Wie tiergerecht ist Tiertherapie?

Wie tiergerecht ist Tiertherapie?

Reittherapie für behinderte Kinder, Hundebesuchsdienste in Altenheimen oder Schulhunde. Es gibt immer mehr Angebote, bei denen Tiere für eine positive Stimmung sorgen sollen. Eine gute Sache! Aber wird dabei auch genug an die Bedürfnisse der Tiere gedacht?

Begegnungen mit Tieren machen Freude, Tiere spenden Wärme und Trost und können bei körperlichen und seelischen Problemen helfen. Tiergestützte Therapien wie therapeutisches Reiten sind daher keine Seltenheit mehr. Immer häufiger werden auch Hunde eingesetzt, etwa um Zugang zu schwierigen Jugendlichen zu bekommen oder für eine bessere Atmosphäre in Schulklassen, als Besucher für Demenzkranke oder einfach, um Kindergartenkinder entspannt an den Umgang mit ihnen zu gewöhnen.

Begegnungshöfe für Menschen und Tiere

Bei allen Angeboten müssen die Tiere natürlich bis zu einem gewissen Maß funktionieren. Wie tiergerecht das abläuft, das variiert sehr stark. Die Stiftung „Bündnis Mensch & Tier“ hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, für das Tierwohl bei solchen Mensch-Tier-Begegnungen einzutreten. 2008 hat das Netzwerk Begegnungshöfe gegründet, auf denen besonders auf Qualität geachtet wird.

Die Experten machen Ortsbegehungen und vergeben Gütesiegel, wenn gewährleistet ist, dass die Tiere artgerecht gehalten werden und die Begegnungen mit Menschen sicher und planvoll ablaufen. Damit will das Netzwerk einen Kontrapunkt setzen gegen Tierhalter, die meinen, sie könnten Tiere einfach irgendwie therapeutisch einsetzen, ohne Konzept und fachliche Begleitung.

Drei Pferde auf einer Wiese

Der Hof von Lexa Voss hat der Prüfung durch die Stiftung „Bündnis Mensch & Tier“ problemlos standgehalten.

Begegnungshof in der Espe

Ein positives Beispiel ist der Hof von Lexa Voss. Mit dem Kauf dieses Hofes bei Hattingen hat sich die Pädagogin und Reittherapeutin 2012 einen Traum erfüllt. Hier können ihre Tiere (Pferde, Hunde, Hühner, Katzen und bald Schafe) artgerecht leben und Mensch-Tier-Begegnungen in idyllischer Natur stattfinden. Ob Erwachsene, die einfach die Gegenwart von Pferden genießen wollen oder Kinder, die spielerisch Ängste abbauen und den Umgang mit Hunden lernen. Anfang 2016 wurde der Hof von der Stiftung „Bündnis Mensch & Tier“ für das Netzwerk Begegnungshöfe qualifiziert.

Stiftung „Bündnis Mensch & Tier“

Die Stiftung beschäftigt sich nicht nur mit der Qualitätssicherung der Begegnungshöfe, sondern möchte auch Netzwerk sein und wissenschaftliche Erkenntnisse und Fachkompetenz bündeln und weitergeben. Weiteres Ziel der Stiftung: die Wertschätzung und das Wohlergeben der Tiere in unserer Gesellschaft zu erhöhen. Ihr Arbeitsschwerpunkt sind Forschungsprojekte und Facharbeitskreise zu den Themen artgerechte Tierhaltung und tiergestützte Arbeit.

Buchtipp:

Carola Otterstedt
Tiergestützte Intervention
Methoden und tiergerechter Einsatz in Therapie, Pädagogik und Förderung
88 Fragen & Antworten

Schattauer, 2016
ISBN 9783794531943
Preis: 19,99 Euro

Autorin: Christiane von Schwind

Stand: 09.09.2016, 17:25

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