#keineWahl: Wozu überhaupt wählen?

#keineWahl: Wozu überhaupt wählen?

Rund acht Millionen Erwachsene leben in Deutschland ohne deutschen Pass. Viele sind hier geboren, zahlen Steuern und Sozialabgaben. Aber ihre Stimme ist nicht gefragt. Sie besitzen auf Bundes- und Länderebene kein Wahlrecht – und auf Kommunalebene nur, wenn sie aus einem EU-Land kommen. Wir haben am 27.07.2017 mit Betroffenen diskutiert: Was erwarten sie Menschen von der Bundestagswahl?

Es gibt viele Gründe, warum Ausländer in Deutschland keinen deutschen Pass haben. Viele können keinen bekommen, weil sie die Voraussetzungen nicht erfüllen. Etwa, weil sie nur geduldet in Deutschland leben, wenn auch zum Teil schon seit Jahrzehnten. Andere wollen ihn nicht beantragen, weil sie dann ihren bisherigen Pass und damit auch einen Teil ihrer Identität abgeben müssten. Nicht wählen zu dürfen empfinden viele als ungerecht.

Diskussionsrunde:

Was sie sich von der Politik wünschen würden, diskutieren die WDRforyou-Moderatoren Marwa Eldessouky und Falah Elias mit folgenden Gästen:

Falah Elias und Marwa Eldessouky

Falah Elias und Marwa Eldessouky

  • Charlotte Johnson. US-Amerikanerin. Geboren in Deutschland. Engagiert sich, wo immer sie kann: Personalrat, Schwerbehindertenvertretung, in der Frauenarbeit und im Verdi-Migrationsausschuss. Wählen darf sie nicht. Dafür müsste sie ihren US-Pass abgeben. Das will sie aus Verbundenheit zum Land ihres Vaters nicht. Sie wünscht sich mehr Möglichkeiten zur Partizipation.
  • Yasemin Fusco. Italienerin mit türkischen und spanischen Wurzeln. Geboren in Deutschland. Studiert in Hamburg. Darf als Europäerin auf kommunaler Ebene wählen. Findet das aber unzureichend und würde auch gerne bei Landtags- und Bundestagswahlen mitentscheiden. Sie findet, der Pass sollte dafür nicht zwingende Voraussetzung sein.
  • Mitat Özdemir. Türke.  Lebt seit über 50 Jahren in Deutschland. In seiner Familie haben einige den türkischen, einige den deutschen Pass. Er selbst würde gerne wählen, möchte den Pass seiner Heimat aber nicht abgeben. Deshalb wünscht er sich den Doppelpass.
  • Jabbar Abdullah. Syrer. Ist vor dem Krieg geflohen und lebt seit drei Jahren in Deutschland. Weiß, dass das noch nicht lange ist. Würde sich trotzdem wünschen, irgendwann deutsche Politik mitbestimmen zu dürfen. Als Teil der Gesellschaft sollte man eine Stimme haben.