Heimatabend Siegen - Die Stadt, die sich neu erfindet

Altes Foto Autobahneinweihung

Heimatabend Siegen - Die Stadt, die sich neu erfindet

Eins der harmloseren Vorurteile über Siegen lautet: Die Leute sind mundfaul, die kriegen die Lippen nicht auseinander. Und das stimmt tatsächlich: PR ist nicht ihre Sache. Also haben sich die Siegener ganz still neu erfunden und die Stadt zur einer der aufregendsten Städte Nordrhein-Westfalens gemacht.

Und das, obwohl noch immer ein Spruch wie ein Schwert über der Stadt schwebt: „Was ist schlimmer als verlieren? Siegen!“

Vorurteile und Überraschungen

Polizisten im Porsche.

1968 fuhr die Polizei noch Porsche Targa.

Im „Heimatabend Siegen“ erzählen die Siegener selbst die Geschichte ihrer Stadt – eine Stadt, die Vorurteilen stoisch trotzt und umso mehr Überraschungen zu bieten hat. Dabei war ihr Los oft hart. 1944 trafen die Bombardements der Briten die Stadt besonders schwer, doch der Wiederaufbau ging schnell voran. Ein Angriff ganz anderer Art hat die Stadt ähnlich erschüttert. Es waren Worte, die 1996 Siegen völlig unvorbereitet trafen.

Ein verhängnisvoller Artikel

Siegen

Hanjo Seißler. Nach seinem letzten Besuch 1996 schrieb er ein Fanal für das SZ Magazin. „Was ist schlimmer als verlieren? Siegen!“ und traf die Stadt bis ins Mark. Jetzt kehrt er zum ersten Mal zurück.

Hanjo Seißler konfrontierte in seinem Artikel „Was ist schlimmer als verlieren? Siegen!“ im Magazin der Süddeutschen Zeitung die Stadt seiner Kinderferien mit ihren dunklen Seiten: die kleinkrämerische Streitsucht – dem Nachbarn wird nicht „das Schwarze unter den Nägeln“ gegönnt, die pietistischen Unternehmerfürsten, die alles bestimmen in der Siegener Gesellschaft; die abgehobene Beamtenkaste im Rathaus; und die Stadtsanierung, getragen vor allem von Betonliebhabern und dem Wunsch nach möglichst breiten Straßen.

Es geschieht etwas in Siegen

Metallkrone auf einem Turm

Das Krönchen strahlt noch immer, und inzwischen hat es auch allen Grund dazu.

Nachdem die erste Wut verraucht war, setzten sich die Siegener hin und machten ihre Hausaufgaben. So wie das ihre Art ist: gründlich, ruhig, revolutionär. In der Wirtschaft waren sie oft ganz weit vorne, Weltspitze sogar! Vor über 2000 Jahren mit Erz, dann mit Stahl und noch später mit den ersten Computern. Jetzt wollen sie auch etwas für ihre Stadt tun. Mit langem Atem – und mit Erfolg. Die Uni zieht 2016 in ein Schloss in der Altstadt. Die alptraumhafte Siegplatte wird abgerissen, der Fluss darf wieder in sein Bett und durch die Innenstadt fließen. Schwerreiche Unternehmer werden zu Mäzenen und geben Millionen für neue Museen und Theater. Und man darf gespannt sein: Der Umbau geht weiter, mit Macht und Geld.

Ein neues Bild der alten Stadt

Siegen

Die Siegener Altstadt mit Nikolaikirche, Blick vom Kreishaus

Und jetzt kommt auch noch Hanjo Seißler zum ersten Mal wieder nach Siegen - für den „Heimatabend“. Nicht nur er macht sich ein neues Bild von der alten Stadt. Schriftsteller und Orientalist Navid Kermani erinnert sich an die Kindheit in seiner Geburtsstadt. Und es gibt noch viel mehr zu erzählen: Vom TSV Siegen, über Jahre praktisch der FC Bayern des Frauenfußballs. Von Wünschelrutengängern auf der Suche nach defekten Wasserrohren und vom ersten Parkhaus der Republik mit einem Aufzug für die Autos.

Ganz persönliche Erinnerungen

Steffen Mues

Aus Beton wird grün. Bürgermeister Steffen Mues vor der abgerissenen Siegplatte. Der Fluss kommt zurück in die Stadt.

„Heimatabend Siegen“ – eine berührende Dokumentation mit zum Teil noch unveröffentlichtem Archivmaterial und Amateuraufnahmen, gesprochen von der Siegener Kabarettistin Christa Weigand. Ein historisches Stadtportrait mit Detlef Wetzel, Navid Kermani, Gudrun Winkler, Steffen Mues, Klaus Vetter, Susi Sözen, Dieter Pfau, Sarah Mauer, Magnus Reitschuster und Hanjo Seißler.

Ein Film von Clemens Gersch und Michael Wieseler
Sprecherin: Christa Weigand
Redaktion: Adrian Lehnigk und Tina Srowig

Stand: 31.10.2014, 09:21

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