Geheimnis Duisburger Hafen

Geheimnisvolle Orte

Geheimnis Duisburger Hafen

Dort, wo die Ruhr in den Rhein mündet, ist innerhalb von 250 Jahren ein gigantischer Umschlagplatz für Waren aller Art entstanden: Früher wurden hier Kohle und Erz verladen, heute Stahl, Schrott, Möbel, Schuhe, exotische Früchte, Wein, Computer und vieles mehr.

Duisburger Hafen

Auf den ersten Blick ein moderner Container-Hafen: Doch was stecken für Geschichten dahinter?

Die Geheimnisse des Hafens offenbaren sich erst auf den zweiten Blick. Hinter der modernen Kulisse der Containerterminals verbergen sich auch dramatische Geschichten und menschliche Schicksale. Sinkende Schiffe und umstürzende Hafenkräne forderten in der Frühzeit des Hafens immer wieder Todesopfer. Aus einem Container wurden afrikanische Flüchtlinge vor dem Hungertod gerettet und vor einigen Jahren strandete eine russische Schiffsbesatzung ohne Lebensmittel und Wasserversorgung im Hafen, weil ihr Reeder Pleite gegangen war.

Spektakuläre Rettung für den Hafen

Container

Geheimnis Duisburger Hafen: Welche Ereignisse und Schicksale verbergen sich hinter modernen Kulisse der Container-Hafens?

Der Hafen selbst war in den 1950er Jahren in seiner Existenz bedroht. Durch das dramatische Absinken des Rheinpegels hatte sich auch der Wasserspiegel in den Hafenbecken so sehr gesenkt, dass der Hafen leerzulaufen drohte. Die Rettung fand im Verborgenen statt, mehrere hundert Meter unter der Erde in einer spektakulären Aktion: In den Flözen unter den Hafenbecken baute man großflächig die dort liegende Kohle ab. Dadurch sank der Hafenboden um zwei Meter ab und der Hafen wurde damit quasi tiefergelegt. Eine technische Meisterleistung.

Ein unkontrollierbarer Ort

Geheimnis Duisburger Hafen

Ruhrort: Riesig und unübersichtlich erstreckt sich der Hafen bis in die Stadt.

Seit seiner Gründung im Jahr 1716 war der Hafen über Jahrhunderte ein unkontrollierbarer, gefährlicher Ort. Oft kam es zu Schlägereien zwischen Schiffern und Reedern, da die Frachtraten meist ohne Aufsicht in den Ruhrorter Straßen und Kneipen verhandelt wurden. Ein Nährboden für geheime, revolutionäre Bewegungen. Während des Nationalsozialismus wurden viele Verfolgte in letzter Sekunde über den Hafen ins Ausland gerettet, kiloweise kamen verbotene Flugschriften über die Rheinschifffahrt nach Duisburg. Die Gestapo war hoffnungslos überfordert: Mit seinen bewachsenen Ufern, alten Lagerhallen und ausrangierten Schiffen war der Hafen einfach zu unübersichtlich.

Brückenbogen aus Köln

Duisburger Hafen

Aus Köln: Ein Bogen der Kölner Hohenzollernbrücke steht in Duisburg.

Ein kleines Geheimnis ist bis heute erhalten: Die Karl-Lehr-Brücke, die von Duisburg nach Ruhrort führt, wurde im Zweiten Weltkrieg komplett zerstört. Was nur wenige wissen: Der heutige Brückenbogen stammt von der Kölner Hohenzollernbrücke. Er wurde in drei Teile zerlegt, nach Duisburg gebracht und dort wieder zusammengefügt. Ein Geschäft auf Gegenseitigkeit: Im Gegenzug erhielten die Kölner Duisburger Stahl geliefert.

Kneipenromantik

Auch das Ruhrorter Hafenviertel bietet Stoff für unzählige Geschichten. Nach Sonnenuntergang lockte manch geheimer Ort die Schiffer an Land. Bis in die 1970er Jahre gab es mehr als hundert Hafenkneipen. Dort vergnügte man sich bis zum Morgengrauen, wie der ehemalige Hafenpolizist Mario Adams erzählt. Wenn dann die Sehnsucht nach der Heimat immer noch groß war, kümmerten sich Schiffseelsorger um die Schiffsleute. Bis heute ist ein Kirchenboot regelmäßig im Hafen unterwegs. Diakonin Gitta Samko vom evangelischen Binnenschifferdienst wird dabei manches Geheimnis anvertraut.

Drehscheibe Europas

Duisburger Hafen

Die logistische Drehscheibe Europas liegt in Duisburg.

Inzwischen hat sich der Hafen auch auf andere Stadtteile Duisburgs ausgedehnt. Heute schlagen große Binnenschiffe aus Belgien, den Niederlanden und aus Übersee an den Terminals ihre Waren um. Rund 300 Firmen haben hier ihren Sitz. Der Duisburger Hafen ist längst zur logistischen Drehscheibe Europas geworden.

Ein Film von Carsten Günther
Redaktion: Adrian Lehnigk und Monika Pohl

Stand: 24.02.2016, 18:36

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