Die Wahrheit über Pelz

Die Wahrheit über Pelz

Gestern ein Tabu, heute ist Fell wieder angesagt. Alt und Jung tragen Kojote, Marderhund, Fuchs, Nerz oder Kaninchen. Nirgendwo profitiert die Wirtschaft so sehr von der Pelzmode wie in Europa und China. Und das, obwohl Meinungsumfragen zeigen, dass die Mehrheit der Deutschen Echtpelz immer noch ablehnt. Wie passt das zusammen? die story sucht nach der Wahrheit über Pelz.

Strickmützen mit Fell

Fellaccessoires wie diese Bommel machen mehr als 70% des Pelzumsatzes in Deutschland aus.

Der Grund für den neuen Boom der Fell-Industrie sind Fellbesätze. Mehr als 70% des Pelzumsatzes in Deutschland sind Fell-Accessoires aus China. Accessoires wie Pelzkragen, Bommel oder Schuhfutter werden von den Konsumenten in Deutschland als "kleineres Übel" angesehen. Sozusagen als Abfallprodukt.

Marderhund im Käfig

Marderhund als Mantelkragen oder Nerz als Kapuzenbesatz - Pelz ist wieder in, sehr zum Leidwesen der Tierschutzorganisationen.

Aber das ist falsch. Für Fellbesätze werden jedes Jahr Millionen Marderhunde, Kaninchen und Füchse aufgezogen und getötet. Obwohl Pelze von den Herstellern gern als "natürliches Material" bezeichnet werden, sind sowohl die Haltung der Tiere als auch die Verarbeitung der Felle in China erschreckend.

Händler mit Fellen

Einer von 1000 Verkäufern, hier mit Fuchsfellen, auf Chinas größtem Fellmarkt in Chongfu Town.

Bei den Besuchen in Gerbereien in der Nähe von Shanghai dokumentiert die Autorin, mit welchen Chemikalien die Pelze verarbeitet werden. Gift, das am Ende auch dem Kunden schaden kann - als Gefahr am Mantelkragen. Das kann der Konsument nicht wissen, denn nach der deutschen Textilkennzeichnungspflicht müssen weder das Tier noch die Herkunft ausgewiesen sein. Viele Etiketten enthalten gar keine Informationen darüber, welches Fell verwendet wurde. Die Folge: oft denken die Kunden, sie trügen Kunstfell. Eine Verbrauchertäuschung, die sich nicht zuletzt auch negativ auf die Gesundheit der Käufer auswirken kann.

Fellgerberei

Eine Fellgerberei in Chongfu Town. Die Kleinstadt verarbeite 35% aller Pelze weltweit, sagt man uns.

Autorin Antonia Coenen untersucht die internationale Produktion von Echtpelzbesatz, besucht die größte Fell-Messe in Kopenhagen, schaut sich die weltweite Pelzproduktion an. Sie ist vor Ort in chinesischen Gerbereien und Fellfabriken, die für deutsche Firmen arbeiten. Am Ende ist die Wahrheit über Pelz viel mehr als nur eine Tierschutz-Frage. Es geht um Verbraucherschutz, Arbeitsschutz und, nicht zuletzt, auch um unsere Gesundheit.

Autorin: Antonia Coenen
Redaktion: Barbara Schmitz (WDR) und Katrin Becker (NDR)

Stand: 29.02.2016, 14:40

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18 Kommentare

Neuester Kommentar von "Volker Bär", 28.10.2015, 18:55 Uhr:

In China und ganz Asien ist man Stolz auf seine Kultur, Tradition, Medizin und Religionen. Tiere dienen aber nur als Mittel zum Zweck und sterben meist auf sehr grausame Weise, wer kann den Widerspruch erklären?

Kommentar von "Tobias Keller", 27.10.2015, 19:00 Uhr:

dass zum Essen zigtausendmal so viele Tiere unnatürlich gehalten und abgeschlachtet werden wie zur Pelzproduktion. Mit den bekannten Folgen für Klima und Gesundheit der Menschen. Lars das stimmt leider. Die perverse Pelzproduktion kommt aber noch hinzu!!!

