Patientenabzocke - Wohin geht das Geld im Gesundheitssystem?

Patientenabzocke - Wohin geht das Geld im Gesundheitssystem?

Ein Film von Christina Zühlke

Sind wir im deutschen Gesundheitssystem rundum versorgt? Oder ist das eine Illusion? Ärzte und Krankenpfleger klagen seit Jahren über Überlastung – es fehlt also an Personal, an GELD fürs Personal. Andererseits berichten Ärzte, dass Operationen stattfinden, die eigentlich unnötig sind. Aber das Krankenhaus bekommt dann mehr Geld. Eine junge Ärztin sagt: „Ich bin manchmal nicht sicher, ob ich den Menschen helfe oder nicht mehr schade!“

Nahaufnahme Tropf im Krankenhaus

Pflegemangel oder kaputt gespart? Im europäischen Vergleich versorgen in Deutschland deutlich weniger Krankenschwestern die Patienten als anderswo.

In Arztpraxen werden Patienten regelmäßig aufgefordert, mit einer Individuellen Gesundheits-Leistung, kurz IGEL, doch ein bisschen mehr für ihre Gesundheit zu tun. Sinnvoller Zusatz oder Geldmacherei? Der Sprecher des demokratischen Ärztebundes sagt: „Igel-Leistungen wurden erfunden, um den Ärzten zusätzliche Einnahmen zu ermöglichen.“

Eine Krankenkasse fordert regelmäßig von den Krankenhäusern Geld zurück, weil sehr viele Rechnungen „fehlerhaft“ sind. Das sei sicher keine Absicht, sagen die Mitarbeiter. Dagegen sagt ein Kriminologe: „Deutsche Krankenhäuser mit ihrem Abrechnungen sind ein kriminalitätsförderndes Umfeld!“

Augsburger Landgericht

Prozessbeginn im Augsburger Landgericht - es geht um Millionenbetrug von Ärzten.

Die Recherchen von Autorin Christina Zühlke beginnen damit, dass sie selbst eine seltsame Rechnung aus dem Krankenhaus bekommt und versucht, diese Rechnung zu kontrollieren. Daran scheint aber niemand ein Interesse zu haben, nicht mal die Krankenkasse. Die Autorin redet mit ehemaligen Chefärzten, die vom unauffälligen Druck der Verwaltung erzählen. Sie trifft eine alleinerziehende Mutter, die zweieinhalb Jahre dafür kämpfen musste, dass sie nach einer Krebserkrankung in Kur fahren durfte. Und sie trifft einen Wissenschaftler der sagt: Arme Menschen sind in Deutschland die Verlierer des Gesundheitssystems. Sie sterben im Durchschnitt zehn Jahre früher.

Autorin: Christina Zühlke
Redaktion: Barbara Schmitz

Stand: 24.02.2016, 14:03

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7 Kommentare

Neuester Kommentar von "Dr. Winfried Esser", 07.08.2016, 14:11 Uhr:

Sehr geehrte Frau Zühlke, solche Beiträge, wie Ihr von mir sehr geschätzter erfordern viel Mut und Engagement, ich weiß. Wir bräuchten viel mehr davon. Tatsächlich bedarf dieses Thema der Vertiefung. Aber da gibt es dann immer wieder das Ende der Fahnenstange für die Mutigen: Ihnen antworten dann die von Ihnen kontaktierten verantwortlichen Politiker oder Kirchenvertreter einfach nicht mehr, wenn`s unbequem wird und zur Sache gehen soll. Es gab z.B. auch am 2. Juni 2016 eine sehr interessante Sendung eines dazugehörigen Spezial-Gebietes bei Odysso: "In den Fängen der Psychiatrie" : http://www.ardmediathek.de/tv/odysso-Wissen-im-SWR/In-den-F%C3%A4ngen-der-Psychiatrie/SWR-Fernsehen/Video?bcastId=246888&documentId=35681924 Die Horrorvorstellung wie aus einem Albtraum - ein psychiatrisches Gutachten- kann jeden erwischen. Aber eine Vertiefung solcher Themen ist leider nicht erlaubt. Sollen solche wichtigen Sendungen nur Blitzableiterfunktionen einnehmen? Welche Erklärung hab ...

