Armut in NRW

Hände eines älteren Menschen mit Geldmünzen

Armut in NRW

Viele Menschen in NRW sind von Armut bedroht, vor allem Alleinerziehende, Rentner, Geringverdiener und Menschen mit niedrigem Bildungsstand. Darüber reden wir mit Journalist Marko Rösseler und Jenny Jürgens, die für ihr soziales Engagement von Hannelore Kraft den Landesverdienstorden überreicht bekam.

Laut der Zahlen des Statistischen Bundesamts liegt NRW ganz weit „vorn“ in Deutschland, was das Armutsrisiko angeht: 17,5 Prozent der Menschen in NRW sind von Armut bedroht, und die Kluft zwischen arm und reich wird immer größer, da immer mehr Menschen mit Vollzeitjob und Rente an die Armutsgrenze rutschen - in ganz Deutschland waren es 2015 rund 500.000 ältere Menschen, die im Rentenalter auf Grundsicherung angewiesen waren.

In Nordrhein-Westfalen gilt ein Ein-Personen-Haushalt mit einem Einkommen von 918 Euro netto im Monat als armutsgefährdet. Für einen Vier-Personen-Haushalt mit zwei Kindern unter 14 Jahren liegt der Wert bei 1929 Euro. In NRW betrifft dies nach Aussagen von Sozialminister Rainer Schmeltzer etwa 2,8 Millionen Personen. Die Kluft zwischen arm und reich wird immer größer.

Gast Marko Rösseler

Der Journalist Marko Rösseler hat für die Dokumentationsreihe „Die Story“ den Film „A40 – Eine Autobahn trennt arm und reich“ über Essen gedreht. Die A40 ist der "Sozialäquator" des Ruhrgebietes - sie trennt den ärmeren Norden vom reicheren Süden. Es gibt wohl kaum eine Metropolregion in Europa, die von einer solchen Kluft durchzogen ist wie das Ruhrgebiet entlang der A40.

Für Rösseler ist Essen ein Paradebeispiel für die immer weiter wachsende Kluft zwischen arm und reich. Es gibt dort sehr viele Menschen, die an der Armutsgrenze leben, es gibt aber auch einen großen Teil, der sehr wohlhabend ist. Im Norden sind die Mieten erschwinglich, dort leben auch die meisten Harzt-IV-Empfänger. Der Süden von Essen ist dagegen sehr hochpreisig und eher unerschwinglich für den "Otto-Normalverbraucher". Mit diesem „Sozialäquator“ ist dort auch eine Grenze zwischen guten Zukunftschancen und Perspektivlosigkeit entstanden. Für die Menschen wird ein Wechsel zwischen den Welten umso schwieriger, je mehr sich die getrennten Verhältnisse verfestigen.

Jenny Jürgens im Portrait

Jenny Jürgens bekam am 18. Januar 2017 in Düsseldorf für ihr soziales Engagement den Landesverdienstorden. 2009 hatte sie mit dem Deutschen Roten Kreuz in Düsseldorf das Projekt „Herzwerk“ gegründet, das gezielt älteren Menschen unterstützt, die von Armut und Einsamkeit betroffen sind.

Landesorden: Um die Allgemeinheit verdient gemacht

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hat am Mittwoch 26 Bürgerinnen und Bürger mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Darunter auch den Kabarettisten Ludger Stratmann, einen Wissenschaftler und einen Bäckermeister.

Ludger Stratmann

Der Mediziner und Kabarettist Ludger Stratmann unterstützt seit Jahren die Solidarfonds-Stiftung NRW, die schulische und bildungspolitische Projekte vor allem für junge Menschen fördert. Er ist Vorsitzender im Stiftungskuratorium und spendet Erlöse aus seinen Kabarett-Programmen. Zudem setzte er sich mit anderen Künstlern erfolgreich für den Erhalt des traditionsreichen Essener Großkinos Lichtburg und für das Stenkhoffbad in Bottrop ein.

Der Mediziner und Kabarettist Ludger Stratmann unterstützt seit Jahren die Solidarfonds-Stiftung NRW, die schulische und bildungspolitische Projekte vor allem für junge Menschen fördert. Er ist Vorsitzender im Stiftungskuratorium und spendet Erlöse aus seinen Kabarett-Programmen. Zudem setzte er sich mit anderen Künstlern erfolgreich für den Erhalt des traditionsreichen Essener Großkinos Lichtburg und für das Stenkhoffbad in Bottrop ein.

Wissenschaftsmoderator Ranga Yogeshwar erhält den Verdienstorden für sein Engagement gegen Rassismus und Diskriminierung. Yogeshwar, der seit 20 Jahren das Bischöfliche Hilfswerk Misereor unterstützt, könne "nicht nur gut Wissenschaft erklären", sondern wende seine Fähigkeiten auch an, um Menschen zu helfen, so Hannelore Kraft bei der Ehrung.

Leonard Lansink, bekannt als Münsteraner Ermittler "Wilsberg", setzt sich seit Jahren für die Krebsberatung Münster ein und sammelt durch zahlreiche Benefizaktionen unter seinem Rollennamen Spenden. Bei der jährlichen Benefizaktion "Wilsbergs Promi-Kellnern" bewirten Prominente die Gäste, Lansink steht dabei am Zapfhahn.

Jenny Jürgens erhält die Auszeichnung unter anderem für ihr Engagement für arme Senioren. Seit 2005 ist sie Botschafterin für die Seniorenarbeit des Deutschen Roten Kreuzes in Düsseldorf. Hier entwickelte sie das Projekt Herzwerk, das für arme Senioren die Kosten etwa für die Anschaffung von Kleidung oder für Fahrten zu medizinischen Behandlungen übernimmt und Weihnachtsfeiern organisiert.

Den Politikwissenschaftler und Leiter des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen, Claus Leggewie, bezeichnete Ministerpräsidentin Hannelore Kraft bei der Ordensvergabe als „unbequem, aber verständlich.“ Und, "wir brauchen Menschen wie Sie, die komplexe Gedanken verständlich darstellen können.“

Reinhard Wiesemann erhält den Verdienstorden für seine "herausragenden Verdienste um die Stadtentwicklung in Essen". Wiesemann zeichnet unter anderem verantwortlich für das GeKu-Haus“ (GenerationenKult-Haus), das mitten in der Essener Innenstadt mehreren Generationen Platz bietet. Neben seniorengerechten Wohnungen und WG-Zimmern entstand ein Café mit integriertem Kunst- und Trödelmarkt, Dachterrasse, Heimkino und Wellnessbereich.

Der Kölner Bäckermeister Franz-Josef Knieps hat sich jahrzehntelang ehrenamtlich für das Handwerk in Nordrhein-Westfalen engagiert. Unter anderem war er Präsident der Handwerkskammer zu Köln und Präsident des Westdeutschen Handwerkskammertages. Zu seinen Verdiensten zählt etwa, dass die Handwerkskammer zu Köln eine fünfsprachige Ausbildungsbörse anbietet.

Die Angst, im Alter nicht mehr die finanziellen Möglichkeiten zu haben wie bisher, ist bei vielen Menschen da. Für Jenny Jürgens ist es nur schwer zu ertragen, dass Menschen nicht mit Würde altern können, obwohl sie ihr ganzes Leben gearbeitet haben. Das Hilfsprojekt versucht, genau da anzusetzen und zu unterstützen.

Stand: 31.01.2017, 06:00

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