Wie gesund ist Sport wirklich?

Wie gesund ist Sport wirklich?

Sport hält uns fit und beugt Krankheiten vor – daran zweifelt heute niemand mehr. Die Frage ist aber: wie genau? Wir haben mit vielen Sportmedizinern gesprochen und die neuesten Studien analysiert – und sehen: Sport ist sogar noch gesünder, als wir bisher wussten. Er beeinflusst sogar unser Gehirn. Drei Fakten über Sport.

1. Den Effekt von Sport sieht man in vielen Organen

Die Muskeln
Sport stärkt zunächst vor allem die Muskeln. Doch von dort aus wird auch der restliche Körper beeinflusst. Die Organe stärken sich dabei gegenseitig: Die Muskeln etwa brauchen für ihre Arbeit mehr Sauerstoff, dazu muss das Herz mehr Blut durch den Körper pumpen. Das hält die Gefäße geschmeidig und kräftigt das Herz, bestätigt auch Professor Hans-Georg Predel von der Deutschen Sporthochschule: „Es verhindert vorzeitige Herzinfarkte – und geht bis zu unserem Gehirn, wo auch Schlaganfälle durch regelmäßigen Sport massiv verhindert werden.“

Der Stoffwechsel
Entscheidend ist: Bei regelmäßiger Bewegung verändern die Muskeln dauerhaft ihren Stoffwechsel. Es bilden sich mehr und größere Mitochondrien, die Energie-Kraftwerke der Muskelzellen. Und die können nun Zucker und Fettsäuren effektiver verbrennen – dadurch nehmen wir nicht nur ab, sondern beugen auch Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes vor.

Die Knochen
Auch die Knochen bauen sich bei konstanter Bewegung um: Entsprechend der jeweiligen Belastung wird die Knochenstruktur dichter und kompakter. Das beugt Osteoporose vor, dem Knochenschwund – besonders bei Frauen im Alter ein häufiges Problem.

Botenstoffe und das Gehirn
Beim Sport werden von den Muskeln eine Vielzahl bestimmter Botenstoffe, die Myokine, freigesetzt, die über das Blut im ganzen Körper wirken und positive Effekte haben. Sportmediziner vermuten zum Beispiel, dass sie das Wachstum und die Verschaltung von Hirnzellen fördern. Das könnte erklären, warum Sport auch die kognitiven Leistungen positiv beeinflusst.

2. Durch Sport lebt man länger!

Dank seiner vielen positiven Effekte beugt Sport langfristig einer ganzen Reihe schwerer Krankheiten vor, zum Beispiel Darm- und Brustkrebs. Diese vorbeugenden Wirkungen wurden in zahlreichen Studien mit insgesamt mehr als einer Million Probanden überprüft – und gelten als wichtiger Faktor, warum Menschen, die sich zeitlebens regelmäßig bewegen, eine höhere Lebenserwartung haben.

Grafik: Durch Sport verringert sich das Sterblichkeitsrisiko

Schon durch moderaten Sport – etwa 2,5 Stunden pro Woche – sinkt das relative Sterberisiko bei Männern um 19% und bei Frauen sogar um 24%.

Was kann das konkret für den Einzelnen bedeuten? Prof. Herbert Löllgen aus Remscheid hat zahlreiche Studien zum Thema Sport und Lebenswartung ausgewertet und verschreibt Sport sogar auf Rezept. Er sagt: „Wenn jemand mit 30 oder 40 Jahren versucht, regelmäßig für die nächsten Jahre und Jahrzehnte Sport zu treiben, kann er damit sein Leben um drei bis vier Jahre verlängern – wenn nicht sogar noch mehr.“

3. Sport verändert sogar unsere Gene!

Seit einigen Jahren können Sportmediziner erforschen, wie regelmäßige Bewegung die Steuerung unserer Gene beeinflusst. Wir kommen zwar mit bestimmten genetischen Anlagen auf die Welt, aber unser Lebensstil und die Umwelteinflüsse verändern immer wieder, wie stark unsere vererbten Gene aktiviert oder deaktiviert werden. Insgesamt hat der Mensch rund 23 000 Gene. An 4000 Genen, also fast 20 Prozent, entdeckten Forscher des Karolinska Insituts in Schweden in Muskeln eines Beines eine Veränderung - nachdem nur dieses Bein trainiert wurde. Und zwar bei Genen, die zum Beispiel für den Energiehaushalt der Zellen oder den Kohlehydrat-Stoffwechsel wichtig sind. Noch können die Forscher allerdings spannende Fragen nicht beantworten - etwa welche Stoffe genau die Veränderungen in den Genen auslösen. Und vor allem: Welche ganz konkreten Folgen diese vielen veränderten Gene im Körper haben.

Autor: Mike Schaefer

Stand: 04.04.2017, 18:30