Vertrieben aus dem Paradies

Vertrieben aus dem Paradies

Alles anders machen, ein neues Leben führen, nochmal ganz von vorne fangen. Den Wunsch verspüren viele Menschen. Aber geht das so leicht - Fesseln abstreifen, Verpflichtungen beenden und Pläne umwerfen? Wer wird dabei glücklich und für wen wird das neue Leben eine Enttäuschung? Im August sendet Menschen hautnah die Sommer-Staffel „Mein neues Leben“. Darin zeigen wir unter anderem ein Paar, das seine Jobs kündigt, nach Thailand geht und dort arbeitet, wo andere Urlaub machen. Gisela, die ihren festen Wohnsitz aufgibt und allein mit dem Wohnmobil durch Europa reist sowie Inka und ihre Familie, die in die Landkommune ziehen.    

Sieben Jahre lang lebte Rolf Tepel, der sich ‚Ketan‘ nennt, auf einer städtischen Baubrache mitten in Köln. Zwischen ausrangierten Zirkuswagen und selbstgebauten Holzhäusern träumte er davon, eine bessere Welt zu errichten. In seinem „Paradies“, einem 3.600 Quadratmeter großen Gelände ohne fließendes Wasser und ohne Strom, wollte er einen Ort für mehr Miteinander und weniger Konsum erschaffen, für mehr Kreativität und weniger Konformität. Mit seinen idealistischen Plänen lockte er die unterschiedlichsten Menschen an – vom großzügigen Kunstmäzen über die Aussteigerin aus der Computerwelt bis hin zum drogenabhängigen Obdachlosen. Und dann der Schock: Eines Tages rücken die Bulldozer an. Ketan und seine Freunde müssen gehen. Sein „Paradies“ wird zur Großbaustelle. Auf seiner Brache soll das neue Stadtarchiv errichtet werden.

Ketan wird sesshaft

Was viele als das Scheitern eines großen Projekts sehen würden, verbucht Ketan als eine weitere Erfahrung in seinem reichen Leben. Denn schon vor über 30 Jahren hat sich Ketan aus dem bürgerlichen Leben verabschiedet, seither schlägt er sich durch, ohne Krankenversicherung, ohne geregelte Arbeit, lebt vorwiegend von Spenden und lehnt staatliche Sozialleistungen ab. Er versteht sich als Künstler und Lebenskünstler.

Ketan ist glücklich mit seinem neuen Leben im Bergischen Land.

Ketan ist glücklich mit seinem neuen Leben im Bergischen Land.

Aus dem „Paradies“ vertrieben, zieht er zu einem alten Freund, den er bis in den Tod begleitet. Und dann entscheidet er sich für etwas, das er sich lange nicht hatte vorstellen können: Er wird sesshaft. Ketan wohnt von nun an bei seiner Freundin im Bergischen Land. Zugleich betreibt er mit großem Enthusiasmus die Verschönerung des Eierplätzchen-Platzes in der Kölner Innenstadt, fegt ihn regelmäßig und presst aus den gefundenen Kronkorken eine eigene Währung, die die Verschönerung finanzieren soll. Für Ketan ist das Paradies kein Ort mehr, sondern eine Haltung.

In unserem Film „Mein Leben im Paradies“ haben wir 2014 über Ketans Lebenstraum berichtet. Nun zeigt Menschen hautnah Ketans Vertreibung aus dem „Paradies“ und sein Leben, nachdem der Traum geplatzt ist. Wie erlebt Ketan seine dauernden dramatischen Veränderungen?

Ein Film von Ralf Breier und Claudia Kuhland
Redaktion: Jessica Briegmann und Ulrike Schweitzer

Stand: 02.08.2017, 13:56

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