Doc Esser: Gesund ohne Arzt – wie gut sind rezeptfreie Medikamente?

Doc Esser: Gesund ohne Arzt – wie gut sind rezeptfreie Medikamente?

Ob für den Kopf, den Bauch oder einfach nur für das Wohlbefinden – die Deutschen nehmen rund 1250 Tabletten pro Jahr ein. Immer öfter greifen Verbraucher zu freiverkäufliche Medikamenten und therapieren sich selber. Wie wirksam ist eine solche Selbstmedikation und welche Risiken sind damit verbunden?

Ibuprofen, Paracetamol und Co. – Wie gefährlich sind freiverkäufliche Schmerzmittel?

Das Bild zeigt vier unterschiedliche Schmerzmittelpreparate in einem Apothekenregal.

Bei akuten Schmerzen greifen wir gerne zu schnell wirksamen Medikamenten, wie Paracetamol oder Ibuprofen. Man kann sie in der Apotheke kaufen und starke Nebenwirkungen treten auch nicht auf - oder? Die Beipackzettel bei freiverkäuflichen Schmerzmitteln werden meist sehr ungenau oder gar nicht mehr gelesen. Dabei können gerade hier durch falsche Anwendung starke Nebenwirkungen auftreten, die unter Umständen auch lebensgefährlich für Patienten sein können. 

Vom Medikamentencocktail zu seinen Wechselwirkungen

Auch wenn einige Medikamente bedenkenlos eingenommen werden können, kann das Kombinieren von verschiedenen Wirkstoffen schwerwiegende Folgen haben. Besonders vermeiden sollten Sie die Einnahme von rezeptpflichtigen und –freien Arzneimittel. Die Kombination von Blutverdünnern und Johanniskraut beispielsweise ist besonders gefährlich!

Aber auch normale Lebensmittel, wie Milch, können Sie nicht bedenkenlos mit jedem Medikament zeitgleich aufnehmen. Die Milch kann unter anderem die Wirkung von Antibiotika schwächen oder sogar unterdrücken. 

Das Bild zeigt lauter unterschiedliche Medikamente auf einem weißen Untergrund.

Wenn Sie sich bei Wechselwirkungen von Medikamenten unsicher sind, sollten Sie im Zweifelsfall immer mit einem Arzt oder Apotheker sprechen. Zudem unterstützt seit Oktober 2016 der Medikationsplan die Verbraucher bei der richtigen Einnahme von Medikamenten. Der Medikationsplan soll möglichst sämtliche verschreibungspflichtige Arzneimittel enthalten, die der Patient einnimmt, sowie alle Präparate, die er selbst noch zusätzlich in Apotheken und Drogerien kauft. Hier werden unter anderem Wirkstoff, Dosierung und der Einnahmegrund aufgeführt, sodass Arzt und Apotheker eine Übersicht über die Medikation des Patienten bekommen. Voraussetzung für einen Medikationsplan ist die Anwendung von mindestens drei systemisch wirkenden Arzneimittel über einen Zeitraum von mindestens 28 Tagen.

Tipps bei Schlafstörungen

Schlafmitteln zählen auf dem freiverkäuflichen Markt mit zu den am meisten verkauften Arzneimitteln. Statt Tabletten zu schlucken, versuchen Sie es doch mal mit folgenden Tipps vom Experten:

  • Verzichten Sie auf den Mittagsschlaf.
  • Ein kleiner Spaziergang an der frischen Luft vor dem Zubettgehen wirkt Wunder.
  • Eine Tasse Tee trinken.
  • Eine Stunde vor dem Zubettgehen kein Fernsehen, Tablet oder Handy mehr. Zum einen kann der Inhalt der Sendung uns noch aufregen. Zum anderen macht der hohe Blaulichtanteil in LED-Bildschirmen  unser Gehirn nicht müde, sondern wach.

Der Hustenmittel-Test

Ein weiterer Dauerbestseller bei den rezeptfreien Medikamenten sind Hustenmittel. Doch wirken die chemischen Hustenlöser besser als Omas Hausmittelchen? Doc Esser will es wissen und macht den Test: Topseller ACC gegen Hausmittel (Milch mit Honig und Zwiebelsirup) und keine Behandlung (Tee trinken und Ruhe). Die Testpersonen Anna, Katharina und Judith probieren jeweils ein Mittel für drei Tage.

Am vierten Tag bei der Abschlussuntersuchung ging es allen drei Hustenpatienten deutlich besser. Egal ob mit oder ohne Medikament: bei allen drei Varianten haben die Testerinnen viel Flüssigkeit zu sich genommen und gehen mit freier Lunge aus dem Experiment. Auch Doc Esser empfiehlt viel zu trinken und Ruhe, damit Sie sich schnell wieder von Ihrem Husten erholen.

Rezept für Zwiebelsirup:

  • 1 bis 2 Zwiebeln schälen und würfeln, in ein sauberes Marmeladenglas geben, ca. 2 EL Zucker dazu, das Glas fest verschließen, schütteln.
  • Nach etwa 2 Stunden bildet sich süßer Zwiebelsirup.
  • Dosierung für Erwachsene: Dreimal täglich zwei Esslöffel trinken
Das Bild zeigt wie Zwiebelsirup hergestellt wird.

Nahrungsergänzungsmittel – die neuen „Hausmittel“?

Jeder dritte Deutsche nimmt sie: Vitaminpräparate. Ob Magnesium, Eisen oder Vitamin C: Alles Stoffe, die unserem Körper gut tun sollen und einfach im Supermarkt oder Drogeriemarkt zu kaufen sind. Aber eine Überdosis kann große Risiken mit sich bringen. Dabei können Sie auch ohne Präparate auf Ihren täglichen Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen kommen:

  • Rote Paprika ist eine wahre Vitamin C-Bombe. Schon 100 g reichen aus, um Ihren Tagesbedarf zu decken.
  • Auch 100 g Räucherlachs (Vitamin B12), Möhren (Vitamin A) und Kürbiskerne (Magnesium) liefern die ausreichende Menge für einen gesunden Tag.
  • Wer auf seine Eisentablette verzichten möchte, kann seiner Mahlzeit einfach 10 g getrocknete Petersilie hinzufügen.
  • Und auch Champignons (Vitamin D), Mandeln (Kalium) und Appenzeller (Calcium) können die Vitaminpräparate in den Schatten stellen.

Im Zweifel, wenn Sie vermuten, dass Sie an einer Mangelerscheinung leiden, dann lassen Sie sich beim Arzt untersuchen. Nur er kann entscheiden, ob Vitamine durch Präparate zugeführt werden müssen.

Schwerpunkt: Risiken und Nebenwirkungen in der Hausapotheke

Viele Medikamente in einer Hausapotheke

Was gehört eigentlich in die Hausapotheke? Längst nicht alles, was rezeptfrei zu kaufen ist, sagen Experten. Wo Risiken liegen und wie man kleine Beschwerden bedenkenlos selbst behandeln kann, zeigen die Beiträge auf dieser Übersicht.

Stand: 02.02.2017, 10:07

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