Ein Film von Fred Kowasch

Galopprennbahn Frankfurt

Geschenkter Gaul

Ein Film von Fred Kowasch

Der DFB will auf dem Gelände der Frankfurter Galopprennbahn ein Leistungszentrum, die DFB-Akademie, bauen - nach eigener Einschätzung ein "Jahrhundertprojekt". Kritiker werfen der Stadt Frankfurt vor, dem mitgliederstärksten Sportverband der Welt das Grundstück per Erbbaupachtvertrag weit unter Wert zur Verfügung zu stellen. Am 21. Juni gibt es dazu einen Bürgerentscheid, den ersten in der Frankfurter Geschichte.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sprengt als gemeinnütziger Verein jede Grenze. Er ist nicht nur der mitgliederstärkste Sportverband der Welt, sondern auch einer der reichsten. Fernseh- und Werbeeinnahme steigen seit Jahren kontinuierlich. In Dortmund wird ein DFB-Museum gebaut, in Frankfurt plant der Verband ein neues Hauptquartier der Superlative. In der "DFB-Akademie" soll nicht nur die Verwaltung des Verbandes untergebracht, sondern auch die Trainerlehrgänge abgehalten werden. Und die Nationalmannschaften sollen sich dort auf Länderspiele vorbereiten können. Die Stadt Frankfurt hat dem DFB dafür ein 15 Hektar großes Grundstück zur Verfügung gestellt. Im Gegenzug für einen auf 99 Jahre angelegten Vertrag erhält sie 6,835 Millionen Euro. Dafür muss eine der größten Galopprennbahnen Europas weichen. Und ein Golfclub, der seit einigen Jahren in der Mitte des grünen Areals beheimatet ist.

DFB-Präsident Niersbach und Frankfurts Oberbürgermeister Feldmann

Im März 2014 unterzeichneten DFB-Präsident Niersbach und Frankfurts Oberbürgermeister Feldmann die Verträge

Dieser Deal sorgt für Kritik. So soll das Grundstück in bester Stadtwaldlage mit knapp 46 Euro pro Quadratmeter an den DFB massiv unter Wert verkauft worden sein. Ein Hotelbetreiber, dessen Grundstück an die Rennbahn grenzt, musste vor einigen Jahren beispielsweise noch 859 Euro pro Quadratmeter zahlen. Die Stadt begründet den Preis mit der Nutzung der Fläche. Es handele sich hier um ein "Sondergebiet". Damit die Rennbahn bis zum 31.12.2015 geräumt werden kann, wurde der Betreiber der Fläche - die Hippodrom GmbH - ausbezahlt. Kostenpunkt: 2,98 Millionen Euro. Erst vor einigen Jahren hat die Stadt Frankfurt das Rennbahngelände saniert und die alte Tribüne instand gesetzt. Für rund drei Millionen Euro. Hinzu kommen die Verluste aus den ausbleibenden Pachteinnahmen mit der Rennbahn. Und eine noch unbekannte Summe, um den Golfverein, der ein Teil des Rennbahngeländes bis 2039 gepachtet hat, zu entschädigen. An dem Projekt wird zunehmend Kritik laut. Von einem "Geschenk" der Stadt an den DFB spricht beispielsweise Rebekka Unrath. Die 29-Jährige ist das Gesicht der Bewegung 'Pro Rennbahn' und nicht ganz unbeteiligt daran, dass es am 21.Juni einen Bürgerentscheid zum Thema 'DFB-Akademie' geben wird. Und auch DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock sah sich vor kurzem auf einer Diskussionsveranstaltung massiver Kritik gegenüber. Die geplante DFB-Akademie erhitzt momentan sprichwörtlich die Gemüter.

Stand: 29.05.2015, 07:00

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