Was Haare verraten – Drei Promi-Haarproben im Kriminallabor

Was Haare verraten – Drei Promi-Haarproben im Kriminallabor

Für Rechtsmediziner ist sie nach wie vor eine der größten Herausforderungen: die Haaranalyse. Dabei reicht ein einzelnes Haar nicht aus, um Opfer oder Täter zu ermitteln. Erst ein Haarbüschel und frische Haarwurzeln führen zu haltbaren Ergebnissen. Dann aber können die Wissenschaftler eine Menge Informationen aus den Haaren ablesen.

Ein Wissenschaftler mit Haarnetz und Mundschutz am Mikroskop

Erste Eindrücke: Ein Blick durchs Mikroskop zeigt nur äußere Merkmale des Haares

Haare als Drogenspeicher
Zu den bekanntesten Anwendungen von Haaranalysen zählt der toxikologische Nachweis von illegalen Substanzen, Medikamenten und Alkohol. Diese Stoffe zirkulieren im Blutstrom und lagern sich in das wachsende Haar ein. Selbst Waschen, Tönen oder andere Behandlungen können die Stoffe nicht gänzlich aus den Haaren entfernen. Und nicht nur das: Bei einer durchschnittlichen Wachstumsgeschwindigkeit von einem Zentimeter pro Monat können diese Substanzen - je nach Haarlänge - noch Monate später nachgewiesen werden.

Auswertungsbogen mit Analyse-Signalen

Sogenannte Peaks zeigen an, wie hoch die Konzentration einer Substanz im Haar ist

Für jeden Test ein Speziallabor
Haaranalysen sind aufwendig, zeitintensiv und sehr teuer. Kein Labor kann alle Substanzen analysieren. Aber es gibt Speziallabore im ganzen Land, die miteinander kooperieren. Vor einer Analyse steht immer eine klare Fragestellung des Auftraggebers - meist der Polizei - wonach genau gesucht werden soll. Das Institut für Forensische Toxikologie der Kölner Universitätsklinik ist auf Drogen spezialisiert. Dabei suchen die Toxikologen nach den Abbauprodukten der Drogen, denn nur anhand dieser lässt sich der regelmäßige Konsum von Substanzen beweisen. Nachweisbar ist unter anderem der Konsum von THC, Kokain, Heroin, Speed, Chrystal und Ecstasy. Die Forscher können auch nachweisen, ob ein Haar nur äußerlich kontaminiert ist, etwa mit THC oder Kokain. Dies erkennen sie an einer sehr niedrigen Konzentration oder auch daran, in welcher Form der Stoff nachgewiesen wird. Das bedeutet ganz konkret: Für ein positives Testergebnis, reicht es schon, sich in einem Raum aufzuhalten, in dem gekifft wird oder einem Kokser die Hand zu schütteln und sich danach durchs eigene Haar zu fahren.

Haare verraten die Herkunft
Im Isotopenlabor München am Institut für Rechtsmedizin sind die Wissenschaftler sogar in der Lage, anhand von Haarproben die geografische Herkunft einer Person zu erfassen. Dafür untersuchen sie die Haare auf Isotope der Elemente Wasserstoff, Sauerstoff, Kohlenstoff, Stickstoff und Schwefel. Isotope sind Arten von Atomen, die sich nur leicht in ihrem Aufbau unterscheiden. Jedes Element kann in verschiedenen Isotopen-Formen auftreten. Je nachdem wo man lebt, hat man es mit anderen Isotopen zu tun. Im Labor in München gleichen die Experten die Isotopenverhältnisse der Haare mit einer Datenbank ab, in der mittlerweile über 900 verschiedene Isotopensignaturen gespeichert sind. Auf diese Weise lässt sich herausfinden, wo sich der Haarspender in den letzten Monaten aufgehalten hat. Anhand der Isotope können die Experten etwa ablesen, ob jemand in Meeresnähe gewohnt hat, in einer Industrieregion oder in der Nähe einer Müllverbrennungsanlage.

Drei Frauen essen Reis

Herkunft und Ernährung können anhand der Isotopenverhältnisse in den Haaren analysiert werden

Haare speichern Informationen über die Nahrung
Auch darüber, was man gegessen hat, lassen die Isotopenverhältnisse in den Haaren Rückschlüsse zu. Veganer zum Beispiel haben grundsätzlich ein anderes Verhältnis von Stickstoff-Isotopen als Menschen, die tierische Produkte essen. In Haaren aus Indien ist der Wert bestimmter Schwefel-Isotope höher als in Mitteleuropa, weil viele Menschen dort mehr Fisch und Meeresfrüchte essen, die diese Isotope enthalten. Menschen, die viel Mais essen - wie in Amerika - haben wiederum ein anderes Verhältnis von Kohlenstoff-Isotopen.

Was Haare nicht verraten
Haare verraten viel, aber nicht alles. So lässt sich in Haaren zwar Nikotin nachweisen – sowohl bei Rauchern als auch bei Passivrauchern. Aber das Stoffwechselprodukt Cotinin, das auf aktives Rauchen hinweist, wird zu schnell abgebaut, so dass nicht klar ist, ob der Spender der Haarprobe Raucher ist oder nicht. Wer viel und häufig passiv Tabakrauch abbekommt, hat ebenfalls oft Cotinin in niedrigen Dosen im Blut, in ähnlicher Konzentration wie schwache Raucher. Auch das Alter eines Menschen lässt sich in einer Haaranalyse nicht bestimmen. Das gleiche gilt für das Glücks- und Bindungshormon Oxytocin und das Schwangerschaftshormon HCG. Sie sind in Haaren nicht nachweisbar.

Autorin: Monika Härle

Stand: 26.07.2016, 12:00