Ihre Meinung: Macht uns unser Gesundheitssystem krank?

Ihre Meinung: Macht uns unser Gesundheitssystem krank?

  • Unterschiedlichste Meinungen zu einem komplexen Thema
  • Zentrale Probleme: Zeit und Geld
  • Zuschauer uneinig über die Frage, wer für die Probleme verantwortlich ist

Es gibt wohl kaum etwas Komplexeres als das deutsche Gesundheitssystem. Keine leichte Aufgabe war es deshalb für Moderatorin Bettina Böttinger am Dienstagabend (29.11.2016) in 90 Minuten die Geschichten und Meinungen der 110 Gäste in der Live-Sendung aufzugreifen. Zahlreiche Probleme des Systems wurden angesprochen, auch wenn es schon mal durcheinander ging. Sehr sicher zeigten sich die Zuschauer bei den Zahlen und Daten: Der Faktencheck nach der Sendung bestätigt, dass die meisten Angaben sehr präzise und korrekt waren.

Pflege sieht sich in einer prekären Lage

Die Themen "Geld" und "Zeit" spielten in der Sendung eine besondere Rolle. Beide bereiten offenbar den Beschäftigten im Pflegedienst große Probleme. "Von den Reformen ist nichts bei der Pflege angekommen", erklärte ein Palliativpfleger aus Solingen. Seine Sorge, die Pflege werde "kaputt gespart", quittierten viele im Publikum mit Applaus. Unterstützt wurde er in seiner Haltung vom Freiburger Gesundheitsexperten Gerd Antes, der im Gesundheitssystem zu viel Macht beim Controlling und den Verwaltungen sieht.

Wer trägt nun die Verantwortung?

Bettina Böttinger fragt einen Zuschauer

Lebhafte Diskussion

Ein ehemaliger Mitarbeiter eines Pharmaunternehmens machte gleich vier Verursacher der Misere aus: Pharmakonzerne, Apotheken, Ärzte und Krankenkassen. Sie seien dafür verantwortlich, dass das Geld nicht richtig ausgegeben würde. Eine Position, die Widerspruch provozierte. Etwa bei einer Kölner Praxismanagerin: "Das System macht die Ärzte krank und die Patienten nicht gesund", entgegnete sie. Dass es aber auch die Patienten selbst in der Hand haben, war einem Mann wichtig, der einen Herzinfarkt hinter sich hat. "Laut werden manche nur, wenn man anderen die Schuld geben kann", kritisierte er. Er selbst habe aber die Erfahrung machen müssen, selbst nicht genug für seine Gesundheit getan zu haben.

Bürger kämpfen für ihr Krankenhaus

Was passiert, wenn das Geld im Gesundheitswesen nicht reicht, erleben derzeit auch mehrere Zuschauer, die aus Emsdetten zur Sendung nach Köln gekommen waren. Ihnen ging es um die Schließung eines Krankenhauses vor Ort. Eine der Aktivistinnen aus der Bürgerinitiative warf Landesgesundheitsministerin Barbara Steffens vor, aus der Politik kämen falsche Anreize: "Wenn Sie die Krankenhäuser zentralisieren, dürfen sie sich nicht wundern, wenn sich auch die Menschen zentralisieren." Steffens konterte, dass es eine Entscheidung des Trägers sei, wenn ein Krankenhaus geschlossen würde. Die Ministerin Steffens war eine der Expertinnen in der Sendung. Wie auch Klaus Reinhardt, vom Ärzteverband Hartmannbund.

Zwischen Zahlen und persönlichem Erleben

Bettina Böttinger interviewt eine Zushchauerin

Persönliche Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem

Auch die Experten waren sich nicht immer einig, so zum Beispiel bei der Zahl der Krankenhäuser in Deutschland. 1.400, 1.600 oder doch 2.000? Tatsächlich sind es laut Faktencheck exakt 1.956, so die Zahl des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2015. Sehr persönlich wurde die Sendung gegen Ende, als eine Zuschauerin aus Wermelskirchen ihre Leidensgeschichte erzählte. Ein Tumor in einem ihrer Augen sei von ihrem Arzt nicht diagnostiziert worden, schilderte sie Bettina Böttinger. Ein Vater, der stellvertretend für seinen Sohn nach Köln gekommen war, zog sein persönliches Resümee der Sendung: "Es gibt richtige Zutaten, aber es wird nicht richtig gekocht." Viele Zuschauer sahen das ganz ähnlich und applaudierten.

Bei "Ihre Meinung" teilnehmen

Vor jeder Sendung von "Ihre Meinung" bewerben sich hunderte Zuschauerinnen und Zuschauer, die bei Bettina Böttinger mitdiskutieren wollen. Jeder von ihnen hat eine Geschichte, ein Anliegen oder eine konkrete Frage. Ein eingespieltes, erfahrenes Team des WDR sucht daraus die relevantesten, spannendsten oder berührendsten Anliegen heraus, damit die Sendung möglichst interessant und  inhaltlich kontrovers wird. Die Redaktion lädt anschließend jene einhundert Zuschauerinnen und Zuschauer ein, die sich mit diesen Themen, Anliegen und Geschichten für die Sendung beworben haben.

Stand: 30.11.2016, 06:00

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