Wenn Hass an die Haustür klopft – Wie Rechtsextreme Bürger einschüchtern

Wenn Hass an die Haustür klopft – Wie Rechtsextreme Bürger einschüchtern

Ein Film von Wolfgang Minder und Fritz Sprengart

In Remscheid hilft die 74-jährige Rentnerin Doris Werheid Flüchtlingen ehrenamtlich beim Deutschlernen. Doch dann werden die Scheiben ihres Autos eingeschlagen und der Lack mehrmals zerkratzt. In der Caritas-Station ihres Heimatortes werden Fensterscheiben eingeworfen – vier Mal allein im letzten Jahr.

Und es werden Parolen an Hauswände gesprüht: „Nigger raus“, „Terrorhelfer“ und „Volksverräter“. In den vergangenen anderthalb Jahren gab es über 70 solcher Taten in Remscheid und Umgebung, und es hört nicht auf. Die Polizei geht davon aus, dass die Täter aus der rechten Szene stammen.

 Doris Werheit

Doris Werheit engagiert sich für Flüchtlinge. Ihr Auto wurde deshalb demoliert.

Der evangelische Pfarrer Charles Cervigne aus Aldenhoven im Kreis Düren kennt das auch: Mehrmals werden die Fenster seiner Kirche eingeschlagen, die Reifen des Gemeindebusses plattgestochen. Schließlich droht ihm jemand wegen seiner Flüchtlingsarbeit auf Facebook Prügel an. Dann klingelt es an seiner Tür, und er wird von Unbekannten attackiert.

Charly Cervigne

Charly Cervigne, evangelischer Pfarrer in Aldenhoven

Längst sind die Hemmschwellen gefallen. Das Bundeskriminalamt verzeichnet im Jahr 2016 weit über 800 Übergriffe gegen Amts- und Mandatsträger. Wer sich ehrenamtlich engagiert, ist in Gefahr. Mehr als 70 Prozent der Fälle von Bedrohung, Sachbeschädigung und Gewalttaten gehen in NRW auf das Konto von Rechtsextremen. Die Aufklärungsquote solcher Taten ist gering.

Auch ehrenamtliche Politiker wie die junge SPD-Vorsitzende Wiebke Esdar aus Bielefeld oder die Ratsfrau der Linken Angelika Kraft-Dlangmandla fühlen sich terrorisiert. Rechte ermuntern andere auf Facebook, deren Wohnort zu ermitteln oder organisieren im Fall der Linken-Politikerin spontane Versammlungen vor der Haustür. Dabei nutzen die Akteure den Schutz der Anonymität oder dosieren ihre Aktionen so geschickt, dass eine Strafbarkeit nur sehr schwer nachzuweisen ist.

Wiebke Esdar

Wiebke Esdar (links), SPD-Politikerin, engagiert sich gegen Rechts.

Die Story erzählt, wie Rechte versuchen, ein Klima der Angst zu erzeugen und wie sich Bürger dagegen wehren. Schaffen es die Rechten, ehrenamtliches Engagement zu verhindern?

Autoren: Wolfgang Minder und Fritz Sprengart
Redaktion: Anna Herbst

Stand: 09.03.2017, 14:17

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22 Kommentare

Neuester Kommentar von "JungeDeutsche", 25.04.2017, 20:34 Uhr:

Ich hoffe, der Herr Tiona hat sich unmittelbar danach in eine Volksschule begeben, um sich für einen Deutschkurs anzumelden. Falls er das Geld dafür nicht hat, soll er sich schleunigst eine Arbeit suchen oder beim Jobcenter die finanzielle Unterstützung eines solchen Kurses beantragen.

Kommentar von "Thomas Tiona", 20.04.2017, 14:01 Uhr:

Nach dem ich dieses Video gesehen habe, bin am nächsten Tag direkt zum Amtsgericht gefahren und habe mich dort von der Kirche abgemeldet!

Kommentar von "Jutta M.", 12.04.2017, 11:59 Uhr:

"Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen"? Dann packt endlich eure Sachen, Neonazis! Wer soviel Hass im Herzen trägt, sollte das Wort Liebe nicht mal in den Mund nehmen dürfen.

Kommentar von "Char Aznable", 11.04.2017, 16:57 Uhr:

@Paul Schmidt: Kirchenasyl ist kein Asylmissbrauch und muss deswegen auch nicht verhindert und bestraft werden. Und wenn einige "Bürger" zu "unappetitlichen Protestformen" greifen, darf man sich sehr wohl darüber beschweren und dagegen protestieren, das ist immerhin ein Grundrecht in diesem Land.

Kommentar von "Hugo Pofalla", 11.04.2017, 10:31 Uhr:

Etwas Lektüre, um mögliche Beweggründe besser einschätzen zu können. ( Was keine Entschuldigung ist, aber alles hat zwei Seiten): http://www.rp-online.de/nrw/panorama/camperin-in-bonn-vergewaltigt-verdaechtiger-erhielt-kurz-vor-der-tat-abschiebebescheid-aid-1.6748571

Kommentar von "Paul Schmidt", 07.04.2017, 11:54 Uhr:

Kirchenasyl ist ja Asylmissbrauch und den gilt es endlich zu verhindern und zu bestrafen. Die Kirchen nehmen sich hier das Recht heraus, gegen die Gesetze und den Rechtsstaat zu verstoßen, das ist ein Skandal und führt dann eben auch zu den unappetitlichen Protestformen von Bürgern, die hier im Beitrag angeprangert werden. Wer das Recht nicht respektiert, darf sich dann nicht beschweren.

Kommentar von "Andreas K.", 07.04.2017, 09:47 Uhr:

Wenn ich mir hier die Kommentare durchlese, muss ich wieder mal erschrecken. Viele der Kommentatoren symphatisiert mit der rechten Gewalt, verharmlost diese Schreckenstaten oder fordert eine Gegenüberstellung mit sog. linker Gewalt. --- Es ist und bleibt so: die Bevölkerung und auch die Politik ist auf dem rechten Auge blinder als auf dem linken. --- Und: linke Gewalt richtet sich im Kern zumeist "nach oben". Rechte Gewalt zumeist gegen "die da unten". Randgruppen und Minderheiten kriegen ihr Fett weg. Nach unten treten, und nach oben buckeln. Das können die rechten Gesellen.

Kommentar von "S HEidemann", 07.04.2017, 08:43 Uhr:

Einseitiger und ideologisch geprägte Reportage. Was ist mit Gewalt von Links gegen andersdenkende Was ist mit Gewalt von Migranten / Flüchtlingen gegen andersdenkende etc. (siehe Lokalpresse was so los ist in .de)? MfG SH

Kommentar von "Ska", 07.04.2017, 08:31 Uhr:

Für alle, die sich hier über die "70 %" aufregen: Lesen, lesen, lesen! Dann merkt ihr vielleicht, dass die Behauptung, die ihr den Autoren als Fake-News unterstellt, im Text garnicht aufgestellt wird. Nur mal so als Tipp...

Kommentar von "Marina Heckmann", 06.04.2017, 23:20 Uhr:

Die "Rechten, NPD-Anhänger etc. etc." sind die feigsten Bürger Deutschlands aus der aller untersten Schublade. Vermummte Gestalten mit Kapuzen und Hatebook Anonymität..... Ehrenamtliche Bürger zu terrorisieren, zu bedrohen, zu beleidigen oder bei ihnen Angst zu erzeugen.....Diese Bürger haben weder Anstand, Moral, Gewissen noch Solidarität. Selbst einer "74-jährigen Rentnerin" zollt man keinen Respekt..... Übrigens, bitte richtig lesen. Die 70% beziehen sich auf 800 Übergriffe auf Amts-und Mandatsträger, in NRW.....

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