Wohnung verzweifelt gesucht - Warum die Mieten explodieren

Wohnung verzweifelt gesucht - Warum die Mieten explodieren

Ein Film von Ulrike Michels

Wohnraum ist Mangelware und preiswerte Wohnungen sind vor allem in den Großstädten und Ballungsräumen immer schwerer zu finden. Die Folge: Familien werden ins Umland gedrängt. Die neue Wohnungsnot hat längst den Mittelstand erreicht.

Alarmierende Zahlen

In Köln, der größten Stadt in NRW, ist die Lage auf dem Wohnungsmarkt besonders dramatisch – und doch ist die Stadt ein Beispiel von vielen. In den vergangenen 5 Jahren sind hier die Kaltmieten bei Neuvermietungen um 36 Prozent gestiegen – von durchschnittlich 9,12 € pro Quadratmeter auf 12,39 Euro. Das können Familien kaum noch bezahlen – die Mietkosten, so eine Faustregel, sollten ein Drittel des Nettogehalts nicht übersteigen.

Familien werden verdrängt

Die Konsequenz: Köln verliert seit Jahren vor allem Menschen im berufstätigen Alter zwischen 30 und 60 Jahren und Familien: Viele von ihnen sind wegen der unbezahlbaren Mieten gezwungen, sich im Kölner Umland nach Wohnraum umzusehen und vergrößern die täglichen Pendlerströme. „Rund tausend Familien verlassen jedes Jahr die Stadt“, beklagt der Kölner Baudezernent Franz-Josef Höing, der seinen schwierigen Job jetzt gekündigt hat. „Eigentlich eine Einwohnerschaft, an der eine Stadt ein Interesse haben muss, dass die dableiben, die ja auch eine Sozialstruktur stabilisieren.“

Vergebliche Suche

Die Beispiele dafür sind zahlreich. Evelyn P. ist alleinerziehende Mutter und würde gern wieder ins Zentrum der Stadt ziehen, um die Fahrzeiten zu ihren zwei Jobs zu verkürzen – dem 2-jährigen Sohn zuliebe. Doch bei der Wohnungsvergabe werden Paare mit doppeltem Einkommen vorgezogen. Familie R. könnte sich sogar eine Wohnung für 1100 € Kaltmiete leisten. Sie sind zu viert und wollen raus aus der sehr beengten Zwei-Zimmer-Wohnung aus Studentenzeiten – doch nicht einmal sie finden etwas Bezahlbares.

Evelyn P. mit ihrem zweijährigen Sohn Max.

Evelyn P. mit ihrem zweijährigen Sohn Max.

Öffentlich geförderte Wohnungen sind Mangelware

Auch Familie K. lebt seit Jahren sehr beengt – zu sechst in drei Zimmern. Sie suchen seit Jahren vergeblich eine bezahlbare größere Wohnung. Sie haben, wie fast die Hälfte aller Kölner, Anspruch auf eine öffentlich geförderte Wohnung – die früher so genannte Sozialwohnung. Doch davon gibt es viel zu wenige – in Köln nur noch 37.600 – statt der mindestens 60.000, die benötigt würden.

Papiertiger Mietpreisbremse

Die „Mietpreisbremse“ der Großen Koalition hat sich erwartbar als weitgehend unwirksam erwiesen: Zu viele Ausnahmeregelungen wurden auf Drängen der CDU und der Immobilienlobby ins Gesetz aufgenommen. Für Neubauten und nach Modernisierung gilt sie nicht, wer vorher schon überhöhte Mieten verlangte, genießt Bestandsschutz. Und wem überhöhte Mietforderungen tatsächlich nachgewiesen werden, bleibt straffrei.

Michaela und Frank R. mit ihren Kindern Zoé und Nea.

Michaela und Frank R. mit ihren Kindern Zoé und Nea.

Hilfe Online

Doch wenn Mieter nachrechnen und die Mietpreisbremse beanspruchen, könnten sie im Durchschnitt 200 Euro monatlich einsparen. Das hat die Online-Plattform wenigermiete.de herausgefunden. 70 Prozent der von ihnen ausgewerteten Mieten liegen weit über der ortsüblichen Vergleichsmiete. Mit dem einfachen Online-Rechner des Portals können Mieter in großen Städten herausfinden, ob und wie viel Miete sie zu viel bezahlen. Eine Gebühr verlangen die Betreiber nur, wenn mit ihrer Hilfe die Miete tatsächlich erfolgreich gesenkt wurde.

