Reizdarm: überaktives Bauchhirn

Reizdarm: überaktives Bauchhirn

Das Reizdarm-Syndrom hat sich zu einer Volkskrankheit entwickelt: Etwa 10 bis 15 Prozent der Menschen in den Industrienationen leiden unter chronischen Bauchschmerzen, für die die Ärzte mit klassischen Untersuchungen wie Ultraschall oder Darmspiegelung keine organischen Ursachen finden können. Die Diagnose läuft über das Ausschlussprinzip: Wird kein messbares organisches Leiden gefunden, ist es eben ein Reizdarm-Syndrom – ein Sammelbegriff für vielfältige Symptome. Reizdarm-Patienten leben häufig mit dem Stigma des „eingebildeten Kranken“.

Bauchhirn aus dem Takt

Forscher aus München und Hamburg sind den organischen Ursachen des Reizdarms auf der Spur. Die Medizinerin Jutta Keller aus Hamburg hat bei einigen Reizdarmpatienten eine überaktive Darm-Muskulatur entdeckt. Sie vermutet dahinter Störungen im Bauchhirn der Patienten.
Das Bauchgehirn ist ein Verbund von Nervenzellen in der Darmwand, der ähnlich aufgebaut ist wie das Gehirn in unserem Kopf. Es regelt die Darmfunktion, steuert die Nährstoffaufnahme aus der Nahrung und sorgt dafür, dass sich der Darm regelmäßig entleert. Das macht es völlig selbständig, ohne Einfluss des Kopfgehirns. Und nicht nur das: Es kommuniziert auch mit den benachbarten Zellen, wie zum Beispiel Schleimhautzellen. Münchner Forscher vermuten, dass diese Kommunikation im Gewebe von Reizdarm-Patienten gestört sein könnte.

Filmautoren: Jan Kerckhoff, Dirk Gilson und Wobbeke Klare

Stand: 07.02.2017, 08:30