schöner schlauer schneller - Anke Engelke und die Selbstoptimierer

schöner schlauer schneller - Anke Engelke und die Selbstoptimierer

Dr. Hummel schnallt ihr eine Gummimanschette um den Kopf, fixiert zwei Elektroden und fragt behutsam: "Sind sie bereit, Frau Engelke?" Der Neurologe dreht den Regler auf, und Strom fließt durch die Schädeldecke direkt ins Gehirn. Nun soll sie Kopfrechnen – so schnell wie möglich. Resultat: Anke Engelke kann mit elektrischer Hirnstimulation schneller rechnen als ohne.

Strom im Kopf - eine von vielen Optimierungsmethoden, an denen zurzeit geforscht wird. Schöner, schlauer, schneller und vor allem schlanker wollen wir sein. Der Drang, sich zu optimieren, ist so groß wie nie. Doch darf er unser Leben bestimmen? Oder wäre es nicht besser, zufrieden mit dem zu sein, was nicht optimal ist - wir aber nur schwer ändern können?

Anke Engelke beschreibt eine Wand mit Farbe

Anke Engelke spricht mit Menschen über ihren Wunsch nach Perfektion

Ein grauer Werktag in Bonn. Anke Engelke baut einen Stand auf und malt ein Schild: Optimierungsstelle. Anke Engelke hört Ihnen zu. Sie lädt Menschen ein, mit ihr über den Wunsch nach Perfektion zu sprechen. Eins ist schnell klar: Schönheit und Schlankheit sind die große Themen.

Teilnehmer eines Workshops

Die Teilnehmer am Workshop wollen wissen: Wie schaffe ich es, mich gut zu finden?

Wie aber schafft man es, sich gut zu finden? Mit allem Wenn und Aber? Der Versuch: Wir organisieren einen Workshop. Interessenten können sich melden. Der Plan: Die Haltung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu sich selbst und ihren vermeintlichen Schwächen zu ändern. Mit Hilfe von Coaches. Andere Hilfsmittel wie Diäten und Schönheits-OPs sind streng verboten. Wird den Teilnehmern ein neuer Blick auf sich selbst gelingen?

Bei der Commerzbank in Frankfurt melden sich Mitarbeiter freiwillig zu einer Challenge. Sie messen und vergleichen sich intern und weltweit  mit anderen Firmenteams: Wer schafft die meisten Schritte? Die Daten werden gesammelt und verglichen. Was heute noch spielerisch daher kommt, kann in Zukunft Wirklichkeit für uns alle werden. Der Unternehmer Peter Ohnemus entwickelt eine Software, die Gesundheitsdaten misst, kontrolliert und auswertet. Er hat bereits begonnen, mit Krankenkassen zu kooperieren: "Wenn einer wirklich gesund lebt und sich gesund ernährt und sich vernünftig bewegt, dann ist das nicht fair, wenn diese Person genau die gleiche Krankenkassenprämie zahlt, wie einer, der jeden Tag 12 Bier trinkt, jeden Tag Pommes isst und 40 Zigaretten raucht."

Im Berliner Theater

Im Berliner Theater Thikwa trifft Anke Engelke (r) auf Menschen mit Down-Syndrom

Was aber bedeutet das für die Unperfekten und Fehlbaren? Was bedeutet es  für unsere Gesellschaft, wenn wir uns immer perfekter vermessen – und unsere Daten auch Dritten zugänglich machen? Anke Engelke spricht mit dem Zukunftsforscher Harald Welzer über die Folgen von Selbstoptimierung und Effizienzdenken. Sie trifft Menschen mit Down-Syndrom und deren Eltern, die mit den Auswirkungen von Perfektionsdrang und Leistungskampf leben müssen.

Am Ende kommt Anke Engelke zu der Erkenntnis: "Kaum einer, den ich auf meiner Reise traf, war zufrieden mit sich, weder innen noch außen. Und ich dachte irgendwann: Sind wir hier alle auf Fehlersuche konditioniert?! Können wir nicht erkennen, dass wir jenseits all unserer vermeintlichen Fehler absolut ok sind? Da muss sich etwas ändern, sonst drehen wir durch vor lauter Selbstoptimierung!"

Ein Film von Gesine Enwaldt und Ravi Karmalker

Redaktion: Britta Windhoff und Ulrike Schweitzer

Stand: 28.04.2016, 09:23