Nichts rechtfertigt sexuelle Gewalt!

Gegen Victim Blaming

Nichts rechtfertigt sexuelle Gewalt!

Von Franziska Schmidt

Vergewaltigt, gedemütigt, voller Angst: nur ein Bruchteil der Fälle von sexueller Gewalt wird angezeigt, die wenigsten Täter verurteilt. Ein Grund: viele Frauen haben das Gefühl, dass ihnen nicht geglaubt wird. Opfern wird misstraut oder die Schuld zugeschoben: "Der Rock war zu kurz! Sie hat zu viel getrunken! Sie hat sich ja nicht gewehrt!" In allen sozialen Netzwerken regt sich großer Protest gegen dieses "victim blaming" - also den Opfern selbst die Schuld zu geben.

Bild als Schatten: eine Frau sitzt auf einem Stuhl. Darüber der Schriftzug: Hast Du Dich gewehrt? Warum nicht?

Viele Frauen müssen sich rechtfertigen, wenn sie Opfer von sexueller Gewalt geworden sind.

#stillnotaskingforit

Ein Projekt: Unter dem #stillnotaskingforit lassen sich Frauen und auch Männer halbnackt fotografieren mit einer klaren Botschaft: Nackte Haut und falsch verstandene Signale rechtfertigen keine Vergewaltigung. Auch wenn ich nackt vor Dir stehe, heißt das nicht, dass ich angefasst werden will! Angela ist Bloggerin, lebt in München und schreibt in ihrem Blog "the3rdvoice" eigentlich über Mode, Liebe und Dinge, die Frauen im Alltag bewegen. Auch sie hat sich für die Aktion halbnackt fotografiert. Sie sagt: "Wir dürfen nicht zulassen, dass Frauen die Schuld bei sich suchen. Schuld ist niemals das Opfer, sondern immer der Täter."

Junge Frau mit dunklen halblangen Haaren hält ein Foto von sich selbst in die Kamera. Dahinter Fotos halbnackter Menschen mit der Botschaft: Still not asking for it.

Mit dem Foto will Angela zeigen: "Auch wenn ich nackt bin, gibt es Dir nicht das Recht mich anzufassen."

Umdenken in der Gesellschaft

Angela selbst ist kein Vergewaltigungsopfer, aber das Thema bewegt sie, denn in ihrem Freundeskreis gibt es diese Erfahrungen. Sie will Betroffene ermutigen, sich anderen Menschen anzuvertrauen. In ihrem viel beachteten Blogeintrag über "victim blaming" fordert die 26-Jährige zu einem gesellschaftliches Umdenken auf: "Diese Gedanken, sie sind in unsere Köpfe eingemeißelt worden, von klein auf. Warum sagt man einem Mädchen lieber, wie es sich zu kleiden hat, als seinen Kindern beizubringen, niemals jemanden zu berühren, wenn dieser es nicht möchte?"

Nackter Frauenkörper mit Schrift: Only Yes Means Yes.

In den sozialen Medien regt sich der Protest. Frauen und auch Männer lassen sich fotografieren mit eindeutigen Botschaften: "Nur Ja bedeutet Ja!"

Altmodische Vorstellungen

In Deutschland erlebt jede 7. Frau schwere sexuelle Gewalt. Etta Hallenga arbeitet bei der Frauenberatungsstelle Düsseldorf und erlebt häufig, wie traumatisiert, wie eingeschüchtert die betroffenen Frauen sind. Viele Frauen, so sagt sie, haben das Gefühl, dass sie sich rechtfertigen müssen für das, was ihnen passiert ist. Opfern werde misstraut oder eine Mitschuld gegeben. Dahinter stecke auch eine sehr veraltete Vorstellung darüber, was eine Frau wirklich meint, wenn sie Nein sagt - nämlich dann doch irgendwie Ja.

Frau mit blonden, langen Haaren blickt in die Kamera.

Für viele Frauen ist Etta Hallenga in der Frauenberatungsstelle Düsseldorf die erste Ansprechpartnerin nach einer Vergewaltigung.

Nein heißt Nein!

Nur rund zehn Prozent der Sexualstraftaten werden angezeigt. Dass viele Frauen vor einer Anzeige zurückschrecken, liegt auch an der deutschen Rechtsprechung. Ausschlaggebend für eine Straftat ist nach § 177 Strafgesetzbuch die Gewalt des Täters - und nicht das fehlende Einverständnis des Opfers. Es reicht also nicht, wenn das Opfer einfach "Nein" sagt. Viele Fälle bleiben damit straffrei, sagt Etta Hallenga. "Denn die wenigsten Frauen wehren sich körperlich so, wie es der Strafrechtsparagraf vorsieht, weil sie noch mehr Gewalt oder Schlimmeres befürchten." Eine Verschärfung des § 177 StGB sei deshalb unbedingt notwendig, so Etta Hallenga. "Wir fordern, dass nach dem Einvernehmen gefragt wird. Ein Nein ist ein Nein mit den entsprechenden Konsequenzen."

Broschüre mit dem Schriftzug „Vergewaltigung verurteilen“

Der so genannte Vergewaltigungsparagraf §177 StGB muss dringend reformiert werden!

Kontakte für Opfer von Vergewaltigung und Gewalt:

Frauenberatungsstelle Düsseldorf
www.frauenberatungsstelle.de
Notruftelefon: 0211/68 68 54
Mail: info@frauenberatungsstelle.de
Adresse: Im Hof, Talstraße 22-24, 40217 Düsseldorf

Frauennotruf Köln Anlaufstelle für Opfer von Vergewaltigung
www.notruf-koeln.de
Notruftelefon: 0221/56 20 35
Mail: mailbox@notruf-koeln.de
Adresse: Steinberger Str. 150733 Köln-Nippes

Stand: 06.11.2015, 14:26

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