Der Fahrradkrieg – Kampf um die Straßen

Der Fahrradkrieg – Kampf um die Straßen

Ein Film von Güven Purtul

Das Fahrrad soll zentrale Probleme lösen, mit denen deutsche Städte kämpfen: Stau, Lärm, Luftverschmutzung. Mit Hilfe von einer neuer Infrastruktur wollen norddeutsche Städte den Radverkehrsanteil erhöhen. Doch dazu müssten breite Bevölkerungsschichten umsteigen.

Wenn Fahrradkurier Eichler klingelnd und fluchend durch Oldenburg flitzt, herrscht Krieg: Fußgänger spritzen zur Seite, Autofahrer hauen auf die Bremse. Denn der Platz auf Straßen und Bürgersteigen ist einfach zu knapp, um es allen Verkehrsteilnehmern recht zu machen. Dabei soll das Fahrrad zentrale Probleme lösen, mit denen deutsche Städte kämpfen: Stau, Lärm, Luftverschmutzung. Doch dafür sind die Radwege im Norden noch völlig unzureichend: Schmal, verwinkelt, buckelig, verkrautet oder gleich ganz zugewachsen.

Fahrradfahrer auf einem Radweg

Der Fahrradblogger Daniel Doerk hält die Radinfrastruktur von Osnabrück für stark verbesserungswürdig.

Viele Stadtplaner wollen die Radler daher vom Bürgersteig verbannen. Hamburg etwa investiert in weiße Farbe für Radstreifen am Straßenrand. Aufgemalte Linien und Fahrrad-Piktogramme sind preiswert und werden vor allem von sportlichen Radfahrern geschätzt, die ohnehin lieber auf der Straße fahren. Mit Hilfe der neuen Infrastruktur will die Hansestadt ihren Radverkehrsanteil von 12 auf 25 Prozent verdoppeln und „Fahrradstadt“ werden. Doch dazu müssten breite Bevölkerungsschichten umsteigen.

LKW steht auf dem Fahrradweg, um Ware auszuladen

Hamburg setzt auf Radfahrstreifen. Diese sollen mehr Komfort und Sicherheit bieten. Doch auf der Straße gilt das Recht des Stärkeren.

Kritiker bezweifeln jedoch, dass sich unsichere Radfahrer, Senioren oder gar Kinder auf die Straße locken lassen. Zumal sie sich dort mit neuen Gefahren konfrontiert sehen: Oft stehen Autos im Weg, so dass Radler in den Autoverkehr ausweichen müssen. Autofahrer, die parken wollen, müssen Radstreifen zwangsläufig überqueren. Gerade im dichten Berufsverkehr kommt es dabei immer wieder zu gefährlichen Situationen.

Was mehr Menschen zum Umstieg aufs Fahrrad motiviert, zeigt der Blick zum nördlichen Nachbarn: Kopenhagen hat seine Radwege konsequent verbreitert und baulich vom Fuß- und Autoverkehr klar getrennt. Der Erfolg: In der dänischen Metropole fahren mehr Menschen mit dem Rad als mit dem Auto. Können deutsche Stadtplaner von den Dänen lernen?

Autor: Güven Purtul
Redaktion: Nicole Ripperda (WDR), Jochen Graebert und Barbara Biemann (NDR)

Stand: 13.06.2017, 12:10

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17 Kommentare

Neuester Kommentar von "Boris Godo", 21.07.2017, 08:36 Uhr:

Was einige hier von sich geben lächerlich. Einer meint ein Radfahrer müsse langsamer fahren damit man als abbiegen der Autofahrer diesen sehen kann. Tschuldigung, merkste was? Woher soll der Radler wissen das du ihn nicht siehst? Wie machst du das an unübersichtlich en Einmündungen mit deinem Auto. Verlangst du von den anderen sie sollen langsamer fahren weil du nichts siehst? Aber so ist das, als Radler spart man co2, schon Ressourcen, sorgt für Platz in den Städten aber solche monks sehen nur sich und ihr Interesse in die kleinste Seitenstraße mit ihrem viel zu grossen Penis Ersatz zugelangen um sich dort zu beschweren das die Parkplätze nicht genügend einsehbar sind. Herrjemine...

Kommentar von "Olli", 20.07.2017, 12:43 Uhr:

Tief gebeugt und auf dünnen Reifen unterwegs, sollte man vielleicht doch mal über 'nen Helm nachdenken! ;-) Ansonsten gehe ich voll konform...

