Blähungen und Verstopfung: woher sie kommen und wie sie wieder verschwinden

Männchen mit Schriftzug „Fehlerbehebung“

Blähungen und Verstopfung: woher sie kommen und wie sie wieder verschwinden

Mit knapp acht Metern Länge ist der Darm das mit Abstand größte Organ des Bauchraumes. Er ist für die Nährstoffaufnahme ebenso zuständig wie für die Entsorgung von Fäkalien und überschüssiger Luft. Wenn das nicht richtig funktioniert, können Blähungen oder Verstopfung die Folge sein.

Verstopfung – wenn nichts mehr geht

Männchen mit Schriftzug „Fehlerbehebung“ und einem Schild mit Verstopfungs-Symbol

Gegen Verstopfung hilft eine Umstellung des Lebensstils.

Normalerweise ist die Entleerung des Darms ein automatisierter Vorgang: Stuhl erreicht den Enddarm, Stuhldrang stellt sich ein, der Schließmuskel öffnet sich und die Fäkalien werden aus dem After herausgedrückt. Dennoch klagt jeder Dritte über einen „trägen Darm“, Frauen häufiger als Männer, ältere Menschen häufiger als jüngere. Nicht immer steckt wirklich ein träger Darm dahinter. Denn die Häufigkeit der Darmentleerung schwankt von Mensch zu Mensch. Eine Stuhlfrequenz von zweimal am Tag bis dreimal die Woche gilt als normal. Zudem müssen die Entleerungen weder vollständig noch regelmäßig sein und auch nicht immer pünktlich zur selben Zeit stattfinden. Kurzfristige Probleme beim Stuhlgang nach Bettlägerigkeit (etwa wegen einer Erkrankung), Fieber oder auf Reisen sind ebenfalls relativ harmlos. Eine krankhafte, chronische Verstopfung liegt nach medizinischen Daten tatsächlich nur bei etwa 5 bis 15 Prozent der Menschen vor.

Durch eine Umstellung des Lebensstils lässt sich in vielen Fällen dem trägen Darm wieder auf die Sprünge helfen. Neben ausreichender Bewegung spielt vor allem die Ernährung eine Rolle. Eine ballaststoffreiche Kost ist der erste Schritt, um die Darmbewegungen in Gang zu bringen. Ballaststoffe stecken in vielen pflanzlichen Lebensmitteln, wie etwa Vollkornprodukten, Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten oder Dörrobst. Getrocknete Pflaumen haben sich als Hausmittel bei Verstopfung durchaus bewährt. Die Ballaststoffe können nicht verdaut werden und erreichen als relativ lange Fasern den Darm. Sie erhöhen das Stuhlgewicht und führen so zu einer Dehnung der Darmwand. Wenn die Darmwand gedehnt wird, ziehen sich die Muskeln im Darm zusammen. So werden Bewegungen im Darm angeregt, und der Stuhl wird langsam Richtung Enddarm befördert.

Experten empfehlen, etwa 30 Gramm Ballaststoffe am Tag zu verzehren. Wichtig ist, dass man auch genügend Flüssigkeit zu sich nimmt. Denn Ballaststoffe entfalten ihre Wirkung erst, wenn sie im Darm aufquellen. Etwa 1,5 bis 2 Liter am Tag sollte man mindestens trinken. Das hält nebenbei auch den Stuhl geschmeidig und erleichtert so die Darmentleerung.

Männchen hinter einem Laufband mit Flohsamen und Weizenkleie

Flohsamenschalen und Weizenkleie bringen einen trägen Darm in Gang.

Helfen Ballaststoffe aus Nahrungsmitteln nicht weiter, können Sie auch versuchen, durch die Zufuhr von Zusatzstoffen den Darm in Gang zu bringen. Flohsamenschalen oder Weizenkleie wirken beispielsweise ähnlich. In jedem Fall gilt: Halten die Beschwerden trotz dieser Maßnahmen länger als drei Monate an, sollte man einen Arzt aufsuchen, um schwerwiegende Ursachen für die Verstopfung abzuklären.

Blähungen – mehr als nur heiße Luft

Männchen mit einem Schild mit Blähungs-Symbol

Blähungen sind nicht nur unangenehm, sondern häufig auch schmerzhaft

Luft im Bauch ist zunächst nichts Ungewöhnliches. Beim Essen verschlucken wir etwa zweieinhalb Liter Luft am Tag. Zusätzlich werden bei der Verdauung Gase gebildet. Ein Großteil dieser Gase wird über die Darmschleimhaut wieder abgebaut. Dennoch verlassen zwischen 200 und 2000 Milliliter Luft den Darm auf „natürlichem Weg“ – als Pups. Zehn bis dreißig Prozent der Erwachsenen klagen über Blähungen, nicht wenige von ihnen zusätzlich über Völlegefühl und Bauchschmerzen. In einer Umfrage in Apotheken sah über die Hälfte der Teilnehmer die Ernährung als Ursache der Beschwerden.

Tatsächlich gibt es Lebensmittel, die zu einer verstärkten Gasbildung im Darm führen können. So sind Hülsenfrüchte, Kohlarten, Zwiebeln, Knoblauch und Trockenfrüchte als blähende Lebensmittel bekannt. Der Grund: sie enthalten meist viele Ballaststoffe, die eben nicht nur die Darmbewegungen fördern, sondern auch die Gasbildung. Daher sind Ballaststoffe bei Blähungen eher kontraproduktiv. Hilfe bei Blähungen versprechen blähungstreibende pflanzliche Mittel aus Kümmel, Fenchel oder Anis - die so genannten Karminativa. Sie sollen das Aufstoßen erleichtern und über eine verstärkte Durchblutung der Darmschleimhaut die Aufnahme überschüssiger Gase fördern. Solche Kräuterzubereitungen konnten in Studien zumindest bei Kindern mit 3-Monats-Koliken die Schreizeiten verkürzen – ob sie auch Erwachsenen helfen, ist noch nicht ausreichend durch Studien belegt. Dennoch ist gegen übelriechende Blähungen einer großen Studie zufolge ein Kraut gewachsen: Pfefferminzöl sorgt wohl dafür, dass die Gase, die den Darm „auf natürlichem Weg“ verlassen, nicht mehr ganz so stark riechen. Nicht zuletzt kann man auch vermeiden, dass man zu viel Luft schluckt: indem man langsam und möglichst in Ruhe isst und ausreichend lange kaut. Und das hilft dann nicht nur gegen Blähungen.

Autorin: Katrin Krieft

Stand: 07.02.2017, 08:30