Wettmanipulation - Nicht zu überwachen

Wettmanipulation - Nicht zu überwachen

Von Benjamin Best und Michael Ostermann

Seit über einer Woche diskutiert Fußball-Deutschland über eine wissenschaftliche Studie. Analysiert wurden Wetteinsätze auf mehr als 1.200 Bundesligaspiele verteilt auf fünf Bundesligasaisons. Das Fazit: Bei drei Schiedsrichtern stellten die Wissenschaftler systematische Auffälligkeiten fest.

Ein Beweis ist das nicht, sagen die Forscher selbst. Ein Grund hinzuschauen allemal, möglicher Wettbetrug in der Bundesliga steht immerhin im Raum. Der DFB sieht das anders. Erklärt, dass er seit 2005 mit dem Wettüberwachungs-Spezialisten Sportradar zusammenarbeite. Seitdem sei in erster und zweiter Bundesliga kein Spiel als manipulationsverdächtig eingestuft worden.

700 verschobene Spiele

Doch wie gut ist das System tatsächlich? 2009 startete die Bochumer Polizei die bislang weltweit umfangreichsten Ermittlungen gegen Wettbetrug im Fußball. Die Soko "Flankengott“ identifizierte fast 700 verschobene Spiele. Darunter auch Spiele der 2. Bundesliga, etwa die Partie Augsburg gegen den VfL Osnabrück im April 2009.

Ante Sapina und Marijo Cvrtak galten als die Haupttäter im damaligen Verfahren. Beide wurden zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. In der Anklage ging es bei beiden zusammen um fast 90 Fußballspiele, 6.000 Wetten und über 30 Millionen Euro an illegalen Umsätzen.

Cvrtak: "Habe auch Spiele der 2. Liga manipuliert"

Cvrtak hat seine Haftstrafe inzwischen abgesessen. Die Argumentation des DFB, die Spiele der beiden Bundesligen seien vor Manipulation sicher, kann er aufgrund seiner früheren Erfahrungen nicht nachvollziehen. "Da der DFB behauptet, dass es seit 2005 keine Wettauffälligkeiten gibt, kann ich denen so eigentlich nicht folgen", sagt er im Exklusiv-Interview mit Sport inside. "Ich selber habe vor dem Bochumer Landgericht 60 Spiele zugegeben, die ich manipuliert habe. Von diesen 60 Spielen wurde nicht ein einziges Spiel von Sportradar als verdächtig oder als manipuliert eingestuft. Darunter waren auch Fußballspiele der 2. deutschen Bundesliga."

Ermittler: "Warnsysteme haben nicht angeschlagen"

Auch Kriminalhauptkommissar Michael Bahrs, Mitglied der damaligen Ermittlungsgruppe in Bochum, kennt die Schwächen der Warnsysteme. Man habe den Test gemacht und die Analysen von Sportradar abgeglichen mit den verdächtigen Spielen, sagt Bahrs. "Und da hat keines dieser Warnsysteme auf die bei uns bekannten verdächtigen Spiele angeschlagen."

Läuft also alles so weiter, wie in den Bochumer Verfahren aufgedeckt? Der DFB betont, er nähme jeden Hinweis auf Manipulation sehr ernst. Doch der Umgang des Verbandes mit der Bielefelder Studie wirkt eher so, als wolle man nicht hinschauen, um nichts zu entdecken. Glaubwürdigkeit, das wohl wichtigste Gut im Sport, ist so kaum zu gewinnen.

Stand: 05.03.2017, 10:04