Auswege

Was ist zu tun? Bauen scheint die einzige Lösung, das Dilemma zu beseitigen. Doch das ist ein langwieriger Prozess, Grundstücke fehlen und sind überteuert, die Bauvorschriften sind kompliziert, Anträge brauchen zu lange. Der Kölner Baudezernent jedenfalls hat das Handtuch geworfen und den Job gekündigt. Die neue Landesregierung in NRW bleibt einstweilen die Antwort auf die Frage schuldig, womit sie die Preisspirale bei den Mieten bremsen will. Und der verkündeten Verschärfung der Mietpreisbremse durch Bundesjustizminister Heiko Maas sind bislang keine Taten gefolgt.

Autorin: Ulrike Michels
Redaktion: Gudrun Wolter und Angela Jaenke

Stand: 16.08.2017, 14:08

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17 Kommentare

Neuester Kommentar von "Peer Gynt", 21.08.2017, 13:29 Uhr:

Alle wollen sie im Zentrum wohnen, aber nix dafür bezahlen... Und dann nach dem Staat rufen, wie ein Kind das seinen Lolli nicht kriegt. Lächerlich.

Kommentar von "ART", 17.08.2017, 20:17 Uhr:

Schön, aber - und das ist meine Kritik - zu spät. All die Missstände existieren seit vielen Jahren. Wo waren die Medien, als fast jede Großstadt ihr "Silber verscherbelte", also kommunalen Wohnungsbesitz verkauften? Als selbst gleich mehrfach Betroffener habe ich an Zeitungen und Sender geschrieben, auch mit Politikern vor zwei Landtagswahlen diskutiert. Letztere gaben Wahlversprechen, die sie nicht einhielten, erstere erklärten, es würde kein öffentliches Interesse an diesen Themen existieren. Dabei gibt es noch mehr Aspekte rund um die Wohnungsnot, die in der Reportage nicht erwähnt wurden. Man schaue auf den ersten Kommentar hier, nur Geschwafel von Mietnomaden und enteigneten Besitzern; dass dies nur Ausnahmen sind, wird ignoriert, weil - vor allem natürlich die Bild - Medien über diese Auswüchse berichteten. Der Einfluss nicht kontrollierter Datenbanken ist ebenfalls eine zu erwähnende Fragwürdigkeit. Also, mir bleibt jedes Mal die Luft weg, wenn heute ein Medium überrascht tut!

Kommentar von "Christian", 17.08.2017, 13:21 Uhr:

Der Bericht bemängelt die geringe Zahl von öffentlich geförderten Wohnungen in Köln und polemisiert gleichzeitig gegen eine Immobiliengesellschaft, welche 24 öffentlich geförderte Wohnungen errichten will... Verstehen muss man das nicht

Kommentar von "Birgit Bossbach", 17.08.2017, 12:23 Uhr:

Gerade die Mietpreisbremse treibt die Mieten hoch. Eigentlich zwingt sie mich als Kleinvermieterin, regelmäßig die Miete zu erhöhen, damit ich nicht ganz doof dastehe, falls einer meiner zufriedenen Mieter denn doch einmal wegziehen muss, zum Beispiel aus beruflichen Gründen. Das will ich überhaupt nicht, möchte aber trotzdem bei Auszug die Miete marktgerecht anpassen.

