PCB – Das Gift in der Nachbarschaft

PCB – Das Gift in der Nachbarschaft

Nordrhein-Westfalen hat „ein PCB-Problem“. So sieht es auch Landesumweltminister Johannes Remmel. PCB, das sind Polychlorierte Biphenyle. Eine chemische Substanz, die extrem langlebig, schwerentflammbar und nicht elektrisch leitend ist. Der Stoff baut sich nur extrem langsam in der der Natur ab. PCB zählt zum sogenannten „dreckigen Dutzend“, das sind die zwölf Giftstoffe, die bereits 2001 durch ein UN-Abkommen weltweit verboten wurden.

Polychlorierte Biphenyle wurden bis Anfang der achtziger Jahre in unterschiedlichsten Bereichen eingesetzt. In Kondensatoren von Haushaltsgeräten, in Stromtransformatoren, aber auch in Gebäuden. Das gilt besonders für große Stahl- und Betonbauten aus den 1960er und 1970er Jahren. Dazu zählen zum Beispiel Universitäten, Schulen und Kindergärten, aber auch Gerichtsgebäude und Verwaltungen. 20.000 Tonnen PCB wurden in Fugenmassen an Fenstern und Fassaden laut Umweltbundesamt eingesetzt. Weitere 4.000 Tonnen in Farbanstrichen und Lacken, zum Beispiel in Schwimmbädern. Bis heute wurde aber nur ein Teil dieser Gebäude saniert. Nach Einschätzung von Experten soll sich bis heute 50-80 Prozent des eingesetzten PCB noch in Gebäudeteilen befinden.

Das Bild zeigt, wie mehrere Menschen wegen PCB in Gebäuden auf die Straße gingen um zu demonstrieren.

Die landeseigenen Gebäude in NRW wurden in den letzten Jahren auf PCB untersucht und teilweise bereits saniert. Häuser in Privatbesitz müssen offiziell nicht auf PCB untersucht werden. Wer sein Haus dennoch untersuchen lassen möchte, kann entweder eine Raumluftmessung durch einen Sachverständigen durchführen, oder eine Probe der Fugenmassen in einem Umweltlabor untersuchen lassen.

Seit 1989 ist die Verwendung von PCB in Deutschland verboten, 2001 weltweit. Im Jahr 2013 hat die Weltgesundheitsorganisation PCB als gesichert krebserregend für den Menschen eingestuft. Hinzu kommt, dass PCB bei Ungeborenen zu Entwicklungsverzögerungen führen kann. Bis heute wird zu den gesundheitlichen Auswirkungen geforscht.

Generell gilt: PCB ist nicht akut gefährlich. Es entfaltet seine Giftigkeit erst, wenn man es über lange Zeit in kleinen Dosen, zum Beispiel über die Raumluft aufnimmt. Denn PCB bleibt nicht in den Fugenmassen und Anstrichen, sondern gast, gerade bei hohen Temperaturen, aus und verteilt sich in der Luft. Wie hoch die Mengen in der Raumluft sein dürfen, kann man in der PCB-Richtlinie des Landes Nordrhein-Westfalen nachlesen: Der sogenannte Vorsorgewert liegt bei 300 Nanogramm PCB pro Kubikmeter Raumluft. Ab 3000 Nanogramm müssen sofort Maßnahmen eingeleitet werden, um das PCB zu entfernen.

Aber nicht nur in Gebäuden ist bis heute noch PCB zu finden. Das Gift findet sich auch in kleinen Mengen im Grubenwasser aktueller und ehemaliger Zechen. Dieses Wasser wird in Flüsse wie Rhein, Emscher, Ruhr und Lippe gepumpt. Deswegen hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Strafanzeige gegen die RAG gestellt.

Redaktion: Irmela Hannover und Jörg Gaensel

Stand: 27.12.2016, 11:40

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