Gefährliche Waffenfreunde - Wie ein kleiner Beamter große Geschäfte stört

Gefährliche Waffenfreunde - Wie ein kleiner Beamter große Geschäfte stört

Ein Film von Wolfgang Minder

Ganz gleich, was die Bundeswehr für ihre Soldaten will: Heckler & Koch baut es, seit Jahrzehnten gilt die Waffenschmiede aus Oberndorf als Haus- und Hoflieferant der Bundeswehr. Das Spitzenprodukt von Heckler & Koch, das G36-Gewehr, erwies sich laut Verteidigungsministerium aber als Fehlkonstruktion.

Die Bundesregierung fordert Schadensersatz. Das Landgericht Koblenz spricht Heckler und Koch jedoch am 2. September von Schadensersatzansprüchen der Bundesregierung frei. Begründung: der Hersteller habe geliefert, was damals bestellt worden sei. Dies sei aber keine Aussage über die Qualität des Gewehrs. Das Verteidigungsministerium will nun in Berufung gehen.

Der Beamte und Waffenprüfer Dieter Jungbluth kennt die Probleme rund um das G36 genau und er entdeckt über Jahre diverse Mängel an unterschiedlichen Waffen der Firma Heckler & Koch. Immer wieder meldet er diese Mängel seinen Vorgesetzten im Verteidigungsministerium. Doch für viele ist er einer, der nervt, ein Erbsenzähler. Schritt für Schritt wird er kaltgestellt, muss sich von einem Psychologen untersuchen lassen. Dann verliert er seinen Job und muss vor Gericht um sein Gehalt kämpfen. Seine Karriere beim Militär ist beendet, und auch andere Störenfriede bekommen Probleme im Ministerium.

die story erzählt am Beispiel von Dieter Jungbluth, wie der schwäbische Waffenbauer alles daran setzt, kritische Expertise zu vermeiden und dabei bis ins Verteidigungsministerium hinein willige Helfer hat. Besonders brisant: Ausgerechnet in der Ministeriums-Abteilung, die gegen interne Korruption vorgehen soll, versandeten kritische Gutachten. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen wollte die Vergabepraxis von Rüstungsprojekten transparenter und effektiver machen. Ob sie gegen die Heckler und Koch-Connection im eigenen Haus eine Chance hat, danach fragt die story.

Autor: Wolfgang Minder
Redaktion: Jessica Briegmann und Jo Angerer

Stand: 05.09.2016, 14:45

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18 Kommentare

Neuester Kommentar von "Gerd R", 08.01.2017, 10:55 Uhr:

Was unterscheidet uns eigentlich von den sog. Bananenstaaten? Nur die Bezeichnung. Wir nennen es schönfärbend "Lobbyismus", wo es doch nur eine Bezeichnung geben kann: "Korruption". Diese Korruption ist offensichtlich flächendeckend in Deutschland angekommen und wir sollten "BRD" (wie bereits vom Spiegel vorgeschlagen) als Kürzel des Begriffes "Bananerepublik Deutschland" verstehen. Sobald es um Geld geht ( und in aller Regel geht es um unvorstellbar viel Geld), ist kein Geschäft zu schmutzig, kein Verbrechen zu groß! Es finden sich immer genügend willfährige Helfer gerade in Kreisen unseres Regierungsapparates. Der alte Leitsatz: "Gewinne privatisieren, Risiken und Kosten sozialisieren" ist in der BRD lebendiger denn je! Das Thema G36 passt nahtlos in die unendliche Folge ähnlicher Skandale, ich denke hier u.a. auch an den Abgasskandal, das erneuerbare Energiengesetz, die Entlassung der Atomenergiekonzerne aus der Verantwortung zur Endlagerung. Immer wieder "verdienen" sich W ...

Kommentar von "Martin FRANZ", 07.01.2017, 15:52 Uhr:

...und hier meine entsprechenden Erfahrungen als Polizeibeamter der seiner gesetzlich zwingenden Pflicht zur Strafverfolgung nachkam um sich im Kernbereich seiner Aufgabe und Verantwortung nicht selbst strafbar zu machen! ....und es wurde offen-sichtlich wo(rin) Wir WIRKLICH "leben"!!! ....in einer: http://www.freitag.de/autoren/martin-franz/diktatur-der-angst-und-einschuechterung

Kommentar von "LiFe", 06.01.2017, 11:53 Uhr:

Warum wird mit Menschen so umgegangen?

Kommentar von "L.H. Pfahls", 29.12.2016, 14:53 Uhr:

der Fisch fängt vom Kopf her an zu stinken... Wer wird in so einem Laden Führungskraft, sorry ich meine VORGESETZTER? Das sind opportunistische Lakaien mit dem richtigen Parteibuch oder großschnäutzige Universaldilettanten in einer guten Seilschaft. Der Rest ist nur gehirnamputierter Verwaltungsfaschismus....ist die unerwünschte Eigenschaft des Gewehrs im Vertrag nicht ausgeschlossen, dann passt das juristisch.....Also liebe angehende Soldaten: Augen auf bei der Berufswahl!

