Kommentar: Der DFB muss reagieren

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Kommentar: Der DFB muss reagieren

Von Michael Ostermann

Es ist eine auffällige Statistik, kein Beweis. Der DFB sollte das Ergebnis der Studie, die hohe Wetteinsätze mit drei Schiedsrichtern in Verbindung bringt, dennoch ernst nehmen. Ein Kommentar.

Es geht um Statistik und die Forscher selbst stellen klar, dass ihre Arbeit keinen Beweis für Wettmanipulation in der Bundesliga darstellt. Man kann es sich also leicht machen und die Ergebnisse der Studie als rein mathematische Fingerübung abtun. Genau das hat der DFB offenbar beschlossen: Es sich leicht zu machen.

Zufall? Eher nicht!

Dabei rüttelt allein der Verdacht, es könnte dort nicht mit rechten Dingen zu gehen, am Kern des Hochglanzprodukts Fußball-Bundesliga. Die brisante Studie der Universität Bielefeld und zweier Universitäten in den USA kommt zu dem Ergebnis, dass bei den Spielen dreier Schiedsrichter auffällig hohe Wettbeträge gesetzt werden auf so genannte Über/Unter-Wetten, bei denen es darum geht, ob mehr oder weniger als 2,5 Tore fallen. Und das in einer statistischen Häufung, die nach Ansicht der Wissenschaftler auch bei Wettbetrug zu erwarten wäre.

Zufall? So gut wie ausgeschlossen, sagt ein anerkannter Sachverständiger. Dennoch sieht der DFB keinen Handlungsbedarf. Der Verband verweist auf die Zusammenarbeit mit "Sportradar". Der Dienstleister beobachtet den Wettmarkt und habe seit 2005 kein Spiel der 1. und 2. Bundesliga als manipulationsverdächtig eingestuft.

Lehren aus dem Fall Cichon

Aber auch das ist kein Beweis. Kein Beweis dafür, dass nicht manipuliert wird. Das zeigt der Fall des ehemaligen Profis Thomas Cichon, der 2014 zu einer Bewährungsstrafe wegen Beihilfe zum Betrug und versuchter Steuerhinterziehung verurteilt wurde. Im Prozess hatte Cichon gestanden, im April 2009 in der Zweitligapartie zwischen dem FC Augsburg und dem VfL Osnabrück bewusst nicht seine beste Leistung gebracht zu haben. Der VfL verlor die Partie 0:3 und stieg später ab. Nicht einmal seinem Trainer sei etwas aufgefallen, erklärte Cichon. Sportradar schöpfte ebenfalls keinen Verdacht.

Der DFB sollte also wissen, dass es derzeit kein sicheres System gibt, um Manipulationen aufzudecken. Aus diesem Grund sollte man in Frankfurt über jeden Hinweis dankbar sein, der das Erkennen von Wettbetrug erleichtert. Die Studie aus Bielefeld und den USA könnte dabei helfen. Darum muss der DFB jetzt reagieren!

Stand: 24.02.2017, 10:52