Operieren und kassieren – Ein Klinik-Daten-Krimi

Operieren und kassieren – Ein Klinik-Daten-Krimi

Ein Film von Meike Hemschemeier

Auf Grundlage einer aufwendigen Datenanalyse begibt sich der Film auf eine Reise ins Schattenreich der Gesundheitswirtschaft, in der jedes Jahr mehr als 300 Milliarden Euro umgesetzt werden. Er führt in Regionen, wo Patientinnen und Patienten auffällig häufig unters Messer kommen und nichts davon ahnen, dass ihre OP möglicherweise überflüssig und vielleicht sogar schädlich ist.

In Deutschland entscheidet häufig allein der Wohnort darüber, ob ein Patient operiert wird oder nicht. Das ist das Ergebnis einer aufwendigen Recherche im Auftrag des WDR. Ein Journalistenteam hat gemeinsam mit dem Heidelberger Institut für Theoretische Studien (HITS) erstmalig ein Computerprogramm entwickelt und damit die Daten des Statistischen Bundesamtes zu rund 130 Millionen Krankenhausaufenthalten analysiert. Die Auswertung zeigt, wie sehr die ärztliche Behandlung davon abhängt, wo ein Patient lebt und wie profitorientiert ein Krankenhaus ist.

Warum werden in den alten Bundesländern deutlich mehr Kaiserschnitte gemacht als in den neuen? Warum werden erstaunlich viele Kniegelenksprothesen ausgerechnet in Bayern eingebaut, die meisten Füße in einem Landkreis Thüringens amputiert? Warum werden in Osthessen im Vergleich zum Bundesdurchschnitt fast dreimal mehr Menschen am Rücken operiert?

Situation im OP

Bei der Frage, wann es zu einer OP kommt und wann nicht, gibt es in Deutschland extreme regionale Unterschiede.

Auf Grundlage einer aufwendigen Datenanalyse begibt sich der Film auf eine Reise ins Schattenreich der Gesundheitswirtschaft, in der jedes Jahr mehr als 300 Milliarden Euro umgesetzt werden. Er führt in Regionen, wo Patientinnen und Patienten auffällig häufig unters Messer kommen und nichts davon ahnen, dass ihre OP möglicherweise überflüssig und vielleicht sogar schädlich ist. Er seziert mit Hilfe von Insidern die Methoden, wie manche Kliniken massenhaft an Patienten und profitable Operationen kommen.

Das Journalistenteam deckt auf, dass viele Kranke sogar mehrfach operiert werden, obwohl eine Operation ausreichen würde. Das steigert den Profit – und das Risiko von Nebenwirkungen und Komplikationen für die Kranken.

Die Story „Operieren und kassieren" macht deutlich, wie unzureichend das Kontrollsystem von Behörden und Krankenkassen ist: Selbst bei Verdacht auf unnötige und teure OPs gibt es kaum Handlungsmöglichkeiten.

Autorin: Meike Hemschemeier
Redaktion: Britta Windhoff, Ulrike Schweitzer

Stand: 18.10.2017, 11:55

Kommentare zum Thema

Kommentar schreiben

*Pflichtfelder

Die Kommentartexte sind auf 1.000 Zeichen beschränkt!

Sie sind schlauer als Spam-Automaten. Bitte antworten Sie auf folgende Frage:

Welche Zahl kommt nach 1, 2, 3?

Warum stellt der WDR diese Fragen?

7 Kommentare

Neuester Kommentar von "K.H. Mencke", 20.11.2017, 10:27 Uhr:

Gratuliere zu diesem Bericht. Wir haben auch unsere Erfahrungen mit Ärzten gemacht. Ein Augenarzt hatte mir dringend empfohlen, mich wegen Grauen Star operieren zu lassen. Er macht das in eigener Klinik. Komme gerade von einem anderen Augenarzt, der feststellt, dass meine Augen in Ordnung sind. Minimale Anzeichen von Grauen Star, was in meinem Alter ganz normal sei. Eine OP sei nicht notwendig. Vor 25 Jahren hatte ich eine Halsentzündung und ich habe mich mit Händen und Füßen gegen eine Mandelentfernung gewehrt. Meine Frau hat schlechte Erfahrung gemacht. Wegen einer Blasensenkung nach den Geburten wurde ihr dringend eine Total OP empfohlen - eine Katastrophe. Es folgte ein Pfusch nach dem Anderen mit katastrophalen Folgen. Mehrere Wochen Aufenthalt in 4 Kliniken, nun mit einem verstümmelten Unterleib. Dabei wäre eine OP gar nicht notwendig gewesen. Mir geht es offenbar gut, weil ich selten zum Arzt gehe. Mit über 78 brauche ich noch keine Pillen zu schlucken. Eigenverantwortung.

