Neue Helden – die 60er

Hörsaal der Ruhr-Uni Bochum

Neue Helden – die 60er

Das Dreischeibenhaus in Düsseldorf galt Anfang der 60er als das modernste Hochhaus Europas. Immerhin hatte hier der Stahlgigant Thyssen seinen Sitz, der seit den 50er Jahren das wirtschaftliche Rückgrat NRWs bildete.

Doch im Laufe der 60er schwächelte der Stahl – und zwar so stark, dass sich der als Reformator bekannt gewordene Ministerpräsident Heinz Kühn für die Stahlbranche einsetzen musste. Sein Vorgänger Franz Meyers hatte noch emotionalere Sorgen: Er wollte nicht nur eine eigene Hymne für NRW komponieren lassen, sondern er hätte das Land beinahe in Sachsofrankonien umbenannt.

Die 60er Jahre in NRW

Nach dem Ende des Wirtschaftswunders in NRW entsteht Neues: das Opel-Werk in Bochum, Universitäten, Phantasialand und die Essener Songtage, der Beginn der deutschen Rockszene.

Schwarzweißfoto Bergwerk Hugo

Was sich 1959 mit der Schließung der ersten Zeche andeutete, zeigt sich mit geballter Kraft im neuen Jahrzehnt. Das Ende des Wirtschaftswunders und die Ausweitung der Erdölförderung in Deutschland führte dazu, dass viele Zechen schließen mussten. So wurde das Ruhrgebiet schnell vom Wirtschaftsmotor zum Sorgenkind.

Was sich 1959 mit der Schließung der ersten Zeche andeutete, zeigt sich mit geballter Kraft im neuen Jahrzehnt. Das Ende des Wirtschaftswunders und die Ausweitung der Erdölförderung in Deutschland führte dazu, dass viele Zechen schließen mussten. So wurde das Ruhrgebiet schnell vom Wirtschaftsmotor zum Sorgenkind.

Das Dreischeibenhaus ist eines der bekanntesten Hochhäuser Deutschlands und wird fest mit der Geschichte der Firma Thyssen in Verbindung gebracht. Dabei wurde das Gebäude gar nicht von Thyssen in Auftrag gegeben, sondern von der Phoenix Rheinrohr AG, einem anderen Schwerindustrieunternehmen. Erst durch die Übernahme Thyssens wurde das Hochhaus Teil der Firma.

Die Stadt Bochum verhandelt mit General Motors, um das nächste Opelwerk dort zu errichten. Aufgrund der vielen potentiellen Arbeitskräfte stimmt GM dem Plan zu. Opel wurde schnell zu einem der größten Arbeitgeber der Stadt. Das Opelwerk wird bedeutender Teil Bochums. Entsprechend schmerzhaft war die Einstellung der Automobilproduktion 2014 für die Bochumer.

Der Lehrermangel wurde in den Sechzigern durch die steigende Anzahl von Schülern immer problematischer. Um dem Problem Herr zu werden, beschloss Kultusminister Paul Mikat (CDU), dass Leute mit einem Schnellkurs auch ohne richtige Lehrerausbildung in den Beruf Quereinsteiger können würden. Diese als Mikätzchen bekannten Lehrer/innen haben hauptsächlich in Grundschulen gearbeitet, hatten dann aber die Möglichkeit, ein verkürztes Studium für den "richtigen" Lehrerberuf zu machen.

In den 60ern wurden in Bochum (1962), Düsseldorf (1965), Dortmund (1968) und Bielefeld (1969) diverse neue Universitäten in NRW gegründet. Man wollte mit den neuen Hochschulen mehr Leuten ermöglichen, studieren zu gehen. Das führte aber manchmal auch zu Bildern wie von diesem Hörsaal in der Ruhruni Bochum.

Begegnungen zwischen Borussia Dortmund und dem FC Liverpool versprechen nicht erst seit diesem Jahr großes. Das erste Mal trafen die beiden 1966 im Europapokal der Pokalsieger aufeinander. Die Borussen besiegten die Favoriten aus England in der Verlängerung mit 2:1 und wurden der erste deutsche Europapokalsieger.

Heute findet man im Rhein vor allem Müll. Am 16. Juni 1966 hatte man mit dem Belugawal "Moby Dick" einen etwas exotischeren Fund. Eigentlich im Nordpolarmeer beheimatet, wurde er an der Duisburger Küste gefunden. Der Duisburger Zoodirektor plante, den Wal zu fangen, doch die Bevölkerung protestierte dagegen. Es war wohl eine der ersten Tierschutzproteste Deutschlands.

Für die Kinder wurde 1967 das Phantasialand gebaut. Gab es zu Beginn nur Märchenwald, Oldtimerbahn, Ponyreitbahn und Western-Express, kann man mittlerweile diverse Attraktionen finden, die auch Erwachsenen zusagen.

Bereits 11 Monate vor Woodstock konnte man viele internationale Stars wie zum Beispiel Frank Zappa in Essen treffen. Die dort stattfindenden Internationalen Essener Songtage im September 1968 gelten als der Startpunkt der deutschen Rockszene. Begleitet wurde die Musik von den Demonstrationen der jungen Bewegungen der Sechziger. So war das Festival ein Spiegel seiner Zeit.

Die Jugend zog es 1968 zu den Essener Songtagen, wo Pop-Größen wie Frank Zappa für Woodstock-ähnliche Stimmung mitten in NRW sorgten. Hier wurde die deutsche Rockmusik geboren. Den umgekehrten Weg ging das Model Nico: Es verdrehte Andy Warhol den Kopf und wurde zur Stil-Ikone für die Jugend.

Campus der Ruhr-Uni Bochum

Campus der Ruhr-Uni Bochum: In den 60ern wurden mehrere neue Universitäten in NRW gegründet.

Während sich die Krise in den alten Branchen verschärfte, zog es immer mehr junge Studenten an die Universitäten. Etwa an die neue Ruhr-Uni in Bochum, die erste neu gegründete Universität nach dem Krieg. Wissen galt als das Kapital der Zukunft.

Ein Film von Manfred Oldenburg und Lukas Hoffmann
Erzählt von Annette Frier
Redaktion: Thomas Kamp und Monika Pohl

Stand: 24.07.2016, 17:08

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