Mensch, Martin - Wie Martin Schulz Kanzler werden will

Mensch, Martin - Wie Martin Schulz Kanzler werden will

Ein Film von Beate Becker, Christiane Meier und Cornelia Kolden

Ein Aufatmen geht durch die SPD seit Martin Schulz ihr Kanzlerkandidat ist. Der ehemalige Präsident des EU-Parlaments gilt als bodenständig und glaubwürdig. Endlich ein Kandidat, der Klartext redet, der sich hochgearbeitet hat und die Sorgen der Menschen versteht, hoffen die Sozialdemokraten. Schon in der ersten Woche als designierter Kanzlerkandidat erreicht er erstaunlich hohe Beliebtheitswerte. Im Deutschlandtrend vom 24.2. liegt die SPD erstmals seit zehn Jahren mit 32% in der Sonntagsfrage vor der CDU/CSU.

Schulz hetzt von Termin zu Termin und will der Basis beweisen, dass er es kann.Er gilt als leidenschaftlicher Kämpfer, will enttäuschte WählerInnen zurückholen und zeigt sich selbstbewusst und siegessicher, wenn er verspricht: „Ich als Kanzler werde dafür sorgen, dass es gerechter zugeht in unserem Lande.“ Kann Martin Schulz halten, was sich seine Partei von ihm erhofft? Wer ist dieser Mann aus Würselen bei Aachen, der den erstaunlichen Aufstieg vom Bürgermeister einer Provinzstadt an die Spitze der EU in Brüssel schaffte?

Parteitag der Bocholter SPD

Zeit für mehr Gerechtigkeit: Kann Martin Schulz halten, was sich seine Partei von ihm erhofft?

Der Vater Polizist, Bergmannssohn, Geigenspieler, Sozialdemokrat. Die Mutter rheinisch-katholisch und Mitbegründerin des CDU-Ortsvereins. Vier Geschwister, das Elternhaus quirlig, diskussionsfreudig. Der „rote Martin“, der auf dem erzkatholischen Gymnasium Schulsprecher ist, Willy Brandt bewundert und für ihn Wahlkampf macht. Eine Willy-Brandt-Statue schmückt sein Büro, als er längst den Präsidentensessel des Europäischen Parlamentes in Straßburg besetzt und mit den Mächtigen der Welt verkehrt. Schlagfertig, kämpferisch und ehrgeizig verhilft der Mann aus dem Dreiländereck dem Europäischen Gedanken zu neuem Ansehen – weil er tief davon überzeugt ist.

Martin Schulz spielt Fußball

Martin Schulz am Ball: Ein Politiker mit Bodenhaftung.

Martin Schulz gilt als ein Politiker mit Bodenhaftung. Er blieb in Würselen wohnen, wo ihn jeder kennt - und seine Geschichte vom verpassten Abitur, der missglückten Fußballerkarriere, den Alkoholproblemen und seinem Neuanfang mit Hilfe von Freunden und Geschwistern.

Jetzt ist der Rheinländer die neue Lichtgestalt der SPD. Die Beliebtheitswerte des designierten Kanzlerkandidaten schnellen in die Höhe, der ältesten Partei Deutschlands gehen die Parteibücher für Neumitglieder aus. Plötzlich scheint es vorstellbar, Angela Merkel endlich ablösen zu können. „Ein Sozi von altem Schrot und Korn!“ urteilt Franz Müntefering. EU-Politiker Alexander Graf Lambsdorff (FDP) sagt, man habe ihn in Brüssel „Kampfschwein“ genannt, der Mann habe ungeheuer viel Energie. Und Rebecca Harms von den Grünen zweifelt, ob es ihm gelingt, bei so viel Zustimmung auf dem Teppich zu bleiben.

Er tourt von Wahlkampfauftritt zu Wahlkampfauftritt, verspricht Gerechtigkeit und bekennt, die SPD habe bei der Agenda 2010 Fehler gemacht, die er korrigieren will. Als Beispiel nennt er das Arbeitslosengeld 1, dessen Bezug er verlängern will, ohne konkret zu werden. Die Gewerkschaften sind begeistert, die Arbeitgeber warnen vor einer Veränderung der Agenda 2010. Für seine politischen Gegner ist Martin Schulz schwer zu fassen.