Kommentar von "Veit Alex", 06.10.2015, 16:10 Uhr:

Danke für solche deutlichen Bilder, und so viel Recherche! Eine sehr gute Doku!

Kommentar von "Owen", 05.10.2015, 11:51 Uhr:

Ich möchte gerne wissen, ob Pelztieren auch für Pinselhaare gebrauchen werden.

Kommentar von "Lars F.", 05.10.2015, 10:36 Uhr:

Diese Reportage ist wichtig, soll aber nicht davon ablenken, dass zum Essen zigtausendmal so viele Tiere unnatürlich gehalten und abgeschlachtet werden wie zur Pelzproduktion. Mit den bekannten Folgen für Klima und Gesundheit der Menschen. Ein Pelzkragen ist in Tierleid gemessen etwa so viel wert wie 2 Wochen Vegetarismus. Ich will nicht sagen, dass man nicht auf beides verzichten kann, Pelz und Fleisch, nur die Relation gerade rücken. Wer wirklich im größeren Stil etwas bewirken will, wird Vegetarier.

Kommentar von "H.W.Wirges", 04.10.2015, 09:47 Uhr:

Und diese ganze Quällerei wird auch noch von der Tierorganisation Peta unterstützt

Kommentar von "Simone Roder aus München Neuperlach", 29.09.2015, 18:37 Uhr:

ein Hoch auf den Journalisten, der den Mut hatte diese Dokumentation zu veröffentlichen. Betrifft natürlich wieder die Leute, die sich vor der Wahrheit verschließen. Senta Berger habe ich in der Zeitung auch mit Pelz gesehen, als ob es was natürliches ist. Es ist auch typisch, Verkäufer verkaufen alles wenn es ums Geld geht. Ist mal wieder typisch skrupelos die Menschen sein können. Hoffentlich haben es die richtigen Leute gesehen. Solche Sendung können gerne öfters gezeigt werden, damit die Menschen erinnert werden.

Kommentar von "emma", 29.09.2015, 11:49 Uhr:

Man sollte diese Pelztierzüchter monatelang mit nackten Füßen über einen Drahtgeflecht laufen und ihm einmal täglich nur einen matschigen Brei aus Fleisch und Fisch essen lassen und ihn dann fragen, ob das Leben im Käfig immer noch schön ist!!! Den Rest des bekannten grausamen Ablaufes ersparen wir ihm, da es immer noch Menschen gibt, die sich human verhalten.

Kommentar von "Marie", 29.09.2015, 09:35 Uhr:

Alle Jahre wieder: der Winter kommt und damit wiederholt der WDR immer wieder diese Reportage. Das Problem ist hier wohl eher in China zu sehen, denn der Markt dort boomt und die Chinesen produzieren für ihren Markt und nicht für das Ausland. Die Felle, die ich als Kürschnerin kaufe stammen nicht aus China, sondern von Betrieben, die den Tierschutz einhalten und in Europa produzieren und diese Felle sind in den letzten Jahren exorbitant im Preis gestiegen und in der Textilindustrie möchte man natürlich mehr Gewinn machen und kauft deshalb die Pelze dort, wo deren Produktionsstätten liegen und das ist das Problem. Leider wird mit diesen Berichten auch unsere Branche niedergemacht, obwohl unsere Arbeit hauptsächlich darin besteht alte Pelze umzugestalten, das nennt man Recycling und den Kosumenten sehr wohl darauf hinzuweisen, woher die verarbeiteten Felle stammen und um welche Tierart es sich handelt.

Kommentar von "Silke", 28.09.2015, 23:56 Uhr:

Danke für diese schonungslose Reportage! Menschen, die Echtfell tragen - und sei es "nur" als Pelzkragen oder als Bommel an der Mütze - müssen darüber aufgeklärt werden und erkennen, welch grausame Tierquälerei sie dabei unterstützen. Unfassbar, dass es immer noch Menschen gibt, die so etwas tragen!

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