Konsum um jeden Preis

Der Wahnsinn in Tüten

Konsum um jeden Preis

Von Immo Mäueler

Wir lieben es, Geld auszugeben – am liebsten für Klamotten. Jeder von uns kauft sich im Schnitt 60 neue T-Shirts beziehungsweise Hosen und mindestens fünf Paar neue Schuhe pro Jahr. Aber auch Technik steht ganz oben auf der Konsumliste: Alle vier Jahre leisten wir uns einen neuen Fernseher, alle zwei sogar ein neues Handy.

Primark

Brauchen wir die vielen Klamotten und technischen Geräte wirklich?

Der Reiz des Konsums

Schnäppchen-Jagd, mit der Mode gehen, sich belohnen wollen – es gibt viele Gründe, warum wir so gerne shoppen. Hier ein paar Erkenntnisse aus der Wissenschaft – in willkürlicher Reihenfolge:

  • Mann/Frau: Männer interessieren sich eher für technische Dinge, Autos sowie Versicherungen; Frauen dagegen haben im Haushalt den Blick für das Nötige. Geht es um Konsumentscheidungen in Partnerschaften, dann werden diese meistens gemeinsam getroffen.
  • Finanzierungen werden gerne in Anspruch genommen. Der Grund: Zwischen bezahlen und nutzen der Ware liegt ein zeitlicher Abstand. Das Geld schmerzt nicht so.
  • Unter dem Ikea-Effekt verstehen Psychologen, dass Produkte, mit denen man sich mehr auseinandersetzt – beispielsweise weil sie noch zusammengebaut werden müssen – glücklicher machen als klassische Konsumgüter.
  • Gemeinsam etwas erleben macht langfristig glücklicher als zu konsumieren.

Servicezeit vom 06.10.2015

Konsum um jeden Preis?

Jedes einzelne Teil kostet nicht nur unser Geld, sondern auch Ressourcen. Ob Rohstoffe verbraucht werden oder unsere Umwelt in Mitleidenschaft gezogen wird – mit dem „ökologischen Fußabdruck“ (oder auch „Rucksack“) wird die Auswirkung unseres Konsumverhaltens auf die Umwelt zusammengefasst. Das Ergebnis alarmiert: Wir verbrauchen deutlich zu viele Ressourcen – das heißt, unsere Erde kann unseren Hunger nach Essen, Konsumgütern, Rohstoffen und Vergnügen nicht mehr lange stillen. Folglich wird sich unsere Lebensart ändern: Bis 2050 wird der Konsumlevel um 80 bis 90 Prozent sinken müssen.

Ein Raum voller Konsumgüter

Konsumgüter kosten nicht nur Geld, sondern vor allem auch Ressourcen.

Ein Beispiel: Eine Jeans besteht aus Baumwolle. Von der Saat bis in unseren Schrank werden 25.000 Liter Wasser verbraucht. Die Einzelteile einer Jeans werden 50.000 Kilometer durch die Welt verfrachtet. Wenn eine Jeans „Glück hat“, wird sie noch weitere 100 Mal Second Hand getragen. Andernfalls wandert sie in den Müll.

Wie gut ist IhreCO2-Bilanz?

Mit dem CO2-Rechner vom Umweltbundesamt können Sie Ihre persönliche CO2-Bilanz ausrechnen.

Was tun?

Zunächst einmal sind Politiker, Wirtschaft aber auch Verbände und Vereine gefragt. Sie alle können im Kleinen sowie Großen notwendige Veränderungen herbeiführen. Doch auch jeder einzelne kann nicht nur etwas tun, sondern sollte sich auf kommende Veränderungen einstellen. Wie, wann und in welcher Form – das muss jeder für sich entscheiden. Hier nur ein paar Anreize:

Nachhaltig leben – ein Versuch

Nachhaltig leben, das wollten Santa und Anna ganz praktisch ausprobieren. Dass Einschränkungen damit verbunden sein würden, war klar – aber dass sie persönlich so viel gewinnen würden, damit hätten sie nicht gerechnet. Monatelang haben sie Lebensbereiche komplett auf den Kopf gestellt. Ihr Konzept fand am Ende so viel Anklang, dass viele andere und sogar der Think Tank 30 des Club of Rome mitgemacht haben.

Die Biologinnen Santa und Anna

Santa und Anna haben nachhaltiges Leben ausprobiert und persönlich viel dabei gewonnen.

Das waren die Challenges, die sie sich jeweils einen Monat verschrieben haben – nachmachen ausdrücklich erwünscht!

  • Leben ohne Konsum (nur tauschen, reparieren, leihen)
  • kein Plastik – Verzicht auf Verpackungen
  • Bio-Essen für fünf Euro am Tag
  • vegan essen
  • saisonal, lokal und regional kaufen und essen
  • CO2-Challenge – (fast) im ökologischen Gleichgewicht leben

Umdenken heißt Neues ausprobieren

Oder Altes wieder zu aktivieren. Ob Do-It-Yourself (DIY), Upcycling oder Trödelmarkt – Dinge, die wir mehrfach nutzen oder denen wir mehr Aufmerksamkeit schenken, indem wir sie selber machen, liegen voll im Trend. Ebenso Lebensmittel zu verschenken oder Gegenstände unentgeltlich zu verleihen.

Erst waren es einige wenige, mittlerweile sind es viele Menschen, die sich in Vereinen, Organisationen oder Zweckgemeinschaften zusammengetan haben, um im Kleinen etwas zu bewegen – für sich, andere aber auch für unsere eine Welt.

Einige Menschen sitzen an einem Tisch

Mittlerweile sind es viele Menschen, die sich zusammengetan haben, um etwas zu bewegen.

Stand: 06.10.2015, 09:00