Kommentar von "Martin", 17.08.2017, 05:44 Uhr:

Sorry, aber vor allem an Herren wie J. Wulf ( anderer Kommentar ) ! Wann hören Leute wie Sie eigentlich auf, mit Ihren Standart Stammtisch Mist rumzuschwadronieren! Denn diese Dauerleier, welche schon Lächerlich ist, beißen Sie sich seit Jahren Fest. Das es niemand mehr glaubt! Es ist nur noch eine Dumme Ausrede, welche mal Geldgierige Markler rauf und runter Gebetet haben, wie auch Klischee Fernsehen. De Fakto ist doch, das IHR gewünschter Mieter ein Winziger Traum ist. Köln Zentrum, nur interesse AN Studenten, wo Eltern den Kopf herhalten. Personen, welche in mindestens 20 Jahren niemals einen Finanz Fehler haben und damit nix in der Schufa. UND Personen welche IHNEN Dicke Gehaltsnachweise um die Ohren Wedeln. Alles andere sind ja IMMER Mietnomaden... Faulenzer.... " Öffentlich Finanzierte " bekommen sowieso sofort ne Absage, spätestens in der ersten Antwort. Oder sogar in der Anzeige. " H4 und co nicht erwünscht" Seit JAHREN!

Kommentar von "Jürgen U.", 16.08.2017, 23:11 Uhr:

Ein sehr guter Beitrag. Ich als privater Kleininvestor kann nur aus meiner, mikroökonomischen Position heraus darlegen, wie sich die Situation aus dem Blickwinkel des Investors darstellt. Wir gabe ich den vergangenen Jahren zwei Bauvorhaben für insgesamt ca. 10 Wohnungen in Hürth bei Köln geschaffen. Die Bearbeitungszeiten beim Hürther Bauordnungsamt lage hier bei einer reinen Nutzungsänderung also einer umwandlung einer Gewerbefläche hin zum Wohnraum jeweils bei knapp einem Jahr in dem wir natürlich bereits den Kaputaldienst unserer Bank bedienen mussten. Sollche unsäglich langen Bearbeitungszeiten gepart mit oft willkürlich erscheinenden ermessens entscheidungen der Sachbearbeiter haben uns fast in den Rouin getrieben. Es steht außerfrage, das Dinge wie Brandschutz, Standsicherheit, etc. essenziell sind. Es sollte aner versucht werden die Investoren wo es geht zu unterstützen, da es ansonsten sehr schwer wird das erklärte Ziel der Schaffung neuer Wohnungen zu erreichen

Kommentar von "Neumann", 16.08.2017, 22:31 Uhr:

Die meisten Flüchtlinge sind jetzt in Wohungen untergbracht. Es war also absehbar, dass preiswerte Wohnungen knapp werden. Was hat die Bundesregierung, die Politik, dagegen gemacht? Nichts.

Kommentar von "Andy", 16.08.2017, 21:02 Uhr:

Verkehrte Welt in Deutschland. In Ostdeutschland gibt es mehr als 200.000 leerstehende Wohnungen bei Mietpreisen von ca. 4 €/qm. Wir nehmen aus dem Osten Flüchtlingen auf, wobei der Osten die Gelder für die Flüchtlingshilfe behalten. Unsere Landesregierung, ob alt oder neu, ist nicht in der Lage, dagegen zu steuern.

Kommentar von "Ubertino da Casale", 16.08.2017, 18:46 Uhr:

Auch wir werden in der Zukunft nicht mehr vermieten, da man als Vermieter heute ganz schlechte Karten hat. Da helfen auch eine Schufa-Auskunft oder andere Auskünfte nicht viel weiter. Nachdem wir nun zwei Jahre gebraucht haben, wieder über unser Eigentum verfügen zu können, denn so lange hat die Klage vor Gericht gedauert, ist nun Schluß. Die Wohnung wird wieder ein Familienmitglied nutzen. Im übrigen ist Wohnraum in ausreichender Menge vorhanden. Leider glauben nun alle, mitten in der Stadt wohnen zu müssen, und im weiteren Umland ist genügend Leerstand zu erschwinglichen Preisen.

Kommentar von "Vermieter", 16.08.2017, 17:37 Uhr:

Dem Kommentar von Jens Wulf stimme ich zu 100% zu. Zahlt ein Mieter seine Miete nicht, beginnt ein langwieriger Prozess, der außer Nerven auch viel Geld kostet. Das man selbst einen Kredit bei der Bank abzutragen hat, interessiert hierbei nicht. Ist die Wohnung dann verdreckt und beschädigt, bleibt man meist auch auf den Kosten hängen. Der Mieter ist per se der "Arme" und Vermieter Kapitalisten. So bekommt man keine neuen Vermieter.

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