Hungrig nach Profit - Wem dient die deutsche Entwicklungshilfe?

Hungrig nach Profit - Wem dient die deutsche Entwicklungshilfe?

Flüchtlinge sollen nicht fliehen, sondern ihre Lebensbedingungen vor Ort verbessern - wir helfen dann auch gern. So war es über Jahre immer wieder von führenden deutschen Politikern zu vernehmen. Doch was tut die deutsche Entwicklungshilfe wirklich, um die Lebensbedingungen von Menschen in deren Heimat zu verbessern?

Flüchtlinge sollen nicht fliehen, sondern ihre Lebensbedingungen vor Ort verbessern - wir helfen dann auch gern. So war es über Jahre immer wieder von führenden deutschen Politikern zu vernehmen. Doch was tut die deutsche Entwicklungshilfe wirklich, um die Lebensbedingungen von Menschen in deren Heimat zu verbessern?

Afrikanischer Vater mit seinen Söhnen vor einem kleinen Haufen Erdnüsse

Beispiel Kleinbauern: Was bräuchten sie wirklich, wie müsste die Hilfe aussehen, die sie sich wirklich wünschen?

story-Autor Christian Jentzsch sah sich auf zwei Kontinenten beispielhafte Projekte an und fragte: Wie helfen wir der armen Landbevölkerung? Was tut Deutschland, um Landflucht einzudämmen, Kleinbauern unabhängig zu beraten oder Kleinbetriebe vor der Übernahme durch Agrokonzerne zu schützen?

Die Antwort fällt ernüchternd aus: Entwicklungshilfe-NGO kritisieren, der deutsche Staat sitze inzwischen mit Konzernen, wie Bayer, BASF und Co in einem Boot und laufe Gefahr zum Handlanger von Geschäftemachern zu werden. Statt Entwicklung fördere man so vor allem die Interessen großer Unternehmen und Anleger.

Hungrig nach Profit - Wem dient die deutsche Entwicklungshilfe?

story-Autor Christian Jentzsch sah sich auf zwei Kontinenten beispielhafte Projekte an und fragte: Wie helfen wir der armen Landbevölkerung? Was tut Deutschland, um Landflucht einzudämmen, Kleinbauern unabhängig zu beraten oder Kleinbetriebe vor der Übernahme durch Agrokonzerne zu schützen?

Junger Afrikaner mit einer Schale, die seine Ernte beinhaltet

Kein Land, keine Ernte - und keine Hoffnung. Ein Bild aus Afrika, dem einzigen Kontinent, in dem sich der Hunger weiter ausbreitet, sagen die Vereinten Nationen.

Kein Land, keine Ernte - und keine Hoffnung. Ein Bild aus Afrika, dem einzigen Kontinent, in dem sich der Hunger weiter ausbreitet, sagen die Vereinten Nationen.

Die Ernte eines Kleinbauern reicht nicht aus, um die Familie zu ernähren: Joseph und seine Familie haben ein paar Erdnüsse angepflanzt. Jeden Tag laufen sie hierher - insgesamt vier Stunden Fußmarsch.

Zu wenig Regen, die Quelle trocknet aus - es gibt nicht mehr ausreichend Wasser. Die benachbarte, durch deutsche Entwicklungskredite geförderte Agrarfabrik pumpt hier das Wasser für die Felder der eingezäunten Farm ab.

Investoren mit ausländischen Krediten vertreiben die Kleinbauern von ihrem Land. Es gibt keine Zukunft mehr für die Kinder der Bauern.

In Sambia ist man weit entfernt vom Erreichen der sogenannten Millenium-Entwicklungsziele, dei denen versprochen wurde, den Anteil der Hungernden bis 2015 zu halbieren.

Der Investor jenseits des Zauns, der insgesamt 35 Millionen aus deutschen Entwicklungshilfekrediten erhielt, lehnt es bis heute ab, den Kleinbauern geeignete Ersatzfläche für ihren verlorenen Boden zur Verfügung zu stellen.

In zehn afrikanischen Ländern hat sich die Armutssituation sogar verschlechtert - trotz oder wegen der Entwicklungshilfe.

Thailand: Zahlreiche Reisbauern verschulden sich für die von westlichen Konzernen propagierte Agrarchemie. Der versprochene Wohlstand blieb aus. Stattdessen: jahrelange Monokulturen, Überdüngung, hemmungsloser Einsatz von Pestiziden und Gensaatgut.

Thailändische Reisbauern, die im Umgang mit Pestiziden trainiert werden. Lässt sich so staatliche Entwicklungshilfe vor den Karren der westlichen Industrie spannen?

Über fragwürdige "Entwicklungs"-Fonds verteile man großzügig Kredite an Investoren. Doch statt dadurch Hunger und Armut zu bekämpfen, seien die Folgen oft das genaue Gegenteil: Kleinbauern würden von ihrem Land vertrieben, von Bildung und medizinischer Versorgung ausgeschlossen. So würden am Ende diejenigen zu Opfern, denen eigentlich geholfen werden sollte.

die story hakt nach: Bei den Verantwortlichen, aber auch bei NGOs und einem Fachmann aus dem EU-Entwicklungshilfesystem, der seinen Job nach vielen Jahren frustriert hingeschmissen hat. Und die story lässt nicht zuletzt die zu Wort kommen, um die es geht: die Kleinbauern. Was bräuchten sie wirklich, wie müsste die Hilfe aussehen, die sie sich wirklich wünschen?

Autor: Christian Jentzsch
Redaktion: Norbert Hahn

Stand: 29.02.2016, 14:19

Kommentare zum Thema

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4 Kommentare

Neuester Kommentar von "Windhund", 17.06.2016, 09:54 Uhr:

Den Beitrag fand ich sehr gut und informativ. Aus eigener Erfahrung möchte ich aber darauf hinweisen, dass sich diese Praktiken und fatalen Abhängigkeiten zwischen Kunden, Geldgebern und Auftragnehmern leider nicht nur auf den Agrarsektor beschränken. Im Bereich Infrastruktur der in Deutschland u.a. von der KfW Entwicklungsbank gefördert wird sind mir systembedingte Prozesse bekannt, die dafür sorgen, dass die gewünschten Wirkungen auf die Nutznieser ignoriert werden bzw. es kommt sogar zu konkrete Fällen von Vorteilsnahme. Vielleicht wäre es sinnvoll auch in diese Richtung einmal zu recherchieren.

Kommentar von "Windhund", 11.06.2016, 01:39 Uhr:

Ich fand die Dokumentation sehr interessant. Aus eigener Erfahrung weiß ich aber, dass diese Verflechtungen und unglücklichen Allianzen zwischen Geldgebern, Kunden und Auftragnehmern sowie prozessbedingte Probleme nicht nur in Entwicklungshilfeprojekten, die sich mit der Nahrungsmittelproduktion befassen, sondern auch in den Infrastrukturprojekten, die von der KfW finanziert werden, dazu gehören.

Kommentar von "Mr. Brightside", 23.04.2016, 10:25 Uhr:

@JohnCarr: dir ham'se wohl in' Kopp jehustet! (?)

Kommentar von "John Carr", 21.04.2016, 20:03 Uhr:

Typisches WDR Gequatsche, die Lügenpresse. Die Lügenpresse beherrscht alle Kanäle.