Kommentar von "Christian Fischer", 19.07.2017, 23:25 Uhr:

Hallo, ich fand diesen Beitrag sehr interessant und informativ. Ich lebe in Dresden und fahre regelmäßig ca. 9km durch die Innenstadt mit dem Rad zur Arbeit und zurück. Dabei erlebe ich häufig, so wie im Film dargestellt, dass mir Autofahrer die Vorfahrt nehmen beim Rechtsabbiegen. Nun bin ich auch Autofahrer und deshalb auch sensibilisiert für Radfahrer und kann immer auch Argumente beider Fraktionen sehen, auch die der Fußgänger. Ich fände es super, wenn es mehr Diskussionen und mehr Austausch zwischen den Fraktionen gäbe und man sich dafür einsetzen würde, über konkrete Lösungen zu diskutieren. Gibt es in oder um Dresden jemanden, der sich als Fahrradaktivist bezeichnet oder können Sie mir einen Kontakt verschaffen zu jemanden, wo man mithelfen kann, mehr für die Sicherheit und Rechte der Radler zu "kämpfen"? Darüber würde ich mich sehr freuen. Vielen Dank!

Kommentar von "Surasak", 19.07.2017, 23:00 Uhr:

Das Problem "Rennrad fahrer" habt ihr überhaupt nicht beachtet. Die sind das große Problem. Sie wollen und wollen nicht auf vorhandene Radwege fahren und fahren einfach auf normalen Straßen. In den Gegenden wo man nicht Großstadt nennt, fahren hauptsächlich nur Rennräder. Kurze Fahrradstrecken von normalen Menschen kommen prima mit den vorhandenen Wegen zurecht. Um diese großen Investitionen in neue Fahrradwege zu finanzieren müsste man erstens wirklich die Wegebenutzungspflicht einführen und zweitens die Kosten auf die Nutzer umlegen. Also eine Fahrradsteuer. Sonst wären die Kosten nur beim Autofahrer und ihre KFZ Steuer.

Kommentar von "Lutz Floki", 19.07.2017, 22:56 Uhr:

Entgegen der Fahrtrichtung auf dem Radweg fahren ! Der Radfahrer muß nicht nach hinten schauen und für Sekunden blind fahren. Keine Tote mehr durch rechtsabiegende PKW und LKWs ( toter Winkel ) . Keiner muß mehr nach hinten schauen.

Kommentar von "Gerd Kroner", 19.07.2017, 22:41 Uhr:

Oh, wie ich das hasse. Über Verantwortung gegenüber der Familie sprechen und dann den Kindern einen Helm aufsetzen und selber ohne fahren. Und das sind Leute vom ADFC? Liebe Grüße aus Dortmund.

Kommentar von "R. Michalak", 19.07.2017, 22:33 Uhr:

Warum beschwert sich dieser "Radaktivist" Daniel Doerk über unsichere und gefährliche Radwege/Strassen, trägt aber selber nicht mal einen Helm? Auch schien das Rad nicht verkehrstauglich zu sein (Beleuchtung?) Ausserdem zeigt mal wieder der Hr. Radkurier wie rücksichtslos diese Sorte Radfahrer ist. Es gibt ohne Frage auch rücksichtslose Autofahrer. Hier ist gemeinsame, verständnisvo?le Rücksichtname gefragt. Diese machen die Kampfradfahrer aber zunichte.

Kommentar von "Düsseldorferin", 19.07.2017, 22:32 Uhr:

Radfahrer gegen Autofahrer- das alte Thema. Das Hauptproblem ist aber nicht die mangelhafte, fehlende oder auch gut ausgebaute Fahrradinfrastruktur- die zwar eine Rolle spielt, aber nicht ausschlaggebend ist- es ist ein Verhaltensthema. Hier in Düsseldorf ergeben sich die meisten Probleme durch das Verhalten sowohl von Radfahrern als auch Autofahrern und Fußgängern. Alle missachten Vorfahrtsregelungen, rote Ampeln, Blinken/Handzeichen/ Schulterblick sind Anscheinend nie erlernt worden. Das schlimmste: es interessiert nicht einmal die Polizei (auch wenn sie auf einem Fußweg von Radfahrern fast umgesäbelt werden), noch Ordnungsamt. Man parkt nicht auf Radwegen. Man fährt aber auch nicht auf dem Fußweg oder läuft auf dem Radweg. DAS ist der große Unterschied zu z.B. Münster - dort werden alle Verkehrsteilnehmer bei Fehlverhalten abgehalten und zur Kasse gebeten. Das einzige was hilft. In Düsseldorf fährt sogar die fahrradpolizei auf dem Fußweg & auf der falschen Straßenseite-Vorbild?!

Kommentar von "Berthe", 19.07.2017, 22:25 Uhr:

Zu Beginn des Berichtes stellt sich doch schon die Frage, warum der gezeigte Aktivist weder einen Helm trägt noch die gesetzlich vorgeschriebenen Reflektoren am Rad befestigt hat?

Kommentar von "Jürgen Gerst", 19.07.2017, 22:25 Uhr:

Sehr bedauerlich, dass nur der Fahrradkurier bei dieser Reportage einen Radhelm trägt (Ausnahme Polizei) Diese Sendung ist sicherlich damit kein gutes Vorbild für die radelnde Bevölkerung- insbesondre Kinder!

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