Wer kein eigenes Auto hat, kann sehr viel Geld sparen

Armutsfalle Auto?

Wer kein eigenes Auto hat, kann sehr viel Geld sparen

Wer ein eigenes Auto besitzt, weiß: Autos kosten Geld. Aber wie viel kommt da über ein Autofahrerleben zusammen? Anschaffung, Benzin, Versicherungen, Reparaturen, Knöllchen, Parkgebühren und, und, und. Fast noch wichtiger die Frage: Wie viel Geld kann man sparen, wenn man zwar auf ein eigenes Auto verzichtet – nicht jedoch auf Mobilität. Wir waren selbst überrascht, welche unglaubliche Summe am Ende rauskommt.

Paul und Konrad sind unsere Muster-Fahrer aus Köln
Wir wollten eine echte Musterrechnung aufmachen und haben dafür zwei Musterfahrer in die Welt gesetzt: Paul und Konrad. Beide kommen 1950 in Köln auf die Welt und machen 1968 – mit 18 Jahren – ihren Führerschein. Doch während Konrad sich nie ein eigenes Auto zulegen wird, fährt Paul voll aufs Auto ab. Paul und Konrad lernen Ende der 1960er-Jahre Bürokaufmann und verdienen danach immer durchschnittlich. Sie sind also weder besonders reich, noch besonders arm – guter Durchschnitt halt...

Zeichnung: Paul und Konrad in jungen Jahren zeigen ihren Führerschein

Mit 18 haben Paul und Konrad ihren Führerschein bestanden. Doch Konrad wird sich nie ein eigenes Auto kaufen.

47 Jahre unterwegs
Paul kauft sich etwa alle fünf Jahre einen Neuwagen. Er fährt damit täglich zur Arbeit, zum Einkaufen, ins Kino, ins Schwimmbad; eigentlich überall hin. Und er macht damit regelmäßig Ausflüge und fährt zweimal im Jahr in den Urlaub. Konrad hingegen nutzt den Kölner Nahverkehr. Auch er fährt zweimal im Jahr in den Urlaub – mit der Bahn oder dem Mietwagen, leistet sich gerne mal ein Taxi und macht seit den 1990er-Jahren Carsharing. Wir lassen also sowohl Autobesitzer Paul als auch Ohne-eigenes-Auto-Fahrer Konrad richtig viel durch die Gegend fahren. Und zwar 47 Jahre lang: Von 18 – als sie den Führerschein gemacht haben – bis 65, als beide wohlverdient in den Ruhestand gehen.

Zeichnung: Vor der Kölner Skyline fahren Autos, Straßenbahn und Fahrrad

Auch ohne eigenes Auto ist Konrad sehr mobil: Er fährt mit der Straßenbahn, dem Taxi, macht Carsharing und nutzt für den Urlaub die Bahn oder einen Mietwagen.

Was kostet ein Auto wirklich?
Wer wissen will, wie viel heute ein eigenes Auto kostet, kann das leicht im Internet abfragen (siehe Linktipp unten). Aber wie teuer war beispielsweise 1968 ein VW-Käfer 1300 mit 40 PS? Der ADAC erstellt bereits seit dem Jahr 1955 Übersichten über die echten Kosten, die ein Neuwagen verursacht. Dabei gelten natürlich standardisierte Rahmenbedingungen, damit die Daten vergleichbar sind. So werden beispielsweise vier oder fünf Jahre Haltedauer sowie in der Regel 15.000 Kilometer Jahresleistung angenommen und der Wiederverkaufswert am Ende gutgeschrieben. Wir haben Paul in jungen Jahren zwei VW-Käfer kaufen lassen – und ab dann immer einen Golf. Dabei haben wir angenommen, dass jedes neue Auto etwas besser ausgestattet ist als der Vorgänger. Zum Rentenbeginn kauft er sich sein zwölftes Auto. Rechnet man nur die jeweiligen Neupreise zusammen, hat er für alle Autos 145.653 Euro ausgegeben. Seine Gesamtkosten lagen – trotz Wiederverkauf – höher: bei insgesamt 186.948 Euro.

Zeichnung: Ein Taschenrechner, der die Zahl 186.948 anzeigt

Autokäufer Paul hat in seinem Leben 186.948 Euro für das Auto ausgegeben.

