Griechenland – Armut trotz Tourismusboom

Griechenland – Armut trotz Tourismusboom

Ein Film von Johannes Höflich und Jo Angerer

Während die Armut in der gesamten EU leicht rückläufig ist, hat sich die Armutsquote in Griechenland seit 2008 fast verdoppelt. Und das obwohl Griechenland mehr als 30 Millionen Urlauber in diesem Jahr erwartet. Touristenboom in Griechenland – und die bittere Not der Einheimischen.

Tourismusboom in Griechenland: Über 30 Millionen Urlauber werden in diesem Jahr erwartet. Das ist Rekord. Seit Reiseziele wie die Türkei nicht mehr gefragt sind, kommen die Urlauber in Scharen. Davon profitieren vor allem die Touristik-Konzerne, die Fluglinien und die Hotelketten – weniger aber die Menschen im Land. Sie finden allenfalls Saisonarbeit zum Billiglohn. Hinzu kommen immer neue Sparmaßnahmen und Rentenkürzungen. Laut einer aktuellen Statistik lebt ein Viertel der griechischen Bevölkerung in einer „schweren materiellen Notlage“ – in Armut also.

Zerstörte Häuser

Im Dorf Vrisa auf Lesbos wurden zahlreiche Häuser während des Erdbebens im Juni 2017 zerstört.

Die Story-Autoren machen sich erneut auf die Reise: Auf der Ferieninsel Rhodos beginnt die Armut gleich hinter dem Strand. Dort, wo die Köche, die Kellner, die Zimmermädchen leben. In der Hafenstadt Patras hungern viele. Rentner, aber auch junge Menschen, die sich einen bescheidenen Wohlstand aufgebaut hatten und die durch die Krise in Griechenland alles verloren haben. Besonders schlimm ist die Situation in der Hauptstadt Athen.

Der Hafen von Mytilini auf Lesbos

Der Hafen von Mytilini auf Lesbos. Ausbleibende Touristen haben die Krise auf der Insel verschärft.

Die Story-Autoren begleiten Erwin Schrümpf von der privaten Hilfsorganisation „Griechenlandhilfe“. Zusammen mit ihm treffen sie verzweifelte Menschen aus dem ehemaligen griechischen Mittelstand. Viele haben keine Krankenversicherung mehr, sind auf Medikamente angewiesen, die die „Griechenlandhilfe“ an Sozialzentren verteilt. Auf der Insel Lesbos leben nach wie vor Flüchtlinge. Ihnen geht es noch schlechter als den Einheimischen. Wer registriert ist, darf tagsüber das Flüchtlingslager verlassen. Doch eine Weiterreise ist unmöglich. Früher war Lesbos Touristenhochburg, heute kommen hier nur noch wenige Gäste. Die Bilder der Flüchtlingskrise von 2015 schrecken die Urlauber ab – auch heute noch.

Flüchtlingslager Moria auf Lesbos

Flüchtlingslager Moria auf Lesbos. Tausende Flüchtlinge leben hier schwer bewacht hinter Stacheldrahtzäunen.

Touristenboom in Griechenland – und die bittere Not der Einheimischen: Während die Armut in der gesamten EU leicht rückläufig ist, hat sich die Armutsquote in Griechenland seit 2008 fast verdoppelt.

Autoren: Johannes Höflich und Jo Angerer
Redaktion: Norbert Hahn

Stand: 04.07.2017, 10:27

Kommentare zum Thema

Kommentar schreiben

*Pflichtfelder

Die Kommentartexte sind auf 1.000 Zeichen beschränkt!

Sie sind schlauer als Spam-Automaten. Bitte antworten Sie auf folgende Frage:

In welcher Stadt steht der Kölner Dom?

Warum stellt der WDR diese Fragen?

19 Kommentare

Neuester Kommentar von "U. D.", 01.10.2017, 14:50 Uhr:

Sehr geehrte Damen und Herren, ich habe erst gestern Ihre Reportage gesehen und werde nie wieder die Augen der Heimkinder vergessen. Unwahrscheinlich traurig und eigentlich in der heutigen Zeit nicht mehr vorstellbar. Die griechische Regierung sollte sich schämen! MfG U.D.

