Eiweiß – fünf überraschende Fakten

5 Eier liegen hintereinander

Eiweiß – fünf überraschende Fakten

1. Leben im All? Eiweiße könnten es verraten!

Man nehme Ammoniak, Wasserstoff und Methan, erhitze das Gemisch und schieße elektrische Blitze hinein. Nach diesem Rezept kochte der amerikanische Chemiker Stanley Miller in den 1950er-Jahren seine "Ursuppe". Er wollte damit die Bedingungen auf der Urerde vor circa vier Milliarden Jahren simulieren – auf der Suche nach dem Beginn des Lebens. Miller fand in seiner Ursuppe  auch Aminosäuren, die Eiweißbausteine. Er experimentierte weiter mit Gas aus aktiven Vulkanen und stellte fest, dass dieses Gas einfache Aminosäuren miteinander verknüpft. Ist das der Schlüssel zur Entstehung von Leben? Wissenschaftler vermuten das und fahnden auf der Suche nach Leben im All nicht nur nach Wasser – sondern auch nach Eiweißbausteinen.

2. Muskeln wachsen auch ohne Fleisch

Es ist heiß debattiert: tierisches Eiweiß – oder lieber pflanzliches? Weil der Körper alle Eiweiße zunächst aufspaltet, ist das fast egal. Allein die Menge macht einen Unterschied. Ein kleines Rindersteak enthält 25 Gramm Protein; genauso viel wie 250 Gramm gekochte Linsen. Und ohne Waage: Zwei Hähnchenkeulen sind ebenso eiweißreich wie drei Tassen gekochte Linsen oder anderthalb Tassen Mandeln. Fleisch hat zwar mehr von den essentiellen Aminosäuren, die der Körper nicht selber bilden kann. Aber unsere Versorgung hier in Europa mit Eiweiß ist so gut, dass wir auf Fleisch nicht angewiesen sind. Erbseneintopf mit Brot, Milchreis, Kartoffelpüree – kombiniert man Lebensmittel, bekommt man am Ende trotzdem genügend Eiweiß zusammen. So gut, dass sich selbst Sportler ausreichend gut versorgen können, um Muskulatur und Kraft aufzubauen – auch, wenn sie sich vegetarisch oder vegan ernähren.

3. Ei plus Kartoffel: vegetarischer Turbo-Eiweiß-Cocktail

Wenn wir die Kartoffel nicht essen, würde aus ihr eine neue Pflanze keimen. Darauf ist sie als Kraftpaket mit viel Stärke und Eiweiß bestens vorbereitet. Kartoffeleiweiß ist nach Sojaprotein das Pflanzeneiweiß mit der höchsten biologischen Wertigkeit. Die Wertigkeit zeigt an, wie gut unser Körper die Eiweiße aus einem Lebensmittel gebrauchen und verwerten kann. Tierisches Eiweiß ist da oft besser als pflanzliches. Das Ei ist der Ei-chwert mit 100. Aber wer Pellkartoffeln mit Quark isst oder einen Auflauf mit Kartoffeln und Milch, kommt auf eine höhere Wertigkeit als mit manchen Fleischgerichten. Der Turbo-Eiweiß-Cocktail ist übrigens Ei plus Kartoffel. Die beiden haben eine Wertigkeit von 136.

4. Geröstete Maden schmecken wie Salzstangen

1.900 Arten von Insekten werden heutzutage gegessen. Allerdings nicht bei uns. Weil viele Insekten proteinreich sind, gelten sie inzwischen als Alternative zu Fleisch und Soja. Was für sie spricht: Sie wandeln die Nahrung, die sie bekommen, sehr effektiv in tierisches Eiweiß um, das für uns Menschen bekömmlich und auch sehr hochwertig ist – besser als jedes Eiweiß, das wir bisher von Säugetieren bekommen konnten. Die Herausforderung dabei: den Ekel überwinden. Aber wer zum Beispiel eine Linsensuppe mit Mehlwürmern anreichert, kann die Suppe ja pürieren, um die Würmer unkenntlich zu machen. Eine wohlschmeckende Zutat sind sie allemal. 

5. Alzheimer und Parkinson kann man hören  – weil Proteine falsch gefaltet sind.

In jeder einzelnen Körperzelle und im ganzen Körper verteilt: Tausende von Proteinen, zusammengesetzt aus Millionen von Aminosäuren. Sie sollen zum Beispiel Krankheiten bekämpfen, Knochen und Haare bilden oder lebenswichtige Substanzen innerhalb der Zellen oder durch den Körper transportieren. Um das zu schaffen, muss sich jedes einzelne Protein zunächst zu einem dreidimensionalen Gebilde falten. Manchmal geht das schief, und auch das Reparieren klappt nicht immer. Dann können falsch gefaltete Proteine zum Beispiel eine Krebserkrankung auslösen. Auch die Alzheimerdemenz, die Parkinson-Erkrankung und der Graue Star sind Folgen fehlerhafter Proteinfaltung. Unglaublich, aber wahr: Proteinstrukturen lassen sich digital in Melodien übersetzen. Das kann Ärzten helfen, Mutationen zu erkennen oder Fehlfaltungen zu hören. Die praktische Anwendung ist aber noch Zukunftsmusik – genau wie Informationen über das Erbgut in eine Melodie zu verwandeln.

Text: Susanne Kuhlmann