Wenig Bewegung im Kampf gegen moderne Sklaverei

Kinderarbeit

Wenig Bewegung im Kampf gegen moderne Sklaverei

Rund 40 Millionen Menschen sind Opfer von Sklaverei. Zudem müssen 152 Millionen Mädchen und Jungen Kinderarbeit verrichten. Das geht aus aktuellen UN-Berichten hervor.

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) und die Internationale Organisation für Migration (IOM) haben die neuesten Zahlen Mitte September im Vorfeld der UN-Vollversammlung vorgestellt. Erstmals haben ILO und IOM gemeinsam mit der privaten "Walk Free Foundation" die Situation in über 105 Ländern ausgewertet. Die Organisation interviewten zudem mehr als 71.000 Menschen.

Was versteht man heute unter Sklaverei?

Unter dem Begriff der modernen Sklaverei verstehen die Experten eine Situation, in der die betroffenen Menschen gegen ihren Willen ausgebeutet oder zu einer Ehe gezwungen werden. Zudem können sie aus dieser Situation wegen Drohungen, Gewalt, Zwang oder Täuschung nicht entkommen.

Wie weit ist die Sklaverei verbreitet?

Als Hausangestellte, auf Baustellen, in illegalen Fabriken, auf Farmen und Fischerbooten sowie in der Sex-Industrie würden insgesamt fast 25 Millionen Menschen zur Arbeit gezwungen, heißt es in dem Bericht.

Betroffen seien vor allem Frauen und junge Mädchen. Das gelte besonders für Asien und Afrika. 15 Millionen lebten in Zwangsehen, berichteten die Organisationen. Am weitesten verbreitet sei die moderne Sklaverei in Afrika sowie im Asien-Pazifik-Raum.

Sind auch Kinder von Sklaverei betroffen?

Die Hilfsorganisationen haben zudem erhoben, dass mehr als 150 Millionen Kinder Zwangsarbeit leisten müssen. Knapp die Hälfte dieser Kinder setze dabei ihre Sicherheit oder ihre Gesundheit aufs Spiel. 19 Millionen Kinderarbeiter sind den Angaben zufolge jünger als elf Jahre.

Gibt es auch in Deutschland Sklaverei?

Das Bundeskriminalamt veröffentlicht regelmäßig Berichte zur Entwicklung im Bereich des Menschenhandels. Im jüngsten Bericht zeigt sich, dass 364 Ermittlungsverfahren wegen Zwangsprostitution und 19 weitere wegen Ausbeutung der Arbeitskraft abgeschlossen wurden. Insgesamt wurden dabei 470 Opfer ermittelt. Aber: Das BKA geht von einer großen Dunkelziffer aus und vermutet, "dass die tatsächliche Zahl von Menschenhandelsopfern weitaus höher ist."

Wir kann man Sklaverei bekämpfen?

Die Anti-Sklaverei-Organisation International Justice Mission (IJM) nennt vier Schritte, um Menschen aus der Sklaverei zu lösen. Man müsse die Opfer befreien, die Täter überführen und die Betroffenen stärken, dass sie nicht erneut in eine solche Situation geraten. Schließlich sei es unabdingbar, dass die Rechtssysteme verändert würden.

Jeweils 25 Millionen Dollar aus den USA und Großbritannien

Um Sklaverei bis 2030 im Rahmen der UN-Nachhaltigkeitsziele beenden zu können, sei ein deutlich höheres Engagement der Mitgliedsstaaten erforderlich, appellieren ILO, IOM und Walk Free. Ein globaler Fond soll dazu beitragen. Die USA und Großbritannien haben jeweils 25 Millionen US-Dollar zugesagt. "Wir sind dankbar für die Vorreiterrolle, die Großbritannien und die USA einnehmen, um Sklaverei bis 2030 zu beenden", sagt Dietmar Roller, Vorstandsvorsitzender von IJM Deutschland. "Wir rufen die nächste Bundesregierung dazu auf, die Beendigung der Sklaverei endlich zur Priorität zu machen und ebenfalls 25 Millionen US-Dollar bereitzustellen."

"Was fehlt, ist der politische Wille"

Mit Blick auf die aktuellen Erhebungen ist Jörg Angerstein, Vorstandssprecher von terre des hommes, skeptischer: "Die Zahlen zeigen, dass es keinen nennenswerten Fortschritt im Kampf gegen die Ausbeutung von Kindern gibt. Was fehlt, ist der politische Wille, diese Verpflichtungen auch umzusetzen."

Stand: 04.10.2017, 00:00