Das schwarze Gold - der Kampf der alten Energiemächte

Das schwarze Gold - der Kampf der alten Energiemächte

Der Reichtum vieler Länder hängt bis heute am schwarzen Gold, den fossilen Brennstoffen. In Deutschland ist es die Kohle. Die deutschen Kohlekraftwerke sind die größten Europas. Kohle galt über Jahrzehnte als Motor für Wirtschaftswachstum und versorgte auch die Industrie mit billigem Strom. Die hohen CO2-Emissionen wurden in Kauf genommen. Doch damit ist jetzt Schluss. Das Verbrennen fossiler Brennstoffe muss drastisch reduziert werden. Das heißt dann aber: Verzicht auf Gewinne und vor allem: Abbau von zehntausenden Arbeitsplätzen.

90 Prozent der fossilen Brennstoffe muss in der Erde bleiben - des Klimas wegen

90 Prozent der fossilen Brennstoffe muss in der Erde bleiben - des Klimas wegen

Einfach in der Erde lassen
Die fossilen Schätze einfach in der Erde zu lassen - klingt einfach. Aber um wie viel geht es genau? Wenn wir alle fossilen Brennstoffe verfeuern - Gas, Öl und Kohle -, dann wären das: 10.000 Milliarden Tonnen CO2! Die globale Temperatur würde bis zum Ende des Jahrhunderts um mehr als 5 Grad steigen. Wissenschaftler verfolgen das Ziel, die Erde bis höchstens 2 Grad aufzuheizen. Das wäre gerade noch zu verkraften. Dafür müsste erheblich weniger verfeuert werden, nämlich 1.000 Milliarden Tonnen CO2, also nur 10 Prozent davon. 90 Prozent der Brennstoffe müssten demnach in der Erde bleiben, im Schnitt. Viele Staaten müssten auf Gewinne verzichten, die sie lange eingeplant und in den Bilanzen ausgewiesen hatten. In Deutschland wäre für die großen Energieversorger wie etwa RWE, Europas größtem CO2-Emittenten, der Verzicht dramatisch: ganze Regionen in West - und Ostdeutschland, Gemeinden, Städte hängen an der Kohle.

Eine Weltkarte des Verzichts
In Paris zeigt ein Staat mit dem Finger auf den anderen. Wissenschaftler und Ökonomen haben daher errechnet, wo es noch rentabel ist, die erlaubte Restmenge an fossilen Brennstoffen zu fördern. Das Ergebnis: 35 Prozent aller Öl-Reserven, 52 Prozent des Erdgases und 88 Prozent der Kohle müssten weltweit in der Erde bleiben.

Öl, Gas und Kohle müssen unterschiedlich stark ungehoben in der Erde bleiben.

Öl, Gas und Kohle müssen unterschiedlich stark ungehoben in der Erde bleiben.


Je nach Land wäre der Verzicht allerdings unterschiedlich hoch. Die deutschen Energieversorger wissen das – und werden versuchen, in Paris den Druck auf China weiter zu erhöhen. Sie werden versuchen, China zu mehr Opfern zu zwingen, um die eigenen Verluste klein zu halten. Es geht um zehntausende Arbeitsplätze. Unternehmen wie RWE, der zweitgrößte Energiekonzern Deutschlands, sind schon lange nicht mehr Börsenliebling der Analysten. RWE-Konzernchef Peter Terium sprach es offen aus auf der Hauptversammlung 2014: "Wir sind in einer schwierigen Phase. Die Frage ist: Wie ernst ist die Lage? Und reden wir nicht drum herum. Die Lage ist sehr ernst!"

Der Ausstieg und die Folgen
Die deutschen Kohle-Unternehmen haben in der Politik Verbündete wie den ehemaligen Vize-Chef der Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie, Energie und Bundestagsabgeordneten Ulrich Freese (SPD), dessen Wahlkreis im Braunkohle-Tagebau im Lausitzer Revier liegt. Er sagt unumwunden, es seien alleine durch das Rückfahren des Tagebaus "300.000 Menschen aus der Region abgewandert, weil die jüngeren Menschen die Perspektiven für sich so nicht mehr sehen."

Bundestagsabgeordneter Ulrich Freese

Der Wahlkreis des Bundestagsabgeordneten Ulrich Freese (SPD), ehemaliger Vize-Chef der Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie, Energie, liegt im Braunkohle-Tagebau im Lausitzer Revier.


Er räumt ein: "Natürlich müssen wir an der CO2-Schraube drehen. Da beißt keine Maus den Faden ab. Aber wenn wir ausschließlich nur allein CO2-Ziele benennen und dabei die falschen Maßnahmen angehen, dann werden wir die schleichende De-Industrialisierung Deutschlands - wie sie in England, in anderen europäischen Staaten stattgefunden hat - sehr, sehr deutlich erleben. Und dann ist die Basis des Wohlstandes, aus dem wir gute Renten bezahlen, gute Sozialleistungen, die Infrastruktur, so gut oder schlecht sie ist - all das werden wir uns dann nicht mehr leisten können."

In Paris steht viel auf dem Spiel: global das Weltklima, national die Krise großer Energieversorger, die zu spät eine Energiewende eingeleitet haben.

Autor: Heinz Greuling

Lesetipp

Selbstverbrennung. Die fatale Dreiecksbeziehung zwischen Klima, Mensch und Kohlenstoff
Autor: Hans Joachim Schellnhuber
Verlagsangaben: Bertelsmann, auch als e-book zu haben
ISBN/EAN: 9783570102626
Das neueste Buch des bekannten deutschen Klimaforschers - sehr lesenswert und nie langweilig.

Stand: 24.11.2015, 15:00