Der einzige Gewinner - Das ungezügelte Geschäft des IOC mit Olympia

Sport inside über die Reformprobleme des IOC

Der einzige Gewinner - Das ungezügelte Geschäft des IOC mit Olympia

Explodierende Kosten, verwaiste Sportstätten, immer weniger Bewerber: Mit der "Agenda 2020" will das Internationale Olympische Komitee alles besser machen. Sport inside zieht Bilanz - und findet weiterhin nur einen garantierten Gewinner.

Paris 2024, Los Angeles 2028: Das Internationale Olympische Komitee vergibt Sommerspiele im Doppelpack. Bei der IOC-Session im peruanischen Lima muss der Vorschlag am 13. September nur noch durchgewunken werden. Eine Kampfabstimmung entfällt.

Das IOC verkauft die Doppelvergabe als Erfolg. Paris und Los Angeles seien kostengünstiger und damit ganz im Sinne der "Agenda 2020", sagte IOC-Direktor Christopher Dubi Sport inside. "Wir haben ja gelernt, haben Veränderungen getroffen, die sich alle in unseren Verträgen mit einem Ausrichter niederschlagen. Dadurch werden die Ausrichter viel flexibler, können selber entscheiden, bereits bestehende Sportstätten zu nutzen, sogar außerhalb der Stadt oder des Landes."

Strategische Doppelvergabe

Allerdings hat die "Agenda 2020", die IOC-Präsident Thomas Bach 2014 auf den Weg gebracht hat, eines ihrer Hauptziele verfehlt: Wieder mehr Bewerberstädte für Olympische Spiele zu begeistern. Zunächst schien der Plan aufzugehen, weil sich westliche Metropolen für 2024 bewarben. Doch gleich vier Kandidaten zogen sich zurück: Boston, Hamburg, Rom und Budapest. Angst vor zu hohen Kosten spielte überall eine Rolle.

Blieben noch Paris und das für Boston nachgerückte Los Angeles. Das IOC überzeugte die Amerikaner, sich mit den Spielen 2028 zu begnügen, brachte die Doppelvergabe auf den Weg - und entledigte sich damit für viele Jahre dem Problem, namhafte Bewerber finden zu müssen. Das Prestigeobjekt Olympia blieb also trotz der Reformen ein Ladenhüter.

Das Geschäftsmodell bleibt

"Die Agenda 2020 hat komplett versagt", sagt der Stadtsoziologe Christopher Gaffney. Der Stadtsoziologe ist einer der führenden Wissenschaftler, die seit langem zu den Auswirkungen von Sportgroßveranstaltungen forschen. "Es wird immer wieder der gleiche Fehler gemacht - und das liegt am Vertrag des IOC mit den Städten. Die Städte zahlen, wenn die Kosten explodieren. Dabei hat das IOC noch nie mehr Geld eingenommen als heute. Bei jeden Spielen machen sie mehr. Und die Städte zahlen immer mehr für die Spiele. Bis dieser fundamentale Gegensatz nicht gelöst wird, indem sich das Geschäftsmodell des IOC ändert, ist das, was Herr Dubi sagt, nicht ernstzunehmen."

Recherche in Südkorea, Japan und den USA

"Der einzige Gewinner" - Sport inside schaut in einer 30-minütigen Dokumentation auf das belastete Erbe vergangener Spiele und besucht kommende Gastgeberstädte. Im südkoreanischen Pyeongchang (Winterspiele 2018) mehren sich die Sorgen - nicht nur wegen der Raketentests von Nordkorea. In Tokio (Sommerspiele 2020) deutet sich die nächste olympische Kostenexplosion an - und auch in Los Angeles (voraussichtlich Sommerspiele 2028) regt sich Widerstand.

Ein Film von Robert Kempe und Jochen Leufgens

Stand: 07.09.2017, 20:16