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Gartenzeit: Gemüsegarten

Lokalzeit aus Köln vom 11.04.2017

Gartenzeit: Gemüsegarten

Obst und Gemüse selber anbauen und ernten, liegt schwer im Trend; gerade bei jungen Familien in der Großstadt. Im Schrebergarten der sechsköpfigen Familie Friedrichs in Köln-Niehl, den unser Gartenexperte Rüdiger Ramme in diesem Jahr gemeinsam mit seinen Pächtern verschönern möchte, will man sich heute um den Nutzgarten-Bereich der Parzelle kümmern.

Die Kinder der Familie wünschen sich ein eigenes Erdbeerbeet. Die Eltern möchten Kartoffeln, Kohlrabi, Rote Beete und allerlei anders Gemüse aussäen und pflanzen. In den letzten Jahren hat das eher suboptimal funktioniert. Der Lokalzeitgärtner hat nun beim Bestellen geholfen und Tipps gegeben.

Bodenvorbereitung:

Wer gesundes Gemüse im Garten ernten möchte, der sollte sich vor dem Aussäen und Pflanzen genügend Zeit nehmen, um seine Beete auch richtig zu planen. Bei dieser Planung geht es nicht nur darum, was einem am besten schmeckt. Wichtig ist auch die richtige Kombination der Pflanzen im Beet. Und auch die richtige Vorbereitung des Bodens ist für den späteren Ernteerfolg enorm wichtig. Nicht zu nass sollte er beim Bestellen sein und möglichst locker. Alles Unkraut und Wurzelreste sollten vor der neuen Aussaat sorgfältig rausgerupft werden. Am besten wurde das Beet bereits im Herbst zuvor mit Mist gedüngt. Denn damit Gemüse im Garten gedeihen kann, braucht es einen gesunden, nährstoffreichen Boden. Aber auch jetzt im Frühjahr können noch mit Kompost oder Dünger Nährstoffe zu geführt werden. 

Stichwort Fruchtfolge/Fruchtwechsel:

Es ist altes Gärtnerwissen, gerät aber immer mehr in Vergessenheit: Das Prinzip der Fruchtfolge. Würde man immer wieder das gleiche Gemüse oder Getreide auf einer Stelle anbauen, wäre die Erde bald ausgelaugt. Krankheitserreger würden sich vermehren und mit der guten Ernte  wäre es bald vorbei. Denn der Anbau nur weniger Arten führt im Boden zu einseitigem Entzug von Nährstoffen.

So erfanden unsere Vorfahren die Dreifelderwirtschaft. Auch der Hobbygärtner kann seinen Gemüsegarten nun in verschiedene Quartiere/Beete aufteilen. Bei der Auswahl der Gemüsearten sollte er unterscheiden zwischen stark-, mittel- und schwachzehrenden Sorten, die dem Boden jeweils unterschiedlich viele Nährstoffe entziehen. Und diese Stark-, Mittel- und Schwachzehrer sollten von einem Jahr auf das andere Jahr einfach „Bäumchen wechsle dich“ im Gemüsebeet spielen.

Im 1. Jahr gehört das erste Quartier – das üblicherweise im Herbst zuvor mit Mist und Kompost gedüngt wurde – den Starkzehrern wie etwa  dem Kohl. Das zweite Quartier den Mittelzehren wie etwa Radieschen, Paprika oder Spinat und das dritte Quartier den Schwachzehrern wie Bohnen, Erbsen und Kräutern. Im nächsten Jahr wird dann getauscht.

Innerhalb der einzelnen Gruppen können und sollten verschiedene Gemüsesorten miteinander kombiniert werden; günstig und beliebt sind etwa die Kombinationen Möhre/Zwiebeln oder Möhre/Lauch, Bohnen/Bohnenkraut/Spinat, Gurken/Dill/Kohl, Salat/Radieschen/Kohlrabi, Tomaten/Petersilie, Sellerie/Lauch.

Stark-, Mittel- und Schwachzehrendes Gemüse:

Das sind die Starkzehrer, die auf einem gut mit Mist und Kompost gedüngten Beet ausgesät oder gepflanzt werden: alle Kohlsorten wie Weißkohl, Blumenkohl, Wirsing, Chinakohl oder Rosenkohl, Kartoffeln, Gurken, Kürbis und Tomaten.

Das sind die Mittelzehrer, die auf ein am besten mit Kompost und im Frühjahr etwas organischem Dünger vorbereitetes Beet kommen: Lauch, Sellerie, Spinat, Radieschen, Kohlrabi, Paprika, 

Das sind die Schwachzehrer, die am wenigsten Nährstoffe benötigen und nur mit etwas Kompost versorgt werden müssen: Möhren, Zwiebeln, Kräuter, Bohnen, Erbsen.

