Gefährliche Blutsauger – Zecken als Krankheitsüberträger

Gefährliche Blutsauger – Zecken als Krankheitsüberträger

Zecke im Fell einer Katze

Im Fell von Haustieren gelangen die Zecken ins Haus.

Sie lauern in Büschen oder im Gras auf ihre Opfer, manchmal Monate. Mit unseren Haustieren, vor allem Katzen, gelangen sie auch in unsere Häuser. Zecken sind Spinnentiere, die sich von Blut ernähren. Mit ihrem Stechapparat verankern sie sich fest in der Haut ihres Wirts und bleiben dort viele Tage lang. Eine vollgesaugte Zecke kann bis zu 200mal so viel wiegen wie eine hungrige. Mit einer Blutmahlzeit kann die Zecke Monate, vielleicht sogar Jahre, überleben. Der Stich der Zecke wäre eigentlich harmlos, doch in Darm und Speicheldrüse mancher Zecken leben Viren und Bakterien, die uns beim Stich gefährliche Krankheiten übertragen können. Besonders gefürchtet sind die Frühsommer- Meningoencephalitis (FSME) und die Borreliose. Aber nicht alle Zecken sind mit den Krankheitserregern infiziert und es gibt Möglichkeiten sich zu schützen.

Gefürchtet: Borreliose

Zecken übertragen Krankheiten

Zecken können Borrelien und FSME-Viren übertragen.

Dass Zecken die Krankheit Borreliose übertragen können, ist erst seit 1982 bekannt. Die verantwortlichen Erreger sind Bakterien, Borrelia burgdorferi, die im Darm der Zecken leben. Borreliose ist die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung. Sie ist in ganz Deutschland verbreitet, aber nicht jede Zecke ist infiziert. Man schätzt, dass von 100 gestochenen Menschen in etwa fünf Fällen Borrelien übertragen werden. Oft kann das Immunsystem sich wehren, aber mindestens einer von hundert wird krank. Laut Schätzungen erkranken pro Jahr in Deutschland rund 90.000 Menschen an Borreliose. Die Diagnose ist aber gar nicht so einfach.

Die Wanderröte – Anzeichen für eine Borreliose

Bluttest

Ein Bluttest alleine reicht zur Diagnose nicht aus.

Das sicherste und häufigste Symptom für eine Borreliose ist die Wanderröte (Erythema migrans), ein großer roter Fleck, der sich ausbreitet. Der tritt jedoch nur in 80 bis 90 Prozent der Fälle auf. Wer einen Zeckenstich hatte, sollte die Stelle daher gut beobachten. Diese Wanderröte kann aber auch übersehen werden und nicht immer wird der Zeckenstich überhaupt bemerkt. Andere sehr typische Symptome sind brennende Nervenschmerzen, die vor allem nachts auftreten, Gesichtslähmung oder Gelenkentzündungen, vor allem geschwollene Knie, sowie bestimmte Hautveränderungen, die aber eher selten sind. Borreliose muss mit Antibiotika behandelt werden. Früher wurden zum Teil hoch dosierte Gaben über lange Zeit verordnet. Neuere Studien zeigen, dass eine Behandlung über 30 Tage hinaus den Erfolg nicht verbessert und mehr schaden als nützen.

Fehldiagnosen und Übertherapie

Grafik: Männchen im Gang

Eine Studie zeigt: von 86 angeblichen Borreliose-Patienten litten nur acht tatsächlich daran.

