Mitternachtsspitzen im Oktober

von links: Till Reiners, Hagen Rether & Martin Zingsheim

Mitternachtsspitzen im Oktober

Die Bundestagswahl liegt nun drei Wochen zurück, und bei der einen und der anderen großen Partei kam beim diesjährigen Erntedankfest so gar keine Stimmung auf. Höchste Zeit also für eine politisch-satirische Nachlese, meint Jürgen Becker, der dabei von seinem kabarettistischen Thinktank Wilfried Schmickler, Uwe Lyko und Susanne Pätzold sowie den Gästen Hagen Rether, Till Reiners und Martin Zingsheim unterstützt wird.

Hagen Rether tarnt seine sprachlich geschliffenen, knallharten und bitterbösen Anklagen mit charmanten Pianoplaudereien. Scheinbar gelassen lässt er sich über die Ungerechtigkeiten der Welt aus. Doch wer ihm genau zuhört, dem stockt oft genug der Atem ob seiner blitzgescheiten und rückhaltlosen Beobachtungen.

Mit einem hochprozentigen Konzentrat aus Poetry-Slam, Kabarett und Comedy hat sich der junge Till Reiners die deutschen Kleinkunstbühnen erobert. In seinem aktuellen Programm „Auktion Mensch 2017“ widmet er sich den seiner Meinung nach „zwei Säulen unserer Demokratie: nicht denken und nicht handeln“.

Martin Zingsheim überzeugt immer wieder mit sprachlich brillanter Komik und tiefgründigen Gags. Der Kölner stellt in seinem neuen Stand-up-Programm „aber bitte mit ohne“ die These auf: Verzicht sei heutzutage der wahre Luxus. Echte Teilzeit-Asketen verzichteten eigentlich auf alles: Fleisch, Laktose, Religion – und vor allem eine eigene Meinung.

Im herkömmlichen Luxus schwelgt in den „Mitternachtsspitzen“erneut ein „Überschätztes Paar der Weltgeschichte“, Ruhrpott-Original Herbert Knebel (Uwe Lyko) gewährt einen tiefen Blick in seine Rentnerseele, Susanne Pätzold schlüpft mit schauspielerisch-komödiantischer Brillanz in die Rolle einer prominenten Politikerin, und Wilfried Schmickler zieht gegen Ende wie gewohnt ein wortgewaltiges Fazit.

Stand: 12.10.2017, 13:33

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