Einheitsgeschmack beim Pils? Der große Quarks-Test

Einheitsgeschmack beim Pils? Der große Quarks-Test

Ein Kühlschrank voller Bierflaschen

Auf Geschmacksunterschiede wurden die Marken Bitburger Premium Pils, Radeberger Pilsener und Veltins Pilsener getestet.

"Mein Lieblings-Pils kann ich von anderen Pils-Bieren eindeutig unterscheiden", davon sind viele Menschen überzeugt. Doch auf der anderen Seite kursieren immer wieder Meldungen vom "Einheitsgeschmack" bei den großen Produzenten. Quarks & Co hat zusammen mit dem Institut für Sensorikforschung in Göttingen in einem wissenschaftlich belastbaren Test mit 60 Pils-Trinkern und zwölf professionellen Sensorikern drei der großen Pils-Marken geschmacklich vergleichen lassen. Getestet wurden die Marken Veltins Pilsener, Bitburger Premium Pils und Radeberger Pilsener. Unter den zehn größten Pils-Marken in Deutschland hatten sie im Jahr 2015 einen Marktanteil von 34 Prozent.

Wie testet man, ob zwei Biere ähnlich schmecken?

Drei Personen (von links: Antje Weida, Dr. Daniel Mörlein und Nelli Fuchs) sitzen vor einem Laptop

Die Sensorik-Experten aus Göttingen werten das Ergebnis aus.

Ob zwei Biere sich geschmacklich unterscheiden oder zum Verwechseln ähnlich sind, ist gar nicht so einfach herauszubekommen. Gerade in den Medien werden solche "Verkostungen" gerne durchgeführt. Doch ihre Aussagekraft ist meist sehr begrenzt. Damit belastbare Aussagen möglich sind, muss man schon mit deutlich mehr Aufwand ran. Quarks & Co hat genau das gemacht: Zusammen mit dem Institut für Sensorikforschung in Göttingen haben wir zwei Geschmackstests geplant und durchgeführt. Und das Ergebnis war in beiden Fällen eindeutig.

Konsumenten konnten die Biere kaum unterscheiden

Zwei Mitarbeiter schenken Bier ein

Zwei Mitarbeiter schenken die Biere ein, die von den Konsumenten in Testkabinen verkostet werden.

Zuerst mussten 60 Pils-Konsumenten in einem sogenannten Dreiecks-Test die Biere geschmacklich voneinander unterscheiden – streng nach DIN-Norm 4120. Dabei bekamen sie jeweils drei Gläser vorgesetzt. In zwei Gläsern befand sich das gleiche Pils, eines enthielt eine andere Marke. Die Aufgabe bestand darin, das Bier, das nur einmal vorkam, herauszuschmecken. Das Ergebnis: Nur 47 Prozent der Antworten waren richtig. Und das, obwohl statistisch schon allein durch Raten ein Drittel richtige Antworten zu erwarten gewesen wären. Dr. Daniel Mörlein, der Leiter der Untersuchung, sagt daher: "80 Prozent der Pils-Trinker können zwischen diesen Bieren vermutlich geschmacklich nicht unterscheiden." Und das, obwohl es einen kleinen messbaren Unterschied gab.

Können Geschmacksexperten die Biere unterscheiden?

Wie nah die Biere geschmacklich wirklich beieinanderliegen, hat Quarks & Co im Anschluss mit zwölf geschulten, professionellen Sensorikern in einem weiteren Test untersucht. In einer Trainingssitzung wurden 33 Merkmale festgelegt, nach denen die Biere später verkostet werden sollten. Dabei ging es um Aussehen, Geruch, Geschmack, Mundgefühl und den Nachgeschmack; zum Beispiel Merkmale wie malzig, hopfig, hefig, fruchtig, bitter und süß.

Zwei Mitarbeiterinnen in einem Sensoriklabor mit vielen Biergläsern

Zwei Mitarbeiterinnen reichen den Profi-Verkostern ihre Biere durch die Klappe in die Testkabine.

Anders als beim Konsumenten-Test, verkosten und bewerten die Profis die Biere einzeln hintereinander – auf einer Skala von "nicht wahrnehmbar" bis "sehr intensiv". Sie wissen nicht, um welche Marken es sich handelt. In einer zweiten Runde kommen die gleichen Biere noch einmal – aber in einer anderen Reihenfolge. Damit kann auch überprüft werden, wie sicher die Beurteilung war: Weichen die Werte bei den gleichen Bieren zu stark ab, lässt sich das feststellen. Doch das passiert selten, denn die Tester müssen ihre sensorischen Fähigkeiten regelmäßig nachweisen.

Experten zeigen, wie ähnlich die untersuchten Biere schmecken

Eine Hand liegt auf einem Blatt Papier mit den Ergebnissen des Tests.

Die drei Kurven für die drei getesteten Biere liegen in fast allen Eigenschaften extrem nah beieinander.

Das Ergebnis bei den Profis stützt die Vermutung aus dem Konsumententest: Bei 25 der getesteten Merkmale lagen die drei Biere etwa gleich auf. Nur bei acht Merkmalen zeigte sich überhaupt ein kleiner – aber statistisch signifikanter – Unterschied. "Die größten Unterschiede treten im Nachgeschmack auf, also nachdem das Bier runtergeschluckt wurde", fasst Daniel Mörlein das Ergebnis zusammen. Und seine Kollegin Antje Weida ergänzt: "Die Unterschiede sind zwar wahrgenommen worden. Aber sie sind relativ gering. Sie sind wirklich klein."

Quarks & Co konnte also eindeutig feststellen: Im Geschmack unterscheiden sich die drei untersuchten Pils-Biere kaum, obwohl sie aus unterschiedlichen Braukonzernen stammen. Die Vermutung, dass der deutsche Pilsmarkt von einem Einheitsgeschmack geprägt ist, konnten wir bestätigen. Wer glaubt, unter den führenden Pils-Marken ein Lieblingsbier zu haben, unterliegt also häufig nur einer Illusion – aber zum Glück schmeckt es ja den meisten. Denn den Massengeschmack zu treffen ist ja nichts Schlimmes.

Autor: Axel Bach

Stand: 20.03.2017, 10:00