Ihr gutes Recht auf der Kreuzfahrt

Kreuzfahrtschiff

Ihr gutes Recht auf der Kreuzfahrt

Im kalten Winter schielen viele von uns schon auf den Sommer und buchen den nächsten Urlaub im Süden. Doch wohin: Spanien, Italien oder doch Frankreich? Wer sich nicht entscheiden mag und am liebsten alles hätte, ist auf einer Kreuzfahrt gut aufgehoben. Ihre Rechte an Bord, kennt Kay Rodegra.

Seitdem man für 500 Euro nicht mehr nur einen Tag, sondern gleich eine ganze Woche auf einem Kreuzfahrtschiff buchen kann, wird der Urlaub auf dem Meer immer beliebter. Mehr als zwei Millionen Deutsche buchten 2015 eine Kreuzfahrt. Damit stehen wir Deutschen hinter den Amerikanern auf Platz zwei der schiffbegeisterten Nationen. Doch nicht jeder Urlaub auf See verläuft reibungslos. Was tun, wenn mal etwas nicht klappt wie gebucht und gehofft? Das klären wir mit dem Anwalt für Reiserecht – Kay P. Rodegra. Von ihm wollen wir wissen, was wir tun können, wenn plötzlich die Reiseroute geändert wird. Oder ein versprochener Landgang nicht stattfindet. Derzeit werden Kreuzfahrten im Sommer in die Türkei umgeleitet. Das muss man aber nicht hinnehmen, sagt Kay P. Rodegra.

Maschinenlärm und Seekrankheit

Kay P. Rodegra

Reiserechtsexperte Kay P. Rodegra

Wer zum Beispiel nachts in der Kabine die Maschinen hört, muss sich damit abfinden. „Jede Form von schiffstypischen Geräuschen sind entschädigungslos hinzunehmen“, weiß der Anwalt. Liegen die Geräusche jedoch über dem normalen Maß und sind unzumutbar, liegt laut unserem Experten ein Reisemangel vor. Fest steht auch: Seekrankheit gehört zum allgemeinen Lebensrisiko. Und an Deck muss es nicht für jeden Passagier einen Stuhl geben. Auch Passagiere haben Pflichten. Dazu gehört es die Essenszeiten einzuhalten, pünktlich von Ausflügen zurückkommen und das Rauchverbot einzuhalten, weiß unser Reiserechtsexperte. Von einer Kreuzfahrtversicherung raten die Verbraucherzentralen übrigens eher ab. Sinn macht jedoch eine Reiserücktrittversicherung und eine Auslandskrankenversicherung, sagt Kay P. Rodegra.

Ihr Recht an Bord: Urteile zu Kreuzfahrtreisen

Nicht jede Kreuzfahrt ist automatisch eine Traumreise - denn wie jeder Urlaub, kann auch dieser mit Tücken beginnen. Doch welche Rechte haben Sie, wenn beispielsweise der Flieger zu spät kommt und das Schiff schon abgelegt hat? Lesen Sie hier, wie in verschiedenen Rechtsfällen entschieden wurde.

Insolvenz eines Reiseveranstalters

Fall I: Stornierung wegen Insolvenz
Ein Urlauber bucht in Deutschland in einem Reisebüro eine Kreuzfahrt bei einem ausländischen Reiseveranstalter (EU). Das Reisebüro verlangt den Reisepreis ohne zu überprüfen, ob der Reiseveranstalter gegen den Fall Insolvenz abgesichert ist. Der Reiseveranstalter wird zahlungsunfähig. Die Reise findet nicht statt.

Urteil: Bundesgerichtshof vom 25. November 2014

Das Reisebüro ist in der Haftung, da es die Pflicht gehabt hat, nachzuprüfen, ob für den Insolvenzfall des Reiseveranstalters eine Absicherung besteht. Das Reisebüro muss den Reisepreis an den Kunden erstatten. (Quelle: Würzburger Tabelle, Kay P. Rodegra)

Fall I: Stornierung wegen Insolvenz
Ein Urlauber bucht in Deutschland in einem Reisebüro eine Kreuzfahrt bei einem ausländischen Reiseveranstalter (EU). Das Reisebüro verlangt den Reisepreis ohne zu überprüfen, ob der Reiseveranstalter gegen den Fall Insolvenz abgesichert ist. Der Reiseveranstalter wird zahlungsunfähig. Die Reise findet nicht statt.