Viele Symptome können auch bei anderen Erkrankungen auftreten. Neben typischen Symptomen wie Wanderröte, Nervenschmerzen oder Gelenkentzündungen klagen Betroffene oft auch über unspezifische Beschwerden wie Erschöpfung, Krankgefühl oder Muskelschmerzen. Meist führen Ärzte zur Abklärung einen Bluttest durch und suchen nach Antikörpern gegen die Borrelien. Aber das Vorhandensein von Antikörpern allein ist noch kein Beweis für eine Erkrankung. Denn auch, wenn das Immunsystem den Erreger erfolgreich abgewehrt hat, befinden sich möglicherweise Antikörper im Blut. Verschiedene Studien weisen daraufhin, dass die Krankheit zu häufig diagnostiziert wird. Die Folge: zu viele Menschen nehmen unnötig Antibiotika und erhalten nicht die für sie richtige Behandlung. Experten raten daher, die Diagnose nicht nur auf einzelne Untersuchungsergebnissen, wie der Blutuntersuchung, zu stützen, sondern das Gesamtpaket im Auge zu behalten. Eine Borreliose ohne die genannten typischen Symptome ist ungewöhnlich. Bei Zweifeln können sich Betroffene zum Beispiel an das Nationales Referenzzentrum für Borrelien in Oberschleißheim wenden oder an die neurologische Klinik am Klinikum Großhadern.

FSME: selten, aber heimtückisch

FSME-Viren (FSME: Frühsommer-Meningoenzephalitis) leben in den Speicheldrüsen der Zecken und werden beim Stich übertragen. Viele Menschen zeigen nach der Infektion keinerlei Symptome, bei den anderen treten nach einigen Tagen zunächst grippeähnlichen Beschwerden, später können auch Kopfschmerzen und Erbrechen hinzukommen, sowie Ausfälle des Nervensystems. Gegen FSME gibt es keine Medikamente, es können nur Symptome gelindert werden. Die meisten Patienten müssen für einige Tage im Krankenhaus betreut werden, viele haben Wochen und Monate nach dem Stich noch Beeinträchtigungen. Bei etwa 30 Prozent der Erkrankten kommt es zu einer Entzündung der Hirnhäute und des Gehirns. Jeder Zehnte von ihnen behält bleibende neurologische oder psychische Veränderungen und Einschränkungen im täglichen Leben. Etwa ein bis zwei Prozent der Erkrankten sterben direkt oder mittelbar an Folgeerkrankungen durch FSME.

FSME Gefahr – vor allem in Süddeutschland

Grafik: FSME

FSME-Viren werden vor allem in Süddeutschland übertragen.

Im Gegensatz zur Borreliose gibt es FSME-Viren nur in bestimmten Regionen, bei uns vor allem in Süddeutschland. Weit weniger Menschen sind betroffen, in Deutschland gibt es jährlich cirka 300 bis 500 Fälle. Aber auch in anderen europäischen Ländern sind Zecken mit FSME-Viren befallen. Nähere Informationen dazu gibt es beim Arzt und auch im Internet, zum Beispiel auf den Seiten des Robert-Koch-Instituts finden sich Karten mit Verbreitungs-Daten von FSME-Erregern, die regelmäßig aktualisiert werden.

Schutz vor den Krankheitserregern

Zecke wird mit Pinzette gegriffen

Wichtig ist, die Zecke frühzeitig zu entfernen.

Gegen FSME gibt es eine wirksame Impfung, die vor der Infektion schützt. Gegen Borreliose hilft nur die Vermeidung des Stichs durch entsprechende Kleidung und Zeckenschutzmittel. Wichtig ist auch, Zecken möglichst früh zu entdecken und zu entfernen. Die Borreliose -Bakterien werden nämlich erst nach einigen Stunden des Saugens übertragen. Je früher die Zecken entfernt werden, desto geringer ist die Gefahr einer Borreliose. Am besten mit Hilfe einer Pinzette, Zeckenzange oder einer sogenannten Zeckenkarte, es geht aber auch mit den Fingernägeln. Dabei die Zecke möglichst nah an der Haut fest greifen und vorsichtig gerade nach oben aus der Haut ziehen. Weder die Zecke vorher mit Kleber, Alkohol oder ähnlichem bearbeiten noch sie durch Drehen herausziehen, wie es früher einmal empfohlen wurde. Das führt höchstens dazu, dass die gestresste Zecke ihre Fracht schneller überträgt.

Filmautorin: Kristin Siebert
Text: Eva Schultes

Stand: 13.01.2017, 16:30