#böseminute: Sexualisierte Gewalt gegen Frauen - Ihr wollt einen neuen #aufschrei? Wir schreien doch schon lange!

#böseminute: Sexualisierte Gewalt gegen Frauen - Ihr wollt einen neuen #aufschrei? Wir schreien doch schon lange!

Von Tina Srowig

Über die sexuellen Übergriffe gegen Frauen am Kölner Hauptbahnhof und in anderen deutschen Großstädten wurde schon viel berichtet. Es wird viel spekuliert: über die Täter, ihre Herkunft, das Versagen der Polizei. Darüber gerät oft in den Hintergrund, um wen und um was es eigentlich geht: um die betroffenen Frauen. Und darum, dass sexuelle Belästigung etwas ist, das uns alle angeht. Die Journalistin, Bloggerin und Feministin Antje Schrupp erhebt ihre Stimme gegen Sexismus und gegen Rassismus. Sie ist außerdem Mitverfasserin des Aufrufs #ausnahmslos. Unter diesem Stichwort läuft auf Twitter eine neue feministische Kampagne, die sich gegen die Instrumentalisierung der Kölner Ereignisse stellt.

Hier ihr Kommentar:

Die furchtbaren Geschehnisse in Köln rufen Pöbler und Rassisten auf den Plan. Ihre Lösungen sind so einfach wie falsch: Angela Merkel muss weg. Wir müssen die Grenzen zu machen. Rechtsradikale Typen wollen jetzt "weiße Frauen" beschützen - danke auch!

Es nervt mich, dass die Sicherheit von uns Frauen immer und immer wieder instrumentalisiert wird, mit einer unglaublichen Scheinheiligkeit.

Die Journalistin und Feministin Antje Schrupp

Die Journalistin und Feministin Antje Schrupp sagt: Wir weisen seit Jahrzehnten auf das Problem sexualisierter Gewalt hin

Alle Betroffenen müssen ernst genommen werden

Was ich auch oft zu hören bekomme: Feministinnen seien schuld, weil sie wegen "harmloser Witze" Aufschreie veranstalten, aber nicht wegen solcher Vorfälle.

Erstens: Wir weisen seit Jahrzehnten auf das Problem sexualisierter Gewalt hin. Schlimm, dass erst etwas wie in Köln passieren muss, damit man auf uns hört. Zweitens: Wir haben auch jetzt wieder konkrete Vorschläge, was Politik, Medien und Gesellschaft tun können – nachzulesen im Internet unter dem Stichwort #ausnahmslos.

Denn: Sexualisierte Gewalt darf nicht nur dann thematisiert werden, wenn die Täter die vermeintlich "anderen" sind. Alle Betroffenen müssen gehört und ernst genommen werden, und zwar ausnahmslos. Sexuelle Belästigung muss endlich eine eigenständige Straftat werden. Und in jedem Fall müssen die Täter konsequent verfolgt werden.

Internetseite der Aktion #ausnahmslos

Die Verfasserinnen der Aktion #ausnahmslos fordern: Sexuelle Belästigung muss endlich eine eigenständige Straftat werden.

Wir alle können und müssen etwas gegen sexualisierte Gewalt tun - jetzt

Aber wir können das Thema nicht nur Justiz und Polizei überlassen. Wir müssen Mädchen stärken und Jungen von klein auf Respekt vor Frauen beibringen.

Wir sollten zu jeder sich bietenden Gelegenheit klar machen, dass Frauen sich bewegen und anziehen können, wie sie wollen. Niemand ist deshalb zu Übergriffen oder Kommentaren irgendeiner Art berechtigt.

Machen wir den Mund auf: Frauen UND Männer. Das Tollste daran ist: Wir können sofort damit anfangen.

Bonusvideo: Ausschlaggebend für eine Straftat ist nach § 177 Strafgesetzbuch die Gewalt des Täters - und nicht das fehlende Einverständnis des Opfers. Es reicht also nicht, wenn das Opfer "nein" sagt, sondern es muss sich körperlich wehren. So bleiben viele Fälle straffrei. Der Frau tv-Beitrag zum Thema vom 09. Oktober 2014.

Stand: 02.02.2016, 11:55

Mehr zum Thema

Startseite