Illegale Autorennen – Der Kick, der Menschen killt

Illegale Autorennen – Der Kick, der Menschen killt

Ein Film von Mathias Budzinski

Annika S. ist das Opfer eines Rasers. Vor fünf Jahren knallte er in das Taxi, in dem sie gerade saß. Der Täter ist ein Wettrennen gefahren, mitten im Straßenverkehr. Sie und ihre Freundin wurden schwer verletzt. Knochenbrüche, Blasenriss, Wirbelsäule angeknackst – mit Glück überlebten sie, ihre Freundin und der Taxifahrer den Crash.

Lange hat Annika überlegt, ob sie Ihre Geschichte erzählen will. Zu viele Bilder, die dann wieder hoch kommen. „Eigentlich hat sich so ziemlich alles in meinem Leben dadurch verändert“, sagt sie heute. Der Raser wurde damals erwischt. Er bekam sechs Monate auf Bewährung.

Illegale Autorennen

Labrador Balu ist der beste Therapeut von Annika, die im Jahr 2011 einen schweren Raserunfall knapp überlebt hat.

Jetzt wurde in Berlin zum ersten Mal ein Raser wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Ob es dabei bleibt, ist unklar, denn die Anwälte wollen Revision einlegen. Viele andere Raser wurden bisher – wie in Annikas Fall - lediglich mit Bewährungsstrafen oder drei Monaten Führerscheinentzug bestraft.

Illegale Autorennen

Warum werden Raser oft nur zu Bewährungsstrafen und drei Monaten Führerscheinentzug verurteilt? Die Länder NRW und Hessen wollen das mit einem neuen Gesetz ändern. Und auch Bundesverkehrsminister Dobrindt hat nun angekündigt, härter vorzugehen.

Illegale Autorennen

Bei diesem Raserunfall stirbt Gianluca in Köln.

Bei diesem Raserunfall stirbt Gianluca in Köln.

Fritz Schramma verlor seinen Sohn Stephan bei einem illegalen Rennen im Jahr 2001 und erzählt von diesem Trauma.

Trauer in Nadelstichen: So gedenkt eine Mutter ihrer beim Raserunfall umgekommenen Tochter.

Er fährt am liebsten Rennen auf offener Straße – deswegen hält er sich auch bedeckt.

Ausgebremst: Mit stetig wiederkehrenden Kontrollen will die Polizei Raser in der Dortmunder Innenstadt ausbremsen.

Rainer Fuchs leitet die Ermittlungsgruppe „Rennen“ bei der Polizei Köln geht nachts auf Raser-Jagd.

Kräftemessen ohne Fremdgefährdung: Ein legales Rennen in Brilon - auch als Ersatzbefriedigung für Raser.

Denn ein spezielles Raser-Gesetz gibt es in Deutschland immer noch nicht. Dabei gab es im vergangenen Jahr gleich zwei Versuche, dies zu ändern. Die Länder NRW und Hessen haben eine Bundesratsinitiative gestartet und auch Verkehrsminister Alexander Dobrindt hat einen Gesetzentwurf vorgestellt, der härtere Strafen für illegale Autorennen fordert. Doch passiert ist seit dem nichts.

Die Story zeigt was ein Raser-Unfall für die Betroffenen bedeutet und wie sie ein Leben lang mit den Folgen zu tun haben. Und wir fragen: Was hilft wirklich gegen illegale Autorennen? Mehr Kontrollen? Härtere Strafen? Oder legale Ersatz-Rennen?

Autor: Mathias Budzinski
Redaktion: Barbara Schmitz und Anna Herbst

Stand: 06.03.2017, 09:21

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1 Kommentar

Neuester Kommentar von "J. W.", 22.03.2017, 22:37 Uhr:

Ich finde es wirklich sehr bemerkenswert, dass Annika die Kraft hat, über ihr Trauma zu sprechen. Ich finde es einfach sehr makaber, dass die Justiz diese Situationen nicht als Mord bzw. versuchten Mord ansehen. Wir können in Deutschland froh sein, dass wir an ausgewiesenen Stellen doch noch frei fahren dürfen. Hier im Rheinland mehr als genug. A3, A555 oder wenn man Rennen fahren will soll man auf den Nürburgring. Aber andere Menschen gefährden, weil man dumm im Kopf ist, ist das allerletzte. Ich fahre selber gerne mal was schneller, aber auf die Idee zu kommen, ein Rennen im öffentlichen Straßenverkehr zu fahren ist einfach nur DUMM!! Für mich ein No-Go!