Autoren: Beate Becker, Christiane Meier und Cornelia Kolden
Redaktion: Angela Jaenke und Gudrun Wolter

Stand: 03.03.2017, 08:26

Kommentare zum Thema

Kommentar schreiben

*Pflichtfelder

Sie sind schlauer als Spam-Automaten. Bitte antworten Sie auf folgende Frage:

Wie viele Tage hat eine Woche?

Warum stellt der WDR diese Fragen?

5 Kommentare

Neuester Kommentar von "Kuhn", 02.03.2017, 13:34 Uhr:

Schulz: wir werden sie auf keinem Fall wählen. Ihre Reden.....wir haben eine super Bundeskanzlerin . Die Muss bleiben. Passta. Sie sind kein Vorbild für unsere Kinder.....

Kommentar von "Wähler 2017", 01.03.2017, 18:54 Uhr:

Dieser Mann bekommt meine Stimme garantiert nicht, denn er gehört mit Merkel zu den Leuten, die einem großen Teil des Volkes Nachteile gebracht haben. Jetzt wollen genau die Leute, welche die Fehler in Berlin und Brüssel gemacht haben, uns Wählern erzählen, was sie alles besser machen wollen? Für wie unmündig hält man uns eigentlich? Ob schwarz-rot oder rot-schwarz, ich sehe da keinen Unterschied. Außerdem besteht mit Schulz die Gefahr von rot-rot-grün, was aus meiner Sicht unbedingt verhindert werden muss. Was hat der medienwirksame Bier- und Currywurst-Kanzler Schröder damals nicht alles versprochen? Noch heute leiden Menschen unter dem Verlust ihrer Ersparnisse dank Schröder-Freund Maschmeyer und dem Aufbau von Leihfirmen und natürlich Hartz4. Seit genau dieser Zeit können viele Menschen vom ihrem Einkommen nicht mehr vernünftig leben und müssen aufstocken oder verzichten. Welche "Freunde" Schulz in Brüssel kennengelernt hat, möchte ich nicht wissen.

Kommentar von "Bernd Huelsmann", 01.03.2017, 13:35 Uhr:

Nur wenn Herr Schulz es schafft sich auf dem SPD-Parteitag im Mai hinzustellen und offen erklärt : " Es war ein Fehler zur Durchsetzung der Agenda 2010 die Basisdemokratie abzuschaffen. Es tut uns leid, dass deswegen mehr als 500.000 !!!!! SPD- Mitglieder ausgetreten sind. Wir werden das korrigieren und zu Willy Brandts 'Mehr Demokratie wagen' zurückkehren". Nur dann wird ein großer Teil der ehemaligen SPD-Mitglieder und ihre Familien wieder für die SPD kämpfen. Seit 10 Jahren ist der "Mundfunk" Johannes Rauh`s tot, oder nur negativ weil man sich verraten fühlt, nicht wegen HARTZ IV, nein, weil die innerparteiliche Meinungsbildung verkehrt wurde ab 2002 auf von oben nach unten. Hier ist Herr Schulz auch nicht ohne Schuld.

Kommentar von "Bernd", 01.03.2017, 10:04 Uhr:

Für mehr Gerechtigkeit. Dann soll er erst einmal die Umverteilung bekämpfen. Leistung muß sich endlich wieder für die lohnen, die die Leistung erbringen. Wir brauchen höhere Zinsen (Inflationbekämpfung) und der Staat muß sich endlich aus dem Leben der Menschen herauszuhalten.

Kommentar von "Anonym", 18.02.2017, 00:18 Uhr:

Nach ihrem Wahlkampf Beiträgen für Gerechtigkeitsschulz: Nur keine schlechte n Nachrichten über den Schaumschläger z.B. Mio für SPD- Frau, Begünstigung im Amt Fällt mir nur ein Wort ein: Lügenpresse! weiter vertuschen! Rotfunk!