Sardinien - Insel der Hirten

Mann steht vor einer tipi-ähnlichen Hütte aus Holzlatten mit einer Steinmauer davor in Landschaft mit grünen Bäumen

Sardinien - Insel der Hirten

Die Barbagia im Osten der Mittelmeerinsel Sardinien ist seit mehr als 4000 Jahren von Hirten besiedelt. Noch heute leben die meisten sardischen Familien von Landwirtschaft oder Viehzucht. Weit mehr als der Tourismus prägen sie, ihre Traditionen und Bräuche das Bild der Insel. Die Dokumentation zeigt anhand von faszinierenden Landschaftsaufnahmen die Hirtengesellschaften auf der zweitgrößten Insel im Mittelmeer.

Schon vor Sonnenaufgang sind Hirten zu den abgelegenen Weidegründen im Supramonte-Massiv unterwegs. Dank ihrer Geländewagen müssen sie nicht mehr über Wochen in den Bergen bleiben. Vieles hat sich zum Besseren gewandelt, doch Schneestürme, Dürre und Überschwemmungen auf den bis zu 1800 Meter hohen nahen Gennargentu-Gipfeln setzen der eingefleischten Männerwelt noch immer zu.

Ihre Herden weiden auf Gemeinschaftsland. Ein Nutzungsprinzip, das sich bis in die Bronzezeit zurückverfolgen lässt. Damals lebte auf Sardinien das Nuraghenvolk, eine Zivilisation, die den Mittelmeerraum prägte. An der Gemeinschaftsnutzung rüttelten später selbst die Großgrundbesitzer nicht. Heute bezahlt ein Hirte pro Tier und Jahr einen festgelegten Betrag an die Gemeinde und ist selbstständiger Unternehmer.

Um der Arbeitslosigkeit von fast 50 Prozent zu entgehen, entdecken junge Sarden das an Traditionen reiche Hirtenleben auch für sich. Marco Floris zum Beispiel hat sein Studium aufgegeben, um den Familienbetrieb weiterzuführen, der Tierglocken herstellt. Auch Matteo Cabra hat sich bewusst für den Hirtenberuf entschieden und träumt schon vom eigenen kleinen Käseladen.

Sein Großvater, der 91-jährige Pietro, hatte dagegen ein raues und entbehrungsreiches Leben. Doch noch heute steigt er täglich zu seinen Ställen auf, um die kleine Herde zu füttern. Und freut sich, dass er seine Erfahrungen an den Enkel weitergeben kann.

Ein Film von Willy Meyer
Redaktion: Christiane Mausbach

Stand: 05.10.2017, 12:15