Kommentar von "Wilfried Meißner", 02.08.2016, 11:08 Uhr:

Sehr geehrte Frau Zühlke, bitte vertiefen Sie das Thema. Es wird sich doch ermitteln lassen, wie / von wem genau die Heilsversprechen im Zusammenhang mit IGEL, Fallpauschalen, Privatisierung des Gesundheitswesens usw. über uns gebracht wurden und dabei die -in den Berufsordnungen https://www.aekno.de/page.asp?pageID=57#_2 festgeschriebene- ärztliche Ethik vergessen gemacht wurde, u.a.: Der Arztberuf ist kein Gewerbe. Der Arzt darf nicht das Interesse Dritter über die des Patienten stelllen. Ein innerlich auf Vorteilslogik "umgepolter" Arzt(1) handelt nicht gemäß ärztlicher Sorgfaltspflicht und könnte auch kein (reines) Gewissen haben, also nicht gewissenhaft arbeiten. Er handelte vielmehr gemäß "Scientology"- "Logik" bzw. -"Ethik". Dr. med. Döllein (Neuötting, CSU) hatte bereits 2008 öffentlich -vorsichtig- darauf hingewiesen, daß ihn die Veränderungen im Gesundheitswesen an Ideologie und Verführungspraxis von "Scientology" erinnerten (2). Was sagen die zuständigen Präsi ...

Kommentar von "Bernd Berger", 17.07.2016, 11:51 Uhr:

Sehr geehrte Frau Zühlke! Ich bin Ihnen dankbar, dass Sie die Missstände im Gesundheitswesen thematisieren. Erlauben Sie mir dennoch einige Kritikpunkte: 1) Die Forderung nach immer mehr Geld für die Krankenhäuser führt nicht weiter. 2) Es stimmt nicht, dass die Zahl der Ärzte gesunken ist. Sie rechnen sich trotz hohen Gehalts, denn sie haben den Schlüssel zum Tresor. Gesunken ist nur die Zahl der Pflegekräfte. 3) Ihr Film trägt nicht wesentlich dazu bei, dass wir als Patienten mündiger bzw. informiert werden. Im abgeschotteten System der Selbstverwaltung ist der Patient ein "Spielball meiner Argumentation" (O-Ton). Es lohnt sich wirtschaftlich, einen Patienten schlecht zu behandeln oder ihn sogar vorsätzlich zu schädigen. (Das ist mir passiert.) 4) Es ist viel wichtiger, den Wissenschaftlern eine Stimme zu geben, die sich für einen mündigen Patienten einsetzen: Cochrane (Prof. Antes, Mühlbauer,..., ) ...

Kommentar von "Anonym", 15.07.2016, 08:45 Uhr:

Ich gehe davon aus, dass bei Privatpatienten mindestens jeder 3.-5. Arzt falsch abrechnet. Selbst Krankenhäuser machen dies aus meiner Erfahrung. Das sind die "Vorteile" von Privatpatienten. Den Ärger hat der Privatpatient, wenn er den Arzt dann darauf anspricht. Die kassenärztliche Vereinigung ist da keine Hilfe, man kann sich schon denken warum. Beihilfestellen und private Krankenkasse schauen weg. Es ist ja auch leichter, fast jedes Jahr die Beiträge zu erhöhen. Ich kenne mindestens zwei Ärzte, die wahrscheinlich ihre Approbation verlieren würden, wenn man dort mal genau nachsehen würde, was dort bei Privatpatienten abgerechnet wird.

Kommentar von "Denk Mit", 14.07.2016, 19:04 Uhr:

In Deutschland etabliert sich nicht nur im Gesundheitswesen ein ausgeklügeltes System zur Abzocke. Man schaue nur mal in die Vergaben im öffentlichen Dienst. Mein Krankenhaus hat im letzten Jahr für 5 Tage 3-Bett-Zimmer `Schlafen & drei Mahlzeiten´ knapp 6000,- € abgerechnet. Die Behandlungen waren extra aufgeführt.

Kommentar von "Sonja Msmnhardt", 03.06.2016, 21:08 Uhr:

Hallo Frau Zühlke, Tolle Reportage heute! Gratulation. Sie scheinen eine mutige Journalistin zu sein... Es gibt noch mehr unglaublich erschreckende Themen im Gesindheitsbereich.. Eines wird Ihnen begegnen, wenn ihr Sohn in den Kindergarten kommt?? zum Haare raufen... Sollten Sie Interesse haben, einfach anrufen Sonja Mannhardt Dipl. Oecotroph.

Kommentar von "D. Brandstätter", 13.05.2016, 15:46 Uhr:

Zum Thema Abrechnung nach Fallpauschalen: Mich wundert die Kostenexplosion im Gesundheitswesen überhaupt nicht, nachdem ich durch eigene Erfahrung weiß, dass es in den Krankenhäusern bei den KIS (Krankenhaus Informationssystemen) eigene Abrechnungsmodule gibt, die Fallpauschalen finanziell für die Krankenhäuser "OPTIMIEREN"! mfg