Urteil: Bundesgerichtshof vom 25. November 2014

Das Reisebüro ist in der Haftung, da es die Pflicht gehabt hat, nachzuprüfen, ob für den Insolvenzfall des Reiseveranstalters eine Absicherung besteht. Das Reisebüro muss den Reisepreis an den Kunden erstatten. (Quelle: Würzburger Tabelle, Kay P. Rodegra)

Fall II: Fehlendes Visum
Ein Urlauber bucht eine Kreuzfahrt und kann die Reise nicht antreten, da er nicht im Besitz eines erforderlichen Visums ist. Er verklagt sein Reisebüro, da es nicht über die Visumspflicht informiert hat.

Urteil: Landesgericht Karlsruhe vom 11. April 2008
Kein Anspruch auf Schadensersatz. Der Reisevermittler muss nicht über Einreisebestimmungen informieren. Diese Informationspflicht hat der Reiseveranstalter. (Quelle: Würzburger Tabelle, Kay P. Rodegra)

Fall III: Schiffabfahrt verpasst
Ein Kunde bucht eine Kreuzfahrt ab Miami. Den Zubringerflug bucht er separat direkt bei der Fluggesellschaft. Der Flug wurde verspätet durchgeführt, das Schiff nicht erreicht. Der Passagier storniert die Kreuzfahrt und muss Stornokosten an den Reiseveranstalter bezahlen.

Urteil: Amtsgericht Wedding vom 25. März 2011
Der Urlauber hat Entschädigungsanspruch (Stornokosten der Kreuzfahrt u.a.) gegen die Fluggesellschaft, wenn diese nicht vortragen kann, alles Zumutbare zur Vermeidung des Schadens getroffen zu haben. (Quelle: Würzburger Tabelle, Kay P. Rodegra)

Fall IV: Absage wegen Gehbehinderung
Ein gehbehinderter Urlauber bucht eine Flusskreuzfahrt. Dem Reiseveranstalter ist die Behinderung bekannt. Es wurde jedoch kein behindertengerechtes Schiff zugesagt. Der Urlauber kann die Reise nicht antreten, da er bereits bei der Einschiffung zunächst durch ein anderes Schiff, das neben dem gebuchten Schiff liegt, durchgehen muss und dabei eine Treppe mit 18 Stufen zu überwinden ist.

Urteil: Oberlandesgericht Hamm vom 21. Oktober 2011
Eine Kündigung des Reisevertrages ist gerechtfertigt, da der Reiseveranstalter von der Behinderung wusste. Das Betreten des Schiffes ist für den Passagier nicht möglich. Der Veranstalter muss den Reisepreis und die Kosten für die nutzlose Anreise zum Schiff erstatten. (Quelle: Würzburger Tabelle, Kay P. Rodegra)

Fall V: Ehestreit
Ein Ehepaar bucht eine Kreuzfahrt und schließt eine Reiserücktrittskostenversicherung ab. Das Ehepaar zerstreitet sich vor Beginn der Reise und tritt die Reise wegen niedergedrückter Stimmung nicht an.

Urteil: Amtsgericht München vom 03. August 2008
Kein Anspruch gegen die Reiserücktrittskostenversicherung, da kein versichertes Risiko betroffen ist. (Quelle: Würzburger Tabelle, Kay P. Rodegra)

Fall VI: Einführung vom Rauchverbot
Nach der Buchung der Reise wird auf dem gebuchten Kreuzfahrtschiff ein generelles Rauchverbot in den Kabinen eingeführt.

Urteil: Oberlandesgericht Rostock vom 27. Oktober 2008

Kostenfreier Rücktritt vom Reisevertrag möglich. Es liegt eine wesentliche Änderung der Reiseleistung (erlaubtes Rauchen) vor. (Quelle: Würzburger Tabelle, Kay P. Rodegra)

Fall VII: Negative Online-Bewertungen
Ein Reisekunde liest nach Vertragsabschluss diverse negative Bewertungen über das gebuchte Kreuzfahrtschiff im Internet und kündigt daraufhin den Reisevertrag.

Urteil: Amtsgericht Bremen vom 30. Juni 2011
Kein Anspruch auf Rückzahlung des Reisepreises, da eine Kündigung des Reisevertrages nicht auf schlechte Bewertungen im Internet gestützt werden kann. (Quelle: Würzburger Tabelle, Kay P. Rodegra)

Fall VIII: Verspätetes Gepäck
Aufgegebenes Fluggepäck wird erst einen Tag später auf das Schiff gebracht.

Urteil: Landesgericht Frankfurt am Main vom 20. Dezember 1993
40% Preisminderung des anteiligen Reisepreises für einen Tag.

Quelle: http://würzburger-tabelle.de/

Stand: 09.03.2016, 16:17