Kommentar von "Wolfgang Stiller ", 30.09.2017, 13:26 Uhr:

Wie kann ich helfen?

Kommentar von "Joachim Dillinger", 18.08.2017, 10:21 Uhr:

Eine sehr gute Reportage, die ich im Urlaub gesehen habe. Herzlichen Dank dem ganzen Team von Jo Angerer. Sehr gern hätte ich mehr über den ehemaligen Geschäftsmann und seine Organisation zur Griechenlandhilfe gewußt. Für weitere Informationen über diese engagierte Hilfsaktion bin ich dankbar. Mit freundlichgeb Grüßen Joachim Dillinger

Kommentar von "Birgit", 06.08.2017, 15:52 Uhr:

Habe auch ihren Bericht gesehen und bin auch der Meinung das Grichenland (Auch die "Kleinen" Leute ) an der jetztigen Situation selbst Schuld sind!!! Sie haben Jahre lang in ihre eigene Taschen gewitschaftet z.b: Wohnungen vermietet aber SCHWARZ!!!!! Wie soll das Geld zusammenkommen wenn man keine Steuern zahlt???????????? Wir Deutschen/Österreicher schon! Und wenn es ihnen so schlecht geht und wenig zu esssen haben dann frag ich mich ob ich als Mutter dann Geld habe für Schminkzeug, Zigaretten.... das hat mann im Bericht gesehen!!!! Passt nicht ganz!

Kommentar von "Hans-Dieter + Elvira Köhler", 04.08.2017, 11:39 Uhr:

Vorzüglicher Tatsachenbericht! Da kann man ja nur noch eine weitere Sofort-Spende tätigen, um ein wenig Abhilfe zu schaffen. Wir haben seit 2015 Herrn Erwin Schrümpf finanziell unterstützt, obwohl wir nur eine karge Frührente bekommen - aber: denen geht's ja noch viel schlechter! Dem WDR seit erneut Dank für diesen beeindruckenden Bericht über die griechischen Zustände! Bleiben Sie aber dran...!

Kommentar von "R aus Frankfurt am Main", 03.08.2017, 22:05 Uhr:

Sie zeigen sehr gut die negativen Auswirkungen der griechischen und der europäischen Politik, sowie das Engagement einiger Hilfsgruppen. Weder der auferlegte Sparzwang, noch die kurzsichtige, chaotische Flüchtingspolitik der EU werden Griechenland wieder in Fahrt bringen! Leider müssen die Griechen sich auch an die eigene Nase packen! Griechenland hat über Jahre über die eigenen Verhältnisse gelebt! Privat, wie auch staatlich, wurden Schulden gemacht. Der Staat hat schlecht und korrupt gewirtschaftet. Die Bevölkerung hat zum Teil ihre Steuern nicht gezahlt und viel schlimmer ist, Reedereien und Großbetriebe zahlten so gut wie keine Steuer! Statt nun die Mehrwertsteuer weiter zu erhöhen und Kleinbetriebe in den Bankrott zu treiben, sollten die Reichen und Banken zur Kasse gebeten werden. Griechenland braucht keine Almosen, sondern einen handfesten Wirtschaftsplan! Nur wer investiert, kann auch später ernten. >EU, keine Gnade mit großen Firmen, fördert den Mittelstand= Arbeitsplätze

Kommentar von "Jens WULF", 03.08.2017, 15:59 Uhr:

