Konrad Adenauer – seine fünf Leben

Konrad Adenauer – seine fünf Leben

"Der Alte ist tot" – Diese Nachricht verbreitete sich vor 50 Jahren, am 19. April 1967, wie ein Lauffeuer. Konrad Adenauer starb mit 91 Jahren, doch den Menschen in Deutschland schien er unsterblich. Als junger Mann überlebte Adenauer schwer verletzt einen Verkehrsunfall, Jahre danach stand er auf einer Deportationsliste der Nazis und wieder einige Jahre später entkam Adenauer als Bundeskanzler einem Bombenattentat israelischer Protestgruppen.

Aus jedem neuen Leben sog er neue Kraft. Noch mit 73 Jahren ließ er sich zum ersten deutschen Bundeskanzler wählen und prägte vierzehn Jahre lang die Politik der jungen Republik. Mit seinem Leitsatz der Westintegration hat er die politische Richtung vorgegeben. Als er mit 91 Jahren in seinem Haus in Rhöndorf am Rhein an den Folgen einer Lungenentzündung stirbt, hat er schon fünf Jahrzehnte politisches Strippenziehen hinter sich.

Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer in der Menschenmenge

"Vive l'Europe unie" - Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer in der Menschenmenge. (1962)

Oberbürgermeister von Köln

1917 wird Adenauer jüngster Oberbürgermeister von Köln und macht die Stadt zur Metropole. Messe, Flughafen, Universität, Stadion, Hafen, Autobahn... Nie wieder hat jemand mit so vielen Großprojekten in so kurzer Zeit das Stadtbild verändert. Allein mit dem Grüngürtel setzt sich Adenauer ein Denkmal, für das ihn die Kölner noch heute lieben.

Von den Nazis wird er 1933 aus dem Rathaus gejagt und seines Amtes als Oberbürgermeister enthoben. Adenauer muss fliehen, wechselt mehrfach den Wohnort und baut sich schließlich in Rhöndorf einen goldenen Käfig. Obwohl er kein Widerstandskämpfer ist, wird er 1944 verhaftet. Adenauer fürchtet um sein Leben.

Konrad Adenauer auf einem Familienfoto mit zahlreichen Verwandten

Die Adenauers sind ein richtiger Clan: Dies wird besonders an Großereignissen, wie zum 90. Geburtstag des Altbundeskanzler Konrad Adenauer deutlich.

Erster Bundeskanzler der neuen Republik

Mit dem Ende des zweiten Weltkriegs beginnt Adenauers zweite Karriere. Er wird der erste Bundeskanzler Deutschlands und führt das geächtete Land in 14-jähriger Regentschaft zurück in die internationale Gemeinschaft. Immer davon überzeugt, das nur er das gestalten könne. So wird er Kanzler und Außenminister in Personalunion. Er schafft die Aussöhnung mit Frankreich und Israel ebenso wie die Anbindung an die westliche Verteidigungsgemeinschaft.

Zurück in die Heimat

Adenauer im Gespräch mit Heimkehrern

Durchgangslager Friedland, Niedersachsen, 1954: Adenauer im Gespräch mit Heimkehrern nach ihrer Freilassung aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft.

Sein größter Erfolg jedoch ist die Heimholung der letzten 10.000 Kriegsgefangenen aus russischen Lagern – zehn Jahre nach Kriegsende. Mit diesem Willen fliegt er 1955 - in der heißen Phase des kalten Krieges – nach Moskau. In tagelangen Verhandlungen, in denen sich die Verhandlungspartner drohen und anschreien, gelingt es ihm eine Zusage für die Freilassung der Kriegsgefangenen zu bekommen. Die Menschen danken es ihm mit der absoluten Mehrheit bei der nächsten Wahl.

Kleben an der Macht

Bei der Bundestagswahl 1961 war Adenauer zwar schon Mitte 80, aber er konnte von der Macht nicht lassen. Politikerkollegen hielt Adenauer für unfähig, allen voran seinen möglichen Nachfolger Ludwig Erhard. Zudem sammelte er Informationen über politische Gegner. Wie die 2017 erschienenen Tagebuchaufzeichnungen von Sohn Paul zeigen, prägten Argwohn und Misstrauen Adenauers späte Amtsjahre.

Adenauers letzte Reise

Adenauer stirbt am 19. April in seinem Haus in Rhöndorf. Am 22. April beginnen die größten und teuersten Beisetzungsfeierlichkeiten in der Geschichte der Bundesrepublik. Über mehrere Tage wird der Abschied mit offiziellen Stationen in Bonn, Köln und Rhöndorf begangen – immer unter den Augen der Weltöffentlichkeit, zum ersten Mal auch als Fernseh-Event vor einem Millionenpublikum. Sicherheit für 180 Staatsgäste, perfekte Organisation und eine aufwändige Live-Berichterstattung stellen alle Beteiligten vor große und damals ganz neue Herausforderungen.

Ein Film von Lothar Schröder
Redaktion: Katrin Niemann und Barbara Schmitz

Stand: 19.04.2017, 18:40

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