Mit Kindern Kasse machen - Auslandsmaßnahmen außer Kontrolle

Mit Kindern Kasse machen - Auslandsmaßnahmen außer Kontrolle

Ein Film von Nicole Rosenbach und Naima El Moussaoui

Unsere story "Mit Kindern Kasse machen - Auslandsmaßnahmen außer Kontrolle" wurde für den Fernsehpreis der Kindernothilfe 2016 nominiert.

Hunderte Kinder und Jugendliche werden von deutschen Jugendämtern Jahr für Jahr ins Ausland geschickt, in sogenannte „intensivpädagogische Maßnahmen“. Doch viel zu oft stecken dahinter vor allem die Geschäftsinteressen privater Träger. Denn mit Auslandsmaßnahmen lässt sich viel Geld verdienen: Bis zu 8000,00 Euro zahlen Jugendämter, damit es traumatisierten Kindern, die aus ihren Familien geholt wurden, fernab von Deutschland besser geht.

Doch kontrolliert werden die oft höchst fragwürdigen Maßnahmen durch die Jugendämter kaum. So ist ein lukrativer Markt entstanden, der den privaten Trägern nutzt - und nicht dem Kindeswohl. Und das, obwohl Experten längst die Abschaffung der Auslandsbetreuung fordern, da ihr Erfolg höchst zweifelhaft ist.

Ländliches Grundstück mit Haus in Unganr

Auslandsmaßnahme in Ungarn: Hinter diesen Fenstern lebt ein 11-Jähriger monatelang.

Die WDR-Doku die story zeigt anhand erschreckender Fälle, wie mit deutschen Kindern im Ausland Kasse gemacht wird. Wir stoßen auf einen 11-Jährigen in Ungarn und eine 15-Jährige in Polen, recherchieren und decken auf, wie wenig die Maßnahmen nutzen und wie blind das Vertrauen der Jugendämter in die privaten Träger ist. Wer als Träger anerkannt ist – so scheint es – hat freie Bahn und kontrolliert sich faktisch selbst. Eine der sensibelsten Aufgaben des Staates, die Betreuung von Kindern und Jugendlichen in Not, ist in Deutschland zu einem großen Teil privatisiert.

die story „Mit Kindern Kasse machen – Auslandsmaßnahmen außer Kontrolle“ ist die Fortsetzung unseres Films über die Geschäfte der privaten Jugendhilfeindustrie, der am 23.2.2015 als „Story im Ersten“ in der ARD ausgestrahlt wurde. Damals haben uns zahlreiche Berichte von Insidern erreicht, die unsere Recherchen bestätigten und weitere Beispiele für Geschäfte auf dem Rücken von Kindern lieferten. So konnten wir auch einen Skandal in Gelsenkirchen aufdecken, der die Verantwortlichen zum Handeln zwang: Der Leiter des Jugendamts Gelsenkirchen und sein Stellvertreter wurden suspendiert, weil sie selber Geschäfte mit Auslandsmaßnahmen machen wollten. Unsere neuen Recherchen belegen: Das Geschäftsmodell  „Mit Kindern Kasse machen“ funktioniert nach wie vor, weil das Kontrolldefizit speziell bei Auslandsmaßnahmen groß ist.

Autoren: Nicole Rosenbach und Naima El Moussaoui
Redaktion: Ulrike Schweitzer und Martin Suckow

Stand: 15.08.2016, 12:20