Mischkultur:

Alternativ zum Gemüseanbau auf verschiedenen Quartieren kann der Hobbygärtner, der nur über einen kleinen Nutzgarten verfügt, auch Beete in sogenannter Mischkultur anlegen. Das bedeutet, es können auch Gemüsearten mit unterschiedlichem Nährstoffbedarf auf einer einzigen Fläche zusammen angebaut werden. Sehr wichtig sind hier aber eine ganz gezielte Planung und vor allem die richtige Kombination. Denn nicht alle Gemüsepflanzen vertragen sich und gedeihen nebeneinander gut. Manche dagegen begünstigen sich sogar noch gegenseitig, in dem sie etwa bestimmte Schädlinge abhalten.

Hier einige Beispiele für gute und schlechte Nachbarn im gemischten Beet:

Gute Nachbarn: Möhren/Zwiebeln, Möhren/Lauch, Lauch/Sellerie, Rote Beete/Kohlrabi, Buschbohnen/Bohnenkraut, Gurken/Dill, Tomaten/Petersilie

Schlechte Nachbarn: Kartoffeln/Tomaten, Salat/Petersilie, Erbsen/Bohnen, Kohl/Zwiebeln, Fenchel/Tomaten

Erdbeeren im Garten:  

Als „Speise der Seligen“ werden Erdbeeren (botanisch Fragaria) auch bezeichnet. Schon in der Steinzeit spielten sie für die Ernährung eine wichtige Rolle. Und wussten Sie, dass die Erdbeere gar keine Beere ist? Botanisch zählt sie jedenfalls zu den Sammelnussfrüchten und die ganze Pflanze zur Familie der Rosengewächse.

Bei uns heimisch sind die kleinen, aromatischen Walderdbeeren. Die  großen Früchte, die im Supermarkt oder auf dem Markt zum Verkauf angeboten oder im Garten selber angebaut werden, bezeichnet man dagegen als Gartenerdbeeren. Es sind Züchtungen, die auf amerikanische Ahnen zurückgehen. Ihre Früchte sind nicht nur viel größer, sie sind auch robuster und bringen einen deutlich höheren Ertrag. Nicht alle Sorten aber überzeugen auch durch intensives Aroma. Gerade die Sorten, die auf eine lange Haltbarkeit hin gezüchtet wurden, enttäuschen oft im Geschmack.

Das beste Erdbeeraroma wird immer noch durch eigenen Anbau im Garten erzielt. Außerdem sollten die geernteten Früchte auch möglichst sofort verzehrt werden, da sie schnell an Aroma verlieren und matschig werden.

Die Auswahl an Sorten, die auch für den Hobbygärtner interessant sind, ist mittlerweile groß. Da gibt es Kreuzungen zwischen Wald- und Gartenerdbeeren oder so genannte Monatserdbeeren, die von Juni bis September Früchte tragen und solche, die als Bodendecker wie eine Wiese zusammenwachsen. Anders als früher - als Erdbeeren nur im August  gepflanzt wurden -  können viele der neuen, häufig mehrfach - blühenden und – fruchtenden Sorten auch bis Juni noch ins Beet gesetzt werden.

Erdbeeren pflanzen, pflegen und vermehren: 

  • Vorm Pflanzen die Erde im Beet lockern, alles Unkraut entfernen und Nährstoffe – sprich Dünger – dazugeben.
  • ein sonniger Standort ist wichtig.
  • Erdbeeren brauchen außerdem Platz: Im Abstand von 60 Zentimetern werden  Reihen angelegt und die einzelnen Pflänzchen in 30 Zentimeter Abstand in die Erde gesetzt.
  • Wählen können Sie dabei zwischen den klassischen Erdbeeren, die alle Früchte einmal im Juni liefern und traditionell im August gepflanzt werden und solchen, die den Erntesegen von Juni bis August verteilen und auch im Frühjahr noch gepflanzt werden können.
  • Damit kein Unkraut zwischen den Reihen wächst, aber vor allem damit die Früchte später trocken liegen und nicht faulen, mulcht man Erdbeerbeete mit Stroh. Das hält zudem noch die Schnecken fern.
  • Neue Erdbeerpflanzen können Sie leicht selbst heranziehen. Denn wie an einer Nabelschnur hängen bereits neue Pflänzchen an einer Mutterpflanze. Diese setzt man am besten in eigene Töpfe, dort schlagen sie Wurzeln und können dann später an anderer Stelle eingepflanzt werden. Denn alle drei Jahre sollte das Beet gewechselt werden.

Pflanztipp: Erdebeerbeet mit verschiedenen Sorten: Damit es nicht nur im Juni was zu ernten gibt, unser Tipp: Kombinieren Sie doch verschiedene Erdbeer-Sorten. Zum Beispiel die aromatische, frühreife und einmal im Jahr tragende Sorte Lambada, bei der schon ab Ende Mai geerntet werden kann. Die etwas später reife, ebenfalls einmal tragende Sorte Polka. Und dazu zwei remontierende – das heißt mehrfach-fruchtende Sorten, etwa mara de boirs, ostara, evita, tribute oder siskeep. So haben Sie den ganzen Sommer was zum Naschen bis in den August hinein.        

Literaturtipp: Marie-Luise Kreuter: Der Biogarten (blv Verlag)

 

Stand: 11.04.2017, 14:46