Kommentar von "r.wolff", 29.12.2016, 14:27 Uhr:

hier zeigt es sich wie man mit menschen umgeht die kritisch hinterfragen und die versuchen mißstände aufzudecken, was sich da so zeigt ist eine verpflechtung von politik und wirtschaft die meines erachtens nach eine sehr hohe kriminelle energie aufweist, die art und weise wie man gegen den herr jungbluth vorging ist als menschenverachtend anzusehen, ohne skrupel ohne gewissen, die hauptsache man bekommt recht, ein zweifelhaftes recht, hier hat das recht, sein recht verloren eine schande für unser land, unser rechtsstaat. r.wolff

Kommentar von "Neumann Erich", 27.09.2016, 22:40 Uhr:

Und wie versteht sich dazu das allgemeine Wegsehen zu Gesundheits- und Umweltgefahren nach Verkauf militärischer Liegenschaften, welche aufgrund deren allenfalls unzureichender Sanierung trotz geflossener und versickerter EU-Konversionsmittel in Milliardenhöhe bestehen, fragt www.facebook.com/pages/Gesundheits-und-Umweltgefahren-beim-Verkauf-militärischer-Anlagen/1690614027824832?fref=ts, die reine non-profit Initiative zur Selbsthilfe, die sich mit den, für Betroffene, Geschädigte und Opfer dort Eintretenden für Beendigung und Aufarbeitung dieser Missstände einsetzt? 2008, als eine Million noch sehr viel Geld und wir noch nicht über die Finanzkrise auf Milliarden konditioniert waren, erschien dieser Artikel https://phinau.de/jf-archiv/archiv08/200846110733.htm in der Junge Freiheit, welche den Finger in eine ansonsten unbeachtet bleibende Wunde legte. Was bitte ist seither geschehen, außer dass wir uns haben aufhetzen lassen, dass die Griechen angeblich Milliarden verschwendet ...

Kommentar von "Hans Mann", 20.09.2016, 02:33 Uhr:

Ich kann gar nicht verstehen, warum einige Herren in den Kommentaren so dümmlich schwätzen! Der Bericht hat weder mit linker PR, noch mit mangelndem Fachwissen zu tun ... oder sind das diese 'abgehobenen Ja-Sager' (um kein unanständiges Wort zu benutzen), die auch mir in meiner aktiven Dienstzeit beim Bund begegneten?? Ich kann mich sehr wohl an mindestens ein Schriftstück erinnern, welches etwa in 2005 die mangelnde Schussstabilität/Qualität des G-36 sehr detailliert beschrieb. Wo sind die vielen anderen -verantwortlichen- Offiziere, die davon Kenntnis hatten? Oder litt die gesamte Führung wie H&K an Gedächtnisschwund? Ich kann den WDR nur zu diesem Beitrag beglückwünschen; mit zwei kleinen Einschränkungen: 1. Warum wurde erst jetzt recherchiert - mindestens ein aufrechter Beamter mußte darunter leiden; und mindestens ein Bördenleiter durfte seinen Stuhl weiter 'besetzen'. 2. Warum kommt solch eine informative Sendung --wie immer -- so spät. Trotzdem vielen Dank an de ...

Kommentar von "S.Bange", 16.09.2016, 16:58 Uhr:

Guten Tag, der Bericht hat doch einiges zu Tage gefördert, dass sich keiner so vorstellen konnte. Nun ist ja die Wahl zur Bundeswehr zu gehen eine freiwillige Angelegenheit. Aber bitteschön, wer geht nach diesem Dilemma da noch freiwillig hin? Wenn ich weiß, dass das was mich schützen soll, eben nicht schützt! Einen Mann, wie den Herrn Jungblut so zu moppen und bedrohen ,das ist schon mehr als sträflich anzusehen. DABEI IST ER MIT SEINEN BEWERTUNGEN DOCH NUR FÜR DIE SICHERHEIT DER SOLDATEN IN SORGE. UND DASS DIE SOLDATEN GUT AUSGERÜSTET SIND, DASS WOLLEN MIT SICHERHEIT AUCH DIE MENSCHEN IN UNSEREM LAND: Man hätte sich diese Angelegenheit ganz sicher ersparen können, wenn man die Prüfungen, in diesem Fall einem unabhängigen Institut übergeben hätte. Es kann doch nicht sein, dass ein Waffenhersteller Einfluss nehmen kann, wen sie als Beamten doch gerne da an der Beschaffungsstelle vorfinden möchten, um ihre untüchtigen Waffen an den Mann zu bringen. Man hätte doch von Seite ...

Kommentar von "Unbekannt", 16.09.2016, 09:57 Uhr:

Es ist bedauerlich, dass der WDR scheinbar bereits mit einer unterschwelligen Intention in diesen Bericht gegangen ist und wichtige Fakten, die dem geneigten Zuschauer erst ermöglichen würden, sich ein umfassendes Bild zu machen verschwiegen bzw nicht erwähnt wurden. Aber vermutlich hätte sich dann das persönliche Schicksal von Herrn J. nicht mehr so gut verkaufen lassen, wie es nun der Fall war.

Kommentar von "Manfred", 15.09.2016, 20:50 Uhr:

@ "Herr S.", heute, 04:45 Uhr: Das ist mal wieder typisch für einen AfD-Fan, reale Tatsachen leugnen und Lügen zur Wahrheit erklären. Da sich die AfD tatsächlich rechts außen befindet, muss alles andere natürlich linksversifft sein ;-)

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