Die Zukunftsmacher in Westfalen

Die Zukunftsmacher in Westfalen

Visionäre aus dem Münsterland sind nicht nur erfinderisch und erfolgreich, sie sind auch besonders hartnäckig und heimatverbunden. Die Orte aus denen sie stammen, mögen klein sein, manche nennen sie "Provinz", aber hier werden die Weichen für unsere Zukunft gestellt von Querdenkern aus unserem Land.

Tobias Groten

Abitur oder Software Unternehmen? Tobias Groten entschied sich für sein Unternehmen.

Wer die Weltmarktführer in Westfalen kennen lernen will, muss nach Ahaus. Dort treffen Sie sich im sogenannten Tobit Campus.

Das westfälische Silicon-Valley

Tobias Groten hat nicht nur ständig neue Ideen für rund eine Million Kunden in der ganzen Welt, er hat auch gleich seine kleine Heimatstadt Ahaus mit knapp 40.000 Einwohnern von einem verschlafenen Nest in ein Silicon-Valley verwandelt, mit futuristischer Firmenzentrale, eigenem Campus, auf dem Software-Ingenieure ausgebildet werden, aber auch einer Disco und dem app-gesteuerten firmeneigenen Hotel. Nein, ganz Ahaus ist Tobit-Land - wenn Gebäude leer stehen oder Geschäfte nicht ordentlich laufen, hat Groten mit Sicherheit eine gute Idee, wie man das ändern kann. Denn er hat keine Lust, seiner Stadt beim Schrumpfen zuzuschauen. Und so haben die Einzelhändler in Ahaus mit Tobit-Software und Apps die Nase vorn beim digitalen Wandel. Glaubt man Groten, hat Ahaus sogar die höchste App-Dichte der Welt. Nebenbei macht er mit seiner Software-Firma über 20 Millionen Euro Umsatz, mit einem Team von über 250 Mitarbeitern, die täglich daran tüfteln, seine vielen Ideen in die Realität umzusetzen. Und warum bleibt er in Ahaus? Weil er hier im Umkreis von 700 Metern alles erreichen kann, was ihm lieb und teuer ist: Seine Familie, seine Freunde, seine Kneipe und sein Büro.

Der Astronaut auf dem Traktor

Astronaut auf einem Acker

Der Astronaut auf seinen Acker: Kai Anke.

Auch Kai Anke bleibt lieber zu Hause in Harsewinkel. Manchmal fragt er sich, ob er ein Astronaut ist, der auf dem Traktor sitzt oder ein Landwirt, der in einem Raumschiff arbeitet. Technik und Landwirtschaft sind für den Testingenieur, der beim Landmaschinenhersteller Claas angestellt ist, kein Widerspruch. Schon als Kind fuhr er gerne auf dem Hof seines Großvaters Trecker und tüftelte bald daran, wie man den Trecker besser machen könnte. Seine neueste Entwicklung ist die maßgeschneiderte Abgabe von Düngemitteln mittels Sensoren. Klar, dass sein Bauernhof der modernste im ganzen Land ist.

Das Münsterland und die Rettung der Meere

Anja Minhorst will die Welt retten, jedenfalls die der Meere und zwar vor noch mehr Plastik. Das kleine Problem dabei: sie sitzt mitten im Münsterland, von hier aus betrachtet sind die Weltmeere ziemlich weit weg. Aber wenn sich eine Westfälin erst mal was in den Kopf gesetzt hat, dann gibt es keine Hindernisse. Und so hat die Meeresbiologin Anja Minhorst ihren eigenen Weg gesucht, und der fängt vor der eigenen Haustür an. In ihrem Lebensmittelladen "Natürlich unverpackt" verzichtet sie auf jede Form der Verpackung. Supermarktbesitzerin ist sie jetzt, bei der sogar die "Großen" vorbeischauen, um zu schauen, was man ändern kann und ganz nebenbei erklärt sie dann ihre Ideen zur Rettung der Meere.

Eine Fau vor Regalen im Geschäft

Verzicht auf Verpackungen: Anja Minhorst in ihrem Laden "Natürlich unverpackt" in Münster.

Ein Museum für Herford

Wohin mit dem Geschäftsbesuch, der regelmäßig aus dem Ausland kommt? Immer mehr Kneipen waren geschlossen und auch sonst hatte Herford nicht mehr viel zu bieten. Aber dann kam der Abend, des Heiner Wemhöner. Sein Coup, er engagierte einen der erfolgreichsten Architekten der Welt, der tatsächlich zusagte, mal nicht für New York, Chicago oder Düsseldorf, sondern für das 80.000 Seelenstädtchen Herford eines der modernsten Museen des Landes zu entwerfen. Das MARTa, sagt Heiner Wemhöner hat für die Möbelbauer und für Herford alles verändert. Jetzt kommen nicht nur Geschäftsfreunde, sondern jedes Jahr 60.000 Besucher nach Herford, denn das MARTa, das muss man gesehen haben.

Heiner Wemhöner vor dem Museum MARTa

Herford: Heiner Wemhöner vor dem Museum MARTa.

Und Wemhöner selbst produziert Maschinen u.a. für die vielen Küchenbauer vor Ort. Schwere Zeiten des Unternehmens, die es auch gab, hat er gemeistert. Heute ist er wieder weltklasse.

Ein Film von Eva Schötteldreier
Redaktion: Barbara Schmitz und Adrian Lehnigk

Stand: 18.05.2017, 11:09

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