Monat für Monat 638,91 Euro für ein Auto?
Paul leistet sich zur Rente einen fünftürigen VW Golf 2.0 TDI BMT Highline mit 150 PS (110 kW). Anschaffungskosten mit klassenüblichen Extras: 31.520,00 Euro. Wenn man für dieses Auto die tatsächlichen Kosten hochrechnet, kommt man nach Angaben des ADAC auf sage und schreibe 638,91 Euro pro Monat! Bei einer Haltedauer von fünf Jahren und einer jährlichen Fahrleistung von 15.000 Kilometer macht alleine der Wertverlust schon 326,81 Euro pro Monat aus. Hinzu kommen Überführungskosten – umgerechnet auf den Monat schlagen sie mit 6,67 Euro zu Buche; Zulassung und Kennzeichen kosten 1,67 Euro monatlich.

Nächster Punkt sind die Fixkosten mit insgesamt 161,38 Euro pro Monat:
Haftpflicht, Typklasse 15: 34,77 Euro
Vollkasko, Typklasse 21: 52,27 Euro
Kfz-Steuer (Schadstoff-Klasse Euro 6): 17,67 Euro
Garage und Sonstiges (Parkgebühren, Knöllchen, etc.): 56,67 Euro

Schließlich kommen noch Werkstatt- und Reifenkosten in Höhe von 58,09 pro Monat hinzu. Bei einem Neuwagen ist das natürlich vergleichsweise wenig:
Reifenkosten mit Montage: 23,82 Euro
Reparaturkosten, Material: 15,01 Euro
Reparaturkosten, Arbeit: 5,59 Euro
Inspektionskosten, Material: 5,67 Euro
Inspektionskosten, Arbeit: 8,00 Euro

Zeichnung: Ein Mann sitzt am Schreibtisch neben einem Stapel Aktenordnern

Bei seinem aktuellen Auto summieren sich die monatlichen Kosten auf knapp 640 Euro.

Konrad: viel unterwegs ohne eigenes Auto
Wie viel DM kostet eine Monatskarte für Köln im Jahr 1968, wie viel eine Taxi-Fahrt über vier Kilometer? Was musste man zu der Zeit für ein Zug-Ticket von Köln nach St. Peter Ording (Nordsee), Scharbeutz (Ostsee), Hirsau (Schwarzwald) oder Garmisch-Patenkirchen (Alpen) ausgeben? Und wie teuer ist Carsharing, wenn man monatlich einen Ausflug macht (zehn Stunden, 80 km) und wöchentlich eine Fahrt für Besorgungen (zwei Stunden, sechs Kilometer) rechnet? Wir haben alle diese Kosten für jedes Jahr recherchiert und zusammengetragen und den Lebensumständen von Konrad angepasst. Zum Beispiel haben wir ihn in jungen Jahren nur einmal im Monat Taxi fahren lassen. Ab dem Alter von 58 jedoch einmal wöchentlich. Und das ist über die 47 Jahre dabei zusammengekommen:
Monatskarte: 21.945,59 Euro
Taxi: 10.015,79 Euro
Bahn/Mietwagen: 12.027,67 Euro
Carsharing (seit 1992): 16.854,65 Euro
Macht summa summarum: 60.843,70 Euro.

Zeichnung: Ein Pärchen steht in einem Zug vor dem Alpen-Panorama

Paul hat in seinem Leben 60.843,70 Euro für seine Mobilität ausgegeben; inklusive der Urlaubsreisen mit Bahn oder Mietwagen.

Sparen mal anders: 437.666,52 Euro in 47 Jahren
In all den Jahren konnte Konrad im Vergleich zu Paul also 126.104,31 Euro sparen. Dieses Geld brachte er jeweils am Jahresende zur Bank und legte es gut an: in Bundeswertpapieren. Mit Zins und Zinseszins hat sich in der langen Zeit einiges angesammelt – nämlich bis 2015 sage und schreibe 437.666,52 Euro. Ein schönes Sümmchen. Und alles nur, weil Konrad sich vor 47 Jahren kein Auto kaufen wollte…

Zeichnung: Ein Mann sitzt in einem Sessel vor dem Fernseher. In einer Gedankenblase steht: 126.104 Euro

Im Vergleich zu Paul konnte Konrad in 47 Jahren 126.104,31 Euro sparen.

Axel Bach

Stand: 03.09.2015, 16:00

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