzte verstehen darunter einen möglichst sanften, friedlichen Übergang vom Leben in den Tod, ein erlösendes Sterben. Der Tierarzt muss dabei entscheiden, ob alle medizinischen, ethischen und rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Denn hierzulande gibt es ein „Tiertötungsverbot“. Das Töten eines Wirbeltieres ist in Deutschland nur dann nicht strafbar, wenn ein sogenannter vernünftiger Grund dafür genannt werden kann (§ 17 Nr. 1 TierSchG). Ein vernünftiger Grund ist, dass ein unheilbar krankes Tier nur unnötig leiden würde, wenn sein Leben verlängert wird. Und auch der Halter muss zustimmen, sonst kann und darf ein Tierarzt ein Tier nicht töten.

Doch was ist aus Sicht des Tierarztes wünschenswert, um dem Tier einen möglichst „guten Tod“ zu ermöglichen?

Tierarzt in seiner Praxis

Tierarzt Dr. Henrik Hofmann gibt Tipps, wie die Euthanasie des geliebten Tieres möglichst friedlich verlaufen kann.

Vor einer Euthanasie:

  • Vor einer Euthanasie sollten Tierbesitzer und Tierarzt die möglichen Alternativen besprechen und erst wenn klar ist, dass jede weitere Behandlung keinen Sinn macht, sollte der Tierbesitzer sein Einverständnis zur Euthanasie des Tieres geben.
  • Der Tierbesitzer sollte sich die Zeit nehmen, sich vom Tierarzt den genauen Ablauf und die Dauer der Euthanasie erklären zu lassen. Das erspart unnötige Ängste vor bestimmten Reaktionen des Tieres wie beispielsweise Muskelzittern und letzter Atemzug.
  • Der Tierarzt muss wissen, ob er das Tier in der Praxis einschläfern soll oder ob ein Hausbesuch erwünscht ist.
  • Welche Personen werden anwesend sein? Für das Tier ist es beruhigend, wenn zumindest seine wichtigste Bezugsperson bei ihm ist. Aber auch Familienangehörige können dabei sein, nur sollte der Personenkreis nicht zu groß sein. Möchte der Tierbesitzer bei der Euthanasie nicht dabei sein, sollte er auf jeden Fall klären, wie er sich von seinem toten Tier verabschieden will und was mit dem Tierkörper geschehen soll.

Während einer Euthanasie

  • Der Tierbesitzer sollte sich Zeit nehmen, Ruhe ausstrahlen – also nicht weinen oder schreien. Denn das würde seinem Tier Angst machen. Er sollte beruhigend auf das Tier einwirken, ihm vermitteln, dass es nicht alleine ist. Wenn möglich, den Kopf des Tieres auf seinen Schoß nehmen und streicheln.
  • Die Euthanasie kann dann in Ruhe und schmerzlos vom Tierarzt durchgeführt werden.
  • Es sollte absolute Ruhe herrschen – keine Telefonanrufe oder andere Störungen! Auch für den Tierarzt ist das Einschläfern keine alltägliche Routine, zumal dann nicht, wenn er das Tier schon lange kennt. Je ungestörter der Ablauf einer Euthanasie, desto besser für Tier, Halter und Tierarzt.
Hundepfoten und Menschenbeine auf Waldweg in schwarz-weiß

So schwer es fällt, manchmal ist Loslassen die beste Entscheidung.

Nach einer Euthanasie:

  • Nach der Euthanasie kann sich der Tierbesitzer in Ruhe von seinem Tier verabschieden. An dieser Stelle wünscht sich der Tierarzt, dass der Abschied möglichst gefasst verläuft. Szenen wie lautes Schreien und Weinen, sich auf den Boden oder den Behandlungstisch werfen und ähnliches sind zwar nachvollziehbar, aber für den Ablauf einer Tierarztpraxis bei allem Verständnis sehr störend.
  • Die vorher besprochene Regelung, was mit dem Tierkörper geschehen soll, sollte hinterher auch eingehalten werden. Der Tierhalter kann das Tier mitnehmen und selbst bestatten. Der Tierarzt bietet aber auch in der Regel professionelle Tierbestatter an, die verschiedene Methoden im Programm haben.
  • Natürlich steht der Tierarzt auch weiterhin für Fragen zur Verfügung. Und gerne gibt er Tipps, wenn sich die Besitzer nach einer Trauerzeit für die Anschaffung eines neuen Hundes oder einer Katze entscheiden.

Buchtipps:

Henrik Hofmann
Tieren beim Sterben helfen
Euthanasie in der Tierarztpraxis
VetPress.de, 2013
ISBN 9783940254023

Gene Weingarten
Alte Hunde sind die besten Hunde
Mit einem Anhang zur Pflege und Gesundheit alternder Hunde
Autorenhaus, 2013
ISBN 9783866711181

Autorin: Iris Toussaint

Stand: 01.11.2015, 09:00