Kommentar von "Bernd Schaefer", 19.11.2017, 13:24 Uhr:

Bei viel Verständnis für den Hintergrund zum Bericht habe ich trotzdem noch eine Frage: Sind bei der statistischen Auswertung auch die 'ortsfremden' Patienten, bspw. anhand ihrer Wohnort-Postleitzahl, berücksichtigt worden?

Kommentar von "RoRo", 15.11.2017, 23:52 Uhr:

Vielen Dank für diese Einblicke !! Diese Reportage gehört ins Hauptprogramm um 20:15 mit mehrmaliger Ankündigung. Sind die Karten über Häufigkeiten von Operationen an Rücken, Knie, usw. die Sie im der Sendung gezeigt haben öffentlich einsehbar? Können Sie ggf einen Link nennen? @Antwort der Redaktion: Ja, hier: http://www1.wdr.de/verbraucher/gesundheit/op-atlas/op-atlas-ueberblick-100.html

Kommentar von "Kerstin Schmitt", 15.11.2017, 23:19 Uhr:

Ich ,als Physiotherapeut beobachte nun schon seit 25 Jahren die Misswirtschaft der Krankenhäuser und Krankenkassen. Dabei gibt es viel, viel neuere, bessere ganzheitliche Therapien. Leider nicht anerkannt. Beispiel Bandscheibenvorfall akut mit nervenlässion: wie in ihrem Beitrag geschildert, Therapieren wir in8-12 Behandlungen ohne Nebenwirkungen,ohne Medikamente,schmerzfrei! Man kann, außer genetisch,bedingte Krankheiten, fast jede Erkrankung ohne Medikamente behandeln, leider will das kein Mensch wissen,weil er nicht aufgeklärt ist, weil wir verdummt werden, es beginnt in der Fernsehwerbung 5 Minuten vor 8. jedes Medikament muss von unseren Organen verarbeitet werden. Bewegung und Sport von kleinsten Füßen an, bewusste Ernährung sind der Schlüssel für Gesundheit . aber in den Schulen wird als erstes am Sportunterricht gestrichen. Es ist ein immenses Thema ,Welches mich täglich begleitet. Man könnte es ändern!! Sind sie an einer guten Story interessiert .lassen Sie es mich wissen

Kommentar von "Kerstin Naumann", 15.11.2017, 23:12 Uhr:

Zunächst - Respekt für Ihre Recherche und die damit verbundene Arbeit. Am Liebsten möchte man das ja alles gar nicht wissen und für mich hab ich schon lange entschieden, ärztlichem Rat mit äußerster Skepsis zu begegnen. Aber meine Mutter (77) ist voll in deren Fängen, und das bewegt mich Ihnen zu schreiben. Die Sendung läuft noch und ich denke mancher Arzt sieht sie und freut sich weil sein Geschäftsfeld nicht genannt wird. Vielleicht können Sie mal zu Augenärzten recherchieren? Thema: Makuladegeneration und damit verbundene Spritzentherapie. Ich bin mir sicher auch hier finden Sie große Unterschiede bundesweit. Ich weiß, dass in manchen Bundesländern davon abgeraten wird. Leider lebt meiner Mutter nicht dort, sondern läßt sich seit Jahren die Augen spritzen. Ich kann nicht alles beschreiben was ich dort erlebe, aber vielleicht recherchieren Sie mal dazu.

Kommentar von "RoRo", 15.11.2017, 23:02 Uhr:

man man man, was soll man also machen wenn es irgendwo zwickt, gleich die Krankenkasse nach einem Arzt fragen bei dem man sich eine zweite Meinung holen kann, der also nicht am Geld hängt?

Kommentar von "Johanna Darka", 15.11.2017, 13:31 Uhr:

Diese Erkenntnisse sind lange allseits bekannt, verstecken sich aber systemimmanent in einem auf Profit getrimmten Gesundheits-Netz, in dem eine objektive, unabhängige Kontrolle fehlt. Selbst „unsere“ Krankenkassen gehörten mittlerweile streng kontrolliert, da sie in ökonomisierter, und nicht in einer den Mitgliedern gegenüber verantwortlichen Weise mit dem Geld umgehen, das ihnen ungebremst durch ihre Mitglieder zufließt. Jedes einzelne Element in diesem verkommenen System scheint irgendwie bodenlos und von jeglicher Humanität weit entfernt. Dabei offenbart sich an den Problemstellen nur, was zwischen Entscheidern und Mächtigen seit mehr als zehn Jahren Stück für Stück umgesetzt und realisiert wurde. Da sie alle von den Reformen, Personalentlassungen und der Menschenverachtung bestens profitieren. Wie also sollte sich daran etwas ändern? Die Deutschen haben all das wie Lämmer hingenommen,jetzt wachen Sie in einem Alptraum auf. Ich hatte diesen schon früh wie meine Webseite zeigt