Verschwunden in Deutschland – Auf der Suche nach vermissten Flüchtlingsjungen

Durchgestrichenes Bild eines Jungen auf einer Liste

Verschwunden in Deutschland – Auf der Suche nach vermissten Flüchtlingsjungen

Ein Film von Natalie Amiri und Anna Tillack

In der großen Flüchtlingswelle waren auch zahllose Minderjährige. Viele sind in Familien untergekommen, aber tausende, sind schlicht "verschwunden". Wie kann das sein?

In einem Alter, in dem deutsche Kinder und Jugendliche zur Schule gehen, sind sie aus Afghanistan oder Afrika gekommen, alleine durch die Wüste, über das Meer und viele Grenzen. Erst waren sie ihren Schleppern ausgeliefert. Jetzt, in Deutschland, sind sie teils auf sich allein gestellt, leicht manipulierbar, einfach auszubeuten.

Einer der Verschwundenen: Mubarak aus Afghanistan. Er war in Bautzen untergebracht. Plötzlich war er weg. Ist er untergetaucht, abgehauen oder in die Fänge von Kriminellen geraten? Bei der Polizei ist er als vermisst gemeldet, doch die Behörden wissen nichts über den Jungen. Die Journalistinnen Natalie Amiri und Anna Tillack suchen nach Mubarak.

Polizisten und Jugendliche

Drogenkontrolle am Münchner Hauptbahnhof: Auch minderjährige Flüchtlinge sind unter den Dealern.

Die Recherchen führen die Reporterinnen in eine kaum für möglich gehaltene Welt. Sie lernen andere Flüchtlingsjungs kennen, die versuchen, alleine zu überleben und weiter zu kommen. Ihre größte Sehnsucht ist es, irgendwann einmal irgendwo anzukommen.

Auf der Suche nach dem vermissten Jungen aus Afghanistan tauchen die Autorinnen in eine Szene ein, in der Minderjährige zu Drogendealern gemacht werden. Auch islamistische Hassprediger, warnt der Verfassungsschutz, werben sie gezielt an. Und wer in den Straßen der deutschen Großstädte verloren geht, kann schnell auf dem Kinderstrich landen. 

Junge Frau und Jugendlicher

Betreuerin Julia hat den afghanischen Jungen Hojat von der Straße geholt.

Was wird aus den verschwundenen Teenagern? Welchen Risiken sind sie ausgesetzt? Werden sie selbst zu Gefährdern? Am Ende ihrer intensiven Recherchen gelingt den Autorinnen das, was die Behörden nicht geschafft haben: Sie finden Mubarak. Auf ihrer Reise durch die gefährliche Welt der verlorenen Jungen stoßen die Filmemacherinnen auf Missstände in Deutschland, über die keine Behörde offen sprechen will.

Autoren: Natalie Amiri und Anna Tillack
Redaktion: Nicole Ripperda (WDR), Thomas Reutter (SWR)

Stand: 16.03.2017, 16:18

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4 Kommentare

Neuester Kommentar von "Nachtschwärmer", 23.05.2017, 02:59 Uhr:

Herr Donald Trump hat gerade ein Milliarden schweres Militärpaket in Saudi-Arabien ausgehandelt. Geht's noch? Saudi-Arabien agiert militärisch im Jemen!!! und hasst den Iran!!!... Sein Grundgedanke war gut... Die Umsetzung ein Desaster. Militärgüter für Milliarden Dollar verscheuern, für amerikanische Arbeitsplätze? Saudi-Arabien bekämpft den IS...ja!...aber will auch Macht im arabischen Raum, oder??? Warum verschwinden Flüchtlingsjungen? Einige verschwinden, weil sie in Länder wollen, wo sie Verwandte haben. Einige verschwinden, weil sie auch in Deutschland keine Perspektive haben. Die Anerkennung des Asylantrages dauert immer noch viel zu lange. Viele werden gar nicht mehr anerkannt, warum Afghanistan nicht mehr dazu gehört, verstehe ich nicht- dürfen daher auch keine Arbeit ausüben!!! Diese jungen Menschen brauchen eine Aufgabe oder körperliche Betätigung -Sport-; sonst gehen sie durch Langeweile unter. Aber das man von vielen überhaupt nicht weiß, wo sie sich aufhalten, geht ...

Kommentar von "Alba", 04.05.2017, 09:54 Uhr:

Mir hat der Bericht das Herz zerrissen. Ist schon toll wie sie mit den Zwangsabgaben umgehen. Wird für diese abartigen Jammerberichte die nächste Runde der Zwangsgebührenerhöhung geplant? Staatsfernsehen eben, gab es so ähnlich auch in der DDR. Widerlich.

Kommentar von "Prof. Dr. Abdo Abboud WWU Münter", 03.05.2017, 23:51 Uhr:

Ich habe diese interessante, aber beunruhigende "Story" zufällig gesehen. Es ist in Deutschland von der Bekämpfung der Fluchtursachen in den Herkuftsländern viel die Rede, aber gerade das findet nicht statt: Die bewaffneten Kämpfe in Syrien, Afghanistan, dem Jemen und anderen Ländern gehen mit unverminderter Härte weiter, und die Rüstungsindustrie mehrerer Staaten, darunter Deutschland, erzielt durch Waffenverkäufe Gewinne in Milliardenhöhe. Man sollte mit der Beseitigung der Fluchtursachen endlich Ernst machen. Vor allem die Kriege sollten beendet, denn sie sind die wichtigste Fluchtursache.

Kommentar von "Matthias Rietz", 03.05.2017, 23:21 Uhr:

Toller Beitrag und gleichzeitig beschämend für unsere Behörden. Vor einer Frau wie der Julia ziehe ich meinen Hut, Danke Julia