Ich war 3x in den letzten 30 Jahren in Urlaub in Griechenland, was mir reicht. Die große Zeit der Griechen war in der Vorzeit, als sie noch eine Militärmacht waren, es noch Sklavenhaltung gab und man andere Völker als Sklaven für sich arbeiten lassen konnte. Das alte Rom grüßte aus Italien. Nun muss man seit langer Zeit selber arbeiten, sich neuen Zeiten und Verhältnissen anpassen, fleißig und kreativ sein, wie Zentraleuropäer, Nordeuropäer und andere auf der Welt. Einige, die das lesen, sind nun bestimmt schon "hochgekocht". An diese eine Frage: "Welches griechische Industrieprodukt, -nicht Agrarprodukt-, ist bei Ihnen zuhause zu finden und kommt aus Griechenland? Ihre wahrscheinliche Antwort: (keines!), zeigt das Problem auf. Aber zum Glück gibt es ja uns von der EU, mit dem großen Nettozahler Deutschland, die freiwillig die früheren Sklaven ablösen. Deutsche arbeiten, zahlen Steuern und diese leiten unsere Politiker Richtung Süden, gestern, heute und auch morgen. Man will das so.

Kommentar von "Einer der 8 Jahre in Griecheenland gelebt hat", 03.08.2017, 02:12 Uhr:

hallo, ich sehe mir gerade euren Bericht im TV an. ich lebte dort von 2005 bis 2013 in der Mani ( sehr zu Empfehlen für Leute die Ruhe brauchen ) und hatte genug Arbeit in der Landwirtschaft 3 -4 Monate im Winter Oliven gemacht und im Frühjahr ca 38000 m2 Gras mit der Motorsense abgemäht. Nach der Arbeit dann schnell mal zum Billigsten Supermarkt in GR und das war der Lidl zum einkaufen. Ich kann euch sagen das der damals schon preise hatte wie hier in Deutschland EDEKA, REWE usw. Billiges Duschgel 1,79 Euro und in Deutschland 0,79 Euro, Butter in D 0,79 -0,99 Euro und bei Lidl GR 1,89 Euro. Lidl GR hat die selben Produkte wie in Deutschland aber halt die preise in Griechenland wie in einem Feinkostladen. Viele Medikamente haben Staatliche Preisvorschriften ( Asthmaspray 2,89 und in D. 43 Euro ) Fa Duschgel im GR Markt NUR 3,89 Euro und DE. 0,79 Euro. Rentnern die wirklich hart gearbeitet haben wurden die Rente i.H von 600 Euro auf 350 Euro gekürzt und davon müssen sie alles bezahlen.

Kommentar von "Multiprofessor", 02.08.2017, 22:51 Uhr:

Ursache des Dilemmas ist das starrsinnige ideologische Festhalten der griechischen sozialistischen Regierung (und des Parlaments) am Euro. Mit einer abwertbaren Nationalwährung hätte Griechenland längst eine exportfähigere Wirtschaft und könnte dann mit den Steuereinnahmen ein Sozialsystem für Arbeitsuchende aufbauen, das mit dem Euro nicht finanzierbar ist. Die euroextremistische Einheitsideologie geht - wie bei den Utopien der Sozialisten und Kommunisten üblich - immer zu Lasten der sozial schwachen Einwohner.

Kommentar von "Magdalena", 02.08.2017, 22:51 Uhr:

Mitten in Europa Menschen die hungern! Standartlohn für Hotelangestellte 650 € Vollzeit! Mehrwertsteuer 24%! Rentenkürzungen! Allinklusiv-Urlauber machen nur die Tourismusunternehmen reich! Trotzdem 10000ende Flüchtlinge in Camps die wie Gefängnisse geführt werden. Eltern geben ihre Kinder ins Heim, weil sie sie nicht ernähren können! Wieder gibt es Geld nur für die Banken! Armutsquote seit 2008 fast verdoppelt! Ohne all die privaten Hilfsorganisationen sähe es noch viel schlimmer aus. Selbst Schuld! Sagen viele Europäer. Möchten wir so verurteilt werden? Hungernde zu verurteilen hilft ihnen nicht! Sie brauchen Nahrung, Obdach, Hygieneartikel... 400000 junge Griechen sind schon weg! Seit 20 Jahren bin ich in Griechenland, seit 16 Jahren mit einem Ferienhaus auf Lesbos. Ein Inselparadies das zu Unrecht gemieden wird von den Touristen! Lieber liegen sie wie die Sardinen am Strand auf Mallorca, Spanien, Italien... Dabei gibt es so wunderschöne Strände auf Lesbos!

1
2