Dieselruß ist tödlich

Dieselruß ist tödlich

Rauchen ist schädlich für die Gesundheit. Das wissen wir alle. Aber genauso schädlich wie Zigaretten sind Stickoxide, die Dieselfahrzeuge ausstoßen. Dagegen können wir aber wenig tun. Wir alle sind ihnen in Städten ausgesetzt. Düsseldorf, Düren und Leverkusen sind zum Beispiel extrem stark betroffen. Aber wie krank machen uns Dieselfahrzeuge wirklich? Darüber sprechen wir mit dem Lungenfacharzt Dr. Norbert Mülleneisen.

Lungenfacharzt Dr. Norbert Mülleneisen aus Leverkusen setzt sich dafür ein, dass umweltbezogene Gesundheitsgefahren und -schädigungen ernster genommen werden. Er hat Anzeige unter anderem gegen Ex-VW Chef Martin Winterkorn erstattet. Durch das Täuschungsmanöver bei den Abgasen sei die Gesundheit vieler Menschen geschädigt worden.

Zunahme von Asthma und Atemwegsallergien

Seit Jahren sei eine Zunahme von Asthma und Atemwegsallergien zu beobachten. Viele Patienten haben aber nie geraucht. Verantwortlich dafür sind Feinstaub und Stickoxide. Besonders hoch sind sie gerade in Leverkusen, in dem sich zwei Autobahnen kreuzen. Die Grenzwerte in zwei Stadtteilen wurden grandios überschritten. „Diese Stadt ist gekniffen durch die Autobahnen.“ Leverkusen sei aufgrund der Autobahnen A 1, A 3 und A 59 ein Exerzierplatz für Belastungen durch Emissionen des Straßenverkehrs. „Auf Dauer ist mehr Lärm, vor allem aber die Belastung durch Dieselruß-Feinstaub und Stickoxide gesundheitsschädlich.“ Zu den verkehrsbedingten Feinstaubquellen gehören auch der Reifen- und Straßenabrieb. Dr. Mülleneisen übt scharfe Kritik: „Rauchen kann man aufhören, das Atmen kann man nicht aufhören. Wenn die Luft verpestet ist, stirbt man langsam zuhause im Bett.“

Beim Einatmen von Stickoxiden entsteht Salpetersäure in der Lunge. Das führt zu einer Verätzung, dann können alle Stoffe stärker wirken. Das heißt Pollen wirken stärker und auch chronisch Kranke haben größere Probleme. Die Hauptbeschwerden sind: Husten, Luftnot, Entwicklung von Heuschnupfen. Allergien und auch Asthma nehmen deutlich zu. Das Risiko an Asthma oder Lungenkrebs zu erkranken ist hoch.

Dieselfahrverbot in Stuttgart

Das Dieselfahrverbot in Stuttgart ab 2018 soll die gesundheitsschädlichen Stickoxidwerte senken und könnte auch in einigen Städten in NRW bald kommen.

City-Maut oder Diesel-Verbot? NRW-Städte denken über die Zukunft der Mobilität nach

Diesel-Fahrverbote, City-Maut - ganz fiese Vorstellungen für Autofahrer, für die Stadt Köln aber denkbar. Vor allem ist beides schnell umzusetzen und wirksam im Kampf gegen die Luftverpestung. Diesel gelten als Mitverursacher der Stickoxide. Die City-Maut ist in London erprobt und gilt dort als Erfolg.

Dicke Luft in Düren

An der Euskirchener Straße in Düren ist die Luftqualität schlecht. Hier liegt der Jahresmittelwert für Stickstoff-Dioxid bei 61 Mikrogramm. Der europäische Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm. LKW sollen aber vorerst nicht umgeleitet werden – und auch die Verbannung älterer Dieselfahrzeuge aus den Innenstädten wurde abgelehnt.

Was können Menschen machen, die an vielbefahrenen Straßen wohnen?

Empfehlungen von Dr. Mülleneisen

Vor allem für Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen ist wichtig: Lüften am besten in den frühen Morgenstunden, wenn der Verkehr noch gering ist. Ideal ist zudem feuchtes Wetter, weil Feuchtigkeit insbesondere Feinstaub am Boden hält. Regnerisches oder nebliges Wetter ist daher ein guter Zeitpunkt zum Lüften. Weniger geeignet sind trockene und windige Tage. Dann können Feinstaub und Abgase schnell in die Wohnung gelangen und schlechte Bedingungen herstellen. Der Balkon sollte nicht genutzt werden, wenn viel Verkehr oder hohe Ozonwerte herrschen. Gleiches gilt für Spaziergänger. Sie sollten idealerweise Gegenden mit hohem Verkehrsaufkommen meiden und lieber im Park oder am Fluss spazieren gehen.

Stand: 19.04.2017, 06:00

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