Vom Kindersoldaten zum Söldner - Weil sie wissen, wie man tötet

Private Militärfirmen rekrutieren Söldner aus Uganda und Sierra Leone für die US-Armee, viele von ihnen sind ehemalige Kindersoldaten.

Vom Kindersoldaten zum Söldner - Weil sie wissen, wie man tötet

Ein Film von Mads Ellesøe

Bockarie Marrah wurde von den Rebellen des Bürgerkriegs in Sierra Leone gekidnappt, seine Eltern vor seinen Augen abgeschlachtet. Nach dem Bürgerkrieg versuchte man den Kindersoldaten in einem Camp zu helfen. Doch dann kommen Rekruten privater Sicherheitsfirmen und bieten ihnen Jobs an – für einen Hungerlohn.

Sie sind jung, sie können kämpfen, schießen und töten. Als Kindersoldaten in Uganda und Sierra Leone haben sie genau das gelernt. Jetzt werden sie von Unternehmen in Europa angestellt, die genau diese Fähigkeiten suchen, weil sie mit dem Krieg Geld verdienen, im Irak, in Afghanistan und in anderen Kriegen dieser Welt.

Als ehemaliger Kindersoldat wurde Bockarie Marrah von einer privaten Sicherheitsfirma angeheuert.

Als ehemaliger Kindersoldat wurde Bockarie Marrah von einer privaten Sicherheitsfirma angeheuert.

Bockarie Marrah ist einer von ihnen. Er wurde von den Rebellen des Bürgerkriegs in Sierra Leone gekidnappt, seine Eltern vor seinen Augen abgeschlachtet. Dabei hatte er noch Glück, andere Kinder wurden gezwungen, ihre Eltern selbst zu töten. Nach dem Bürgerkrieg wurde Bockarie Marrah in ein Camp gebracht, in dem man versuchte, den Kindersoldaten zu helfen. Mit internationalem Geld wurden Programme entwickelt, die sie lehren sollten, ihre Erlebnisse zu verkraften, nicht mehr zu töten, wieder Gefühle zu haben.

Doch dann kommen Rekruten privater Sicherheitsfirmen und bieten den Kindern und Jugendlichen Jobs als Soldaten, als Wachpersonal und als Servicekräfte an – für einen Hungerlohn. Und weil es in ihren Ländern keine Arbeit gibt, lassen sich die ehemaligen Kindersoldaten wieder anheuern, müssen wieder zu den Waffen greifen.

Mohamed Jalloh ist 13 Jahre alt, als die Rebellen seine Eltern vor seinen Augen töten. Anschließend zwingen sie ihn, für sie zu kämpfen.

Mohamed Jalloh ist 13 Jahre alt, als die Rebellen seine Eltern vor seinen Augen töten. Anschließend zwingen sie ihn, für sie zu kämpfen.

Den Firmen nutzen ehemalige, traumatisierte Kindersoldaten, weil sie billig sind und keine Skrupel haben, zu töten. Früher waren es vor allem amerikanische Sicherheitsunternehmen, die Personal für Kriege rekrutierten. Heute befindet sich eines der größten Unternehmen in London. Aegis ist eine der führenden Militär- und Sicherheitsfirmen der Welt und gehört seit 2015 zum kanadischen GardaWorld-Konzern. Zu seinen Kunden zählt Aegis nach eigenen Angaben Regierungen, internationale Agenturen und Unternehmen. Für sie wirbt das Unternehmen Söldner an.

Michael Wessells, Psychologie-Professor an der Columbia Universität, hat jahrelang Kindersoldaten behandelt. Er sagt über das Anheuern von ehemaligen Kindersoldaten heute: „Nichts könnte für diese jungen Menschen schlimmer sein. Und nichts könnte schlechter für die Sicherheit sein.“

Autor: Mads Ellesøe
Redaktion: Anna Herbst und Barbara Schmitz

Stand: 20